Für die Familie Privée geht es im wahrsten Sinne des Wortes um die Wurst. Denn davon lebt sie. «Ohne den Grill- und Backwarenstand kann unser Geschäft nicht überleben», weiss Lionel Privée.

Habe doch das Restaurant Bistraito im 1986 erworbenen Haus am Märetplatz zu wenig Plätze, um genügend Umsatz vor allem im Winterhalbjahr zu generieren. Nun, nach fast 40 Jahren möchte Tochter Stephanie das Geschäft übernehmen.

«Ich würde es gerne wie bisher weiterführen», sagt die gelernte Wirtin – doch könnte es da ein grösseres, ja unlösbares Problem geben: An sich ist der Grill- und Backwarenstand von der Stadt nur noch geduldet, solange die Eltern den Betrieb führen.

«Das Haus will ich nicht übernehmen, nur den Betrieb.» Doch entscheidend für den Schritt ist bei Stephanie Beer-Privée, ob sie weiterhin auf das wichtige Standbein des Wurst- und Backwarenverkaufs zählen kann.

«Das sollte doch innerhalb der Familie möglich sein», meint der Rechtsberater der Familie, der nun ein entsprechendes Gesuch an die Stadtbehörden richten will. Sollte dieses jedoch abschlägig beantwortet werden, weiss Lionel Privée auch nicht weiter. «Was soll ich dann mit dem Haus machen. Etwa eine Boutique?»

Eine uralte Regelung

Festgeschrieben ist der für die Familie Privée allenfalls fatale «Bratwurst-Artikel» im Reglement über die Nutzung des öffentlichen Raums für Märkte und marktähnliche Nutzungen. Beschlossen wurde dieses an der Gemeindeversammlung vom 22. Juni 2004, ist also schon über elf Jahre in Kraft.

Angewendet wurde es jedoch in der Folge bei den davon Betroffenen nicht. «Es wurde beschlossen, dass drei Ausnahmen toleriert würden, bis ein Wechsel auf der Betriebsliegenschaft stattfindet», weiss dazu Stadtschreiber Hansjörg Boll.

Es handelte sich um den inzwischen verschwundenen Aussenstand des Bistros Rust am Märetplatz, den Bratwurst- und Backwarenstand der Familie Privée auf dem «Bistraito» nebenan sowie die Stadtmetzg von Ruedi Wälchli, der vor allem am Abendverkauf oder an grösseren Stadtanlässen ebenfalls draussen vor dem Geschäft Hamburger, Bratwürste und Spiesse grilliert.

Warum die Stadt blockt

«Es gab und gibt eben immer wieder Anfragen durch Betreiber von Imbissständen, die auf dem öffentlichen Grund und Boden Esswaren und oder Getränke anbieten wollen», so Boll – doch daran habe die Stadt auch aus Gründen der Gleichbehandlung kein Interesse.

Müsste doch dann jede Nachfrage positiv beantwortet werden. «Und Geschäftsleute, die ihre Speisen innen zubereiten, haben Auflagen wie aufwendige Entlüftungsanlagen zu erfüllen», weist der Stadtschreiber auf einen weiteren Punkt hin: die zu erwartende Häufung von Geruchsimmissionen.

Bei einer Bewilligung von solchen Essensständen wie Crêperien, Güggeli-Grills und eben Bratwurstständen draussen auf öffentlichem Grund sei in einem Baubewilligungsverfahren sicher auch mit Einsprachen zu rechnen, zählt Boll ein weiteres Argument gegen eine Liberalisierung in diesem Bereich auf.

Übrigens: Den Güggeli-Brater bei der Konsumbäckerei kann die Stadt beispielsweise nicht wegweisen, «er übt sein Geschäft nicht auf öffentlichem Grund und Boden aus.» Was dagegen am Märetplatz völlig anders: Das gesamte Vorgelände inklusive des vergitterten alten Prangers neben der Restauranttüre liegt auf Stadtboden.

Kein Kebab-Stand

Bevor Lionel und Maria Privée ab 1991 auf dem Märetplatz begannen, auf dem von der Stadt gepachteten Aussenraum Würste zu braten und Backwaren zu verkaufen, hatten sie zuvor 27 Jahre im Korridor des heutigen Warenhauses Manor, damals noch Nordmann, einen Imbiss-Stand betrieben.

Das heutige Angebot sei «wichtig und attraktiv» für die Stadt, man habe auch immer auf beste Qualität geachtet. «Und mit der Polizei hatten wir nie Probleme», versichert Vater Privée.

Im Gegenteil: Als er 1996 um die Bewilligung für einen zusätzlichen Kebab-Aussenstand ersucht hatte, konnte er auf die Unterstützung durch die städtische Polizeikommission zählen.

Die Gemeinderatskommission GRK allerdings lehnte das damalige Gesuch ab – wohl aus ähnlichen Gründen, die 2004 zur erwähnten «Lex Grill» führten. Als Wirteverbandspräsidentin hatte Stephanie Beer-Privée stets Einblick in den schwelenden Konflikt zwischen dem blühenden Take-away-Business und der angestammten Gastronomie.

Sie möchte auch keineswegs einen «Sonderstatus» auf dem Märetplatz beanspruchen. «Andere sollten dasselbe auch machen können», hofft sie auf eine liberalere Praxis als jene, die ihr möglicherweise das Weiterführen des elterlichen Betriebs verunmöglichen könnte.