«Dass wir vom Güggi sind, halli-hallo, das weiss wohl jedes Kind, halli-hallo», schallt der Refrain durch den Hauptraum des Vorstadt-Quartierspielplatzes. Aufbruchstimmung herrscht, nachdem Spielplatzleiterin Milena Adamo die Gruppenverteilung koordiniert hat. Koordiniert, denn rumkommandieren muss sie die Kinder nie. Bereitwillig fliegen die Hände in die Höhe, wenn es ums Verteilen der Spiele geht – denn Spielen ist auf allen drei Quartierspielplätzen die Konstante in diesen vier Tagen bis am Gründonnerstag-Abend. «Nur die Lättli fürs Eingangstor, mit der Schrift ‹Güggi›, die muss fertig werden», setzt Adamo eine Bedingung. Denn die Anlage im «Spickel» zwischen der Büren- und Dreibeinkreuzstrasse wurde soeben umgestaltet. Deshalb das neue Tor – das ebenso identitätstriftend ist wie das soeben verklungene «Güggi-Lied».

Kindercoaches und natelfrei

Unterstützt wird Milena Adamo in ihrem zweiten Jahr als Leiterin durch Assistentin Mirjam Matter und insgesamt acht Kindercoaches. «Die Kinder spielen und haben das Handy zu Hause gelassen. Das ganze Güggi ist eine natelfreie Zone», so Matter. Was die Kids nicht im Geringsten zu stören scheint. Sie hämmern, sägen und spielen, was das Zeug hält. Auch selbst entwickelte Ideen haben Platz, im Güggi wurde sogar ein Hexentrank gebraut.

Die 18-jährige Selma ist schon seit sechs Jahren Kindercoach und hat entsprechende Ausbildungskurse genauso besucht wie die vier Jahre jüngere Pauline. «Wenn ich Zeit habe, verbringe ich jeweils den Mittwoch- und Freitagnachmittag auf dem Quartierspielplatz – es macht einfach Spass», erzählt Selma. Und Pauline ergänzt: «Es ist nie das Gleiche, die Nachmittage sind sehr abwechslungsreich.» Gefordert sei man auch: So lerne man beispielsweise, mit Kindern umzugehen, die frech werden. Da müsse man sich zu zügeln wissen.

Frühlingsferien-Aktionswoche 2019 auf den Solothurner Spielplätzen

Ein Rundgang auf den Solothurner Spielplätzen während der Frühlingsferienaktions-Woche.

Und ewig lockt das Murmelspiel

Ebenfalls 27 Kinder betreut Spielplatzleiterin Gina Kirchner am Tannenweg in der Weststadt. Die Kinder wirken wesentlich jünger als in der Vorstadt, «zwei Drittel sind noch im Kindergartenalter. Wir haben einen sehr aktiven Kindergärteler-Jahrgang. «Aber sie spielen miteinander und es gibt keinen Wettbewerb.» Die Kleinen meistern sogar ausgesprochen knifflige Aufgaben wie das Herstellen eines Murmelspiels. «Die Jüngereren fertigen es aus Karton an, die Älteren aus Holz», erklärt Kirchner.

Dabei hilft ihr mit Andreas Teichmann auch der Leiter des Tannenweg-Jugendtreffs, zudem kann die Leiterin auf zwei Kindercoaches sowie die langjährige, «sehr tolle» tamilische Köchin Suttha zählen, die schon für die ersten betörenden Düfte über dem Quartierspielplatz sorgt. «Nachmittags sind Gruppenspiele geplant – hier gibts keinen Alltag und immer gehts ums Mitmachen», freut sich Gina Kirchner über das Kindergewusel. «Ewig» sei sie schon dabei, seit elf Jahren, «und es macht immer noch Spass».

Pizza aus dem Lehmofen

«Es sind eben sehr viele Kinder in den Ferien», entschuldigt sich Lis Dreier fast ein wenig, dass mit 22 Kindern das Maximum an Plätzen auf dem Quartierspielplatz Villa 41 nicht ganz ausgeschöpft worden ist. Doch zusammen mit den fünf Kindercoaches herrscht reger Betrieb im idyllisch gelegenen Garten der alten Villa, gesäumt vom rauschenden Dürrbach. «Wir hoffen, dass es noch lange so bleibt», weiss die Spielplatzleiterin, dass die alte Villa an der Weissensteinstrasse ein Glücksfall ist – jederzeit könnte die stadteigene Liegenschaft als Quartierspielplatz abhandenkommen.

Lisa Dreier kennt aus ihrer 14-jährigen Erfahrung, wie es ist, heimatlos zu sein. «Nachdem der Spielplatz am Stäffiserweg aufgehoben worden war, gingen wir eben für zwei Jahre mit den Kindern in den Wald.»

Jetzt ist die Villa 41 für den Spieltrieb der Kinder wie gemacht. Die älteren Buben basteln, sie schrauben mit Akku-Bohrern ganze Hütten zusammen. «Hier können sie auch neue Spiele erfinden», betont die Spielplatzleiterin. Bereits seit dem Herbst konstruiert ist der rauchende Lehmofen in der Spielplatzecke, wo zwei Väter emsig den Teig für Pizzen und Schlangenbrot drapieren. Lis Dreiers Augen leuchten, wenn sie das Gewimmel beobachtet: «Als Kind habe ich auch immer am liebsten Hütten gebaut.