Kriminalität

Gefährliches Pflaster: Solothurn ist der kriminellste Ort im Kanton

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Solothurn nimmt ausgerechnet den 11. Platz in der statistisch berechneten Kriminal-Rangliste aller Orte ein.

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Seit 2009 erhebt das Bundesamt für Statistik, wo in der Schweiz wie viele Straftaten verübt werden. Solothurn schafft es immer auf die vorderen Ränge. Gibt es dafür eine Erklärung?

Vergangene Woche publizierte der «SonntagsBlick» eine Rangliste mit dem Kriminalzahlen aller Schweizer Gemeinden. Man berechnete, wie viele Straftaten pro 1000 Einwohner in den vergangenen fünf Jahren, von 2009 und 2014, jährlich in jedem Ort wurden. Grundlage für diese Zahlen sind die Erhebungen des Bundesamtes für Statistik über die Kriminalität.

Zu verkünden gab es eine Überraschung, die auch schon in verschiedenen Medien ihren Niederschlag gefunden hatte: Das kleine Winzerdorf Allaman hält mit Abstand den ersten Platz, den es wurde berechnet, dass auf drei Einwohner hier jährlich eine Straftat durchgeführt wird.

Wir wollten jetzt aber wissen, wie schneiden auf dieser Liste die Gemeinden im Einzugsgebiet dieser Zeitung ab? Das Durchforsten der Liste zeigt: Die «sicherste» Gemeinde in diesem Ranking ist Wolfisberg, oberhalb Rumisberg. Nur gerade 6,7 von 1000 Einwohner wurden dort in den vergangenen fünf Jahren als Straftäter registriert. Auf dem zweiten Platz folgt Eriswil mit 8,4 Straftätern, gefolgt von Ursenbach mit 8,5 Straftätern.

Im Kanton Solothurn ist das 539-Seelen-Dorf Bolken mit 9,2 Straftätern in fünf Jahren pro 1000 Bewohner die friedlichste Gemeinde; die zweitsicherste soll laut Berechnungen Hüniken mit
9,6 sein.

Und wo lebt es sich am gefährlichsten, respektive: Wo im Verbreitungsgebiet dieser Zeitung wurden in den vergangenen fünf Jahren am meisten Straftaten pro 1000 Einwohner verübt? In Solothurn! Die Kantonshauptstadt erreicht mit 179,6 Vergehen ausgerechnet den 11.! Platz in der Statistik. Platz 12 wird von Bern, Rang 13 von Biel belegt. Ein eigentliches Bermuda-Dreieck der Straftaten in den drei Nachbarstädten also.

Den zweiten Rang der Vergehen im Kanton Solothurn nimmt Egerkingen mit dem gesamtschweizerischen Rang 17 ein, 152 Straftäter zählt man dort. Olten ist innerhalb des Kantons drittplatziert, schweizweit Rang 21. Hier waren 138,4 Personen pro 1000 Einwohner mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Relativ weit vorne ist auch Oensingen zu finden – auf Platz 49. 111, 6 Personen pro 1000 haben hier statistisch gesehen zugeschlagen.

Die nächste Solothurner Gemeinde, die auf der Liste zu finden ist, nimmt Platz 82 ein: Bellach. Viel sicherer ist es in Grenchen. Die Uhrenstadt folgt erst auf Rang 165 mit einer 78,6 Straffälligen-Quote. Langenthal figuriert auf Rang 120 mit 86,8 Personen. Der schweizerische Durchschnitt haben die Statistiker übrigens mit 70,6 Personen pro 1000 Einwohner ermittelt. Das wäre Rang 230. Diesen Platz hält beispielsweise Lyss inne.

Fragt man nach den Gründen für das schlechte Abschneiden der Stadt Solothurn, gibt es eine plausible Erklärung, welche die Polizei Kanton Solothurn abgibt. Es seien vorwiegend die Einbruchs-Vergehen, die sich in der Statistik massiv widerspiegeln. Der Grund liege darin, dass ein Einbruch im Kanton Solothurn gleich dreimal in der Statistik aufgeführt wird: als Diebstahl, als Sachbeschädigung und als Hausfriedensbruch. Und noch immer werden die Einbrüche nicht in allen Kantonen statistisch auf gleiche Art «verbucht». Zudem sei Solothurn als Kantonshauptstadt Sitz der kantonalen Verwaltung und damit werde das Vergehen «Nichteinhalten amtlicher Verfügungen», jeweils direkt der Stadt Solothurn zugerechnet, egal, ob der Schuldige Solothurner Einwohner sei oder nicht.

Ein Grund für eine erhöhte Kriminalzahl gewisser ländlicher Ortschaften ist sicher ihre Verkehrslage. So sind Oensingen und Egerkingen an der A1 gut und schnell erreichbar und ebenso schnell wieder zu verlassen. Dazu hat Egerkingen ein grosses Einkaufszentrum aufzuweisen, was wiederum die statistisch stark ins Gewicht fallenden Diebstähle provoziert, genauso wie das in Allaman der Fall ist.

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