Stadtbummel Solothurn

Hätten wir doch nur den Böögg verbrannt ...

Wolfgang Wagmann
Die Bööggin brannte wegen angekündigter Windböen nicht. (Archiv)

Die Bööggin brannte wegen angekündigter Windböen nicht. (Archiv)

April, April! Sch… drauf! Uns ist nicht ums Scherzen. Also kein Aprilscherz. Macht auch Sinn. Stellt Euch vor: Die alte Kantonalbank wird abgerissen. Die Voliere am Amtshausplatz kommt weg. Die werte Bevölkerung ist nun aufgerufen, alle überzähligen Vögel abzuholen. Um 14 Uhr. Bitte entsprechende Käfige mitbringen! Das gab’s tatsächlich in Solothurn – an einem 1. April vor rund 70 Jahren. Und die Leute kamen in Scharen vorbei – mit ihrer «Voguchrätze». Ein Kanarienvogel sollte es mindestens sein. Ein Sittich vielleicht. Und wer weiss, vielleicht ist gar ein Papagei darunter. Der reden kann. Heute wohl nur ein Wort: «Cooorrona!»

Und die Vögeli-Fans würden wohl im Zweimeter-Abstand anstehen, mit Schutzmasken vor dem Mund. Übrigens: Wer den zwitschernden Freunden in der heutigen Voliere einen Besuch abstatten will, soll Abstand halten. Nein, nicht zu den Vögeln, denn die Vogelgrippe ist ja kein Thema. Aber zu den andern. Oder noch besser: Lasst es gleich ganz bleiben!

Der April macht, was er will. Nur der Mensch, der macht, was ihm geheissen wird. Unglaublich, was alles passiert ist, seit man vor gut einem Monat den Böögg am Aschermittwoch nicht verbrannt hat. Ein ganz schlechtes Omen, wie sich schon bald herausstellen sollte. Denn die närrrische Abdankung – welch ein Begriff! –, das war der allerletzte Anlass, an dem sich tout Soleure noch in drei Beizen getroffen hat. Aber nicht angesteckt, sonst wäre Solothurn wohl zu einem Ansteckungs-Hotspot geworden wie jene Karnevalshochburg in Nordrhein-Westfalen.

Denken wir lieber nicht dran. Dafür haben wir jetzt ohnehin Fastenzeit. Da schränkt man sich ein. Im Mittelalter gab es während sechseinhalb Wochen kein Fleisch mehr. Heute haben wir es doch viel besser. Aha, Schnecken durfte man damals auch noch essen, Mitte der Fastenzeit. Micarème nennt sich der Brauch. Gelebt noch von der Narrenzunft Honolulu. Besinnlich-sinnlich mit Predigt, dann Schnecken an Kräuterbutter und Sauerkraut. Gab’s diesmal nicht. Genauso wenig wie den Gondeli-Jass auf den Weissenstein retour. Auch wenn vier gerade noch hätten zusammensitzen dürfen. Aber das mit dem Abstand geht definitiv nicht. Auch maskiert und mit «Häntsche» nicht. «Stöck, Wiis, Stich ins Herz.» Es war ein stinklangweiliger März.

Der April wird nicht besser. Nicht einmal das neue Fasnachtssujet haben wir wie sonst immer um diese Zeit. Wird über den Korrespondenzweg erkoren. Hätten wir doch nur den Böögg verbrannt …

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