Restaurant geht zu

«Gallo Nero» am Solothurner Märetplatz hat bald ausgekräht

Ende Februar nach der Fasnacht schliesst das Restaurant Gallo Nero seine Pforten.

Ende Februar nach der Fasnacht schliesst das Restaurant Gallo Nero seine Pforten.

Vor gut drei Jahren hatte «Wirthen»-Betreiber Chris van den Broeke nebenan das damalige «Bistraito» übernommen und in «Gallo Nero» umgetauft. Nun gibt er das Restaurant Ende Februar auf, da der Umsatz zu wünschen übrig liess.

«Wir werden das Restaurant nach der Fasnacht schliessen», kündet Pächter Chris van den Broeke an, was längst in der Stadt die Runde gemacht hatte: Der «Gallo Nero» am Märetplatz geht auf Ende Februar zu. «Ich habe nicht kampflos aufgegeben, aber der Pachtzins war zu hoch und ein Ertrag damit nicht zu erwirtschaften.» Van den Broeke, bekannter als langjähriger Pächter des Zunfthauses zu Wirthen hatte auf Anfang 2017, also vor gut drei Jahren, das damalige «Bistraito» von Maria und Lionel Privé gepachtet, als sich das Ehepaar altershalber aus dem Restaurant-Betrieb mit seiner grossen Aussenterrasse zurückzog. Die Liegenschaft blieb allerdings im Besitz der Familie Privé. «Ich habe den Ausstieg aus der Pacht mit ihnen vertraglich geregelt», so van den Broeke, der für das «Gallo Nero» eine eigene GmbH gegründet hatte.

Als es um die Wurst ging

Erschwert hätten den Betriebserfolg auch die Beschränkungen des Geschäfts mit dem Aussenstand, insbesondere der Wegfall des Aussengrills für Bratwürste und Schüblige. Ein Standbein, dass die Familie Privé als damalige Initianten noch bis zur Geschäftsaufgabe hatten betreiben dürfen, nicht aber laut städtischem Recht ein Nachfolger-Betrieb. Diese «Lex Grill» aus dem Jahr 2004 hatte zwar in der Folge zu politischen Aktivitäten geführt, um allenfalls doch noch eine Lösung zu finden.

Doch blieb ein entsprechender SP-Vorstoss erfolglos. Im Sommer 2017 war der Aussengrill dann ausser an Festivitäten  Geschichte geworden. Schon 2015 hatte die Tochter von Lionel Privé das Weiterführen des elterlichen Betriebes zuletzt verworfen, weil ihr Vater sich auf den Standpunkt gestellt hatte, „ohne den Grill und den Backwarenstand kann unser Geschäft nicht überleben". Nachfolger van den Broeke hatte dann versucht, mit drinnen grillierten Würsten, draussen präsentiert in einem Warmholder, das Geschäft aufrecht zu erhalten – doch goutierte die Laufkundschaft diese Behelfslösung offensichtlich nicht besonders.

Der Koch kann im «Badmeister» weitermachen

Betroffen von der Aufgabe des «Gallo Nero» auf Ende Februar sind drei Angestellte. Von Ihnen kann zumindest der Koch durch den bisherigen Arbeitgeber weiter beschäftigt werden - und zwar in der Saison-Lounge Badmeister am Römerweg, die van den Broeke zusammen mit Tanja Gluch von «Salz + Pfeffer» betreibt. «Schönes Wetter vorausgesetzt werden wir die Lounge im März zumindest an den Wochenenden eröffnen», so der Wirthen-Wirt, der zudem noch im „Winter-Wunderland“ auf dem Dornacherplatz engagiert ist.

Ein Käufer für das Haus wäre da

Nach dem Ausstieg van den Broekes am Märetplatz stellt sich nun die Frage, wie es mit der prominent gelegenen Liegenschaft weitergehen soll. Offenbar herrscht bei Eigentümer Privé Verkaufsbereitschaft, denn bereits ist ein potenzieller Käufer bekannt, der das Haus baldmöglichst erwerben möchte.

Er sieht die Zukunft in einer umfassenden Renovation des gesamten Gebäudes, und ein neuer Pächter oder eine Pächterin soll den Restaurantbetrieb nach der Sanierung weiterführen. Immerhin hatte man noch Chris van den Broeke auch eine zusätzliche Bestuhlung Richtung Gurzelngasse bewilligt, auch bestünde die Möglichkeit, durch die dortige Fensterfront das Take-away-Geschäft zu betreiben.

Ohne Aussenterrasse geht es nicht

Wie auch für die benachbarte Brasserie Fédérale ist das Aussengeschäft auf der grossen Terrasse Richtung Märetplatz von grosser Bedeutung, um den ruhigeren Winter zu überbrücken. Die Nutzung als Aussenrestaurants erfolgt seit den siebziger Jahren, als der Parkplatz auf dem Märetplatz aufgehoben und das damalige Haus Rust mit einem Bistro umgebaut wurde. Das nördliche Nachbarhaus war bis zum Kauf des Hauses durch Lionel Privé 1986 die «kleinste Beiz» der Stadt gewesen – In der Form des «Schnapsladens» Bühlmann-Walthard mit einer Ausschankmöglichkeit im hölzern heimeligen Stübli. Nach dem Umbau wurde kurzzeitig ein Comestibles-Experiment im Gebäude  gewagt, ehe Privé daraus dann das „Bistraito“ machte, das neben den stadtbekannten Backwaren und dem Wurstgrill sich im Sommer auch auf das Standbein Glacé stützen konnte.

Der gesamte Aussenraum wird durch die Stadt an die beiden Restaurant-Betreiber nach Quadratmeter-Ansätzen vermietet. Auf Stadtboden liegt im Übrigen auch der seltsame Gitter-Anbau am «Noch-Gallo Nero», der an einen Volieren-Käfig erinnert, aber früher einem unangenehmeren Zweck gedient haben soll: dem zurschaustellen von Übeltätern im, oder eben am Pranger.

Autor

Wolfgang Wagmann

Wolfgang Wagmann

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