Stadtbummel

Frühlingserwachen im zweiten Anlauf: In Solothurn kehrt das Leben zurück

Ein Bummel durch die Stadt zeigt: Auch wenn es noch nicht wieder so ist wie früher, füllt sich die Stadt langsam wieder mit Leben. Ein wenig vorsichtig ist man dennoch.

Die Stadt blüht wieder auf. Gut gelaunte Menschen bringen das Leben zurück – fast so, wie es sein sollte. Aber eben nur fast, weil die Angst vor einer zweiten Welle der Coronakrise in den meisten Gesprächen mitschwingt.

Touristen, Strassenkünstler und Einheimische spazieren am Pfingstsamstag durch die locker gefüllten Gassen und nützen das schöne Wetter, um einzukaufen und an der Sonne etwas zu trinken. Weil der Wochenmarkt weiterhin auf dem Schanzenplatz durchgeführt wird, gibt es nirgends Gedränge. Erstmals wären ja eigentlich Treffen mit bis zu 30 Leuten erlaubt gewesen, doch sogar das Grüppchen, das auf dem Weg an einen Polterabend war, beschränkte sich auf zwei Pärchen.

So hat es auch auf dem Märetplatz, wo Marc Huggenberger mit drei Freunden an einem Tisch sitzt, für alle reichlich Platz. «Wir hatten im Amt für Wirtschaft und Arbeit während des Lockdowns sehr viel zu tun und es fehlte mir die Zeit für meine Freunde», erzählt Huggenberger, wie er die Krise erlebt. «Jetzt bin ich wirklich froh, dass wir zusammen an der frischen Luft etwas essen können.» Dass sich die Stadt nun wieder belebt, freue ihn, mache aber auch etwas Angst. «Die Zahlen der Infektionen könnten wieder ansteigen und ein zweiter Lockdown wäre noch viel schlimmer. Bis jetzt konnten viele Entlassungen dank der Kurzarbeit vermieden werden. Falls eine zweite Welle kommen sollte, werden sehr viele Leute arbeitslos.»

Strassenkünstler treten wieder auf, Touristen kommen zurück

Auf der St.-Ursen-Treppe isst eine Familie eine Pizza vom Take-away und Strassenkünstler Marcin lässt seine riesigen Seifenblasen fliegen. Der Lockdown habe ihn, den sonst ständig herumreisenden Weltbürger, ausgerechnet bei uns in der Schweiz überrascht. «Plötzlich war ich gefangen in diesem Paradies, aber es war nicht einfach für mich. Ich durfte ja nicht mehr auftreten und verdiente kein Geld.» Jetzt freue er sich umso mehr über die Begeisterung der Kinder. Auch die Touristen finden wieder ihren Weg nach Solothurn. «Wir machen immer an Pfingsten zusammen einen Ausflug und haben diesmal Solothurn ausgewählt, weil es hier so schöne Biketouren gibt», sagt Sabine Aschwanden aus Rapperswil, die im Stadt Café eine Pause einlegt. «Und am Abend kann man dann in der schönen Stadt fein essen.» Reserviert hatte die Gruppe schon vor dem Lockdown. Es sei reiner Zufall, dass die Kurzferien mit den Lockerungen zusammenfielen.

Die Disziplin bleibt trotz Lockerungen erhalten, und beim Verlassen der Krone, wo sie mit ihrer Tochter eingekehrt war, desinfizierte Bärbel Wyss ihre Hände. «Wir dürfen nicht leichtsinnig werden, es ist noch nicht vorbei», sagt die 80-Jährige. Die Zeit der sozialen Isolation habe sie gut überstanden, weil sie gerne alleine ist. Doch sie spüre eine tiefgreifende Veränderung: «Es ist eine Vorsicht, eine Zurückhaltung bei den Leuten. Es ist nicht mehr wie früher. Ist das jetzt wirklich die neue Normalität, oder kommt noch etwas? Die wirtschaftlichen Auswirkungen werden unsere Kinder noch lange zu spüren bekommen, und man darf nicht vergessen, wie viele Leute im Lockdown einsam, depressiv und krank wurden.»

In der Vorstadt läuft es etwas ruhiger an

Der Dornacherplatz ist fast menschenleer und in der ganzen Vorstadt geht es sehr ruhig zu und her. Aber auch hier kehre das Leben langsam, aber sicher wieder zurück, sagt Coiffeur Luigi Fragale. «Im Salon besetzen wir weiterhin nur jeden zweiten Stuhl, damit die Sicherheitsdistanz eingehalten wird.» Schönheit und Genuss, so lautet die Devise des vor zwei Jahren am Rossmarkt eröffneten Familienunternehmens, zu dem neben dem Coiffeursalon auch ein kleines Bistro und ein Kosmetikstudio gehören. «Wir sind guter Laune, aber es ist noch nicht so, wie vorher. Ich hoffe, dass bis zu den Sommerferien nochmals ein rechter Schub kommt, denn der Umsatz ist noch lange nicht dort, wo er früher war.»

Und mitten im Lockdown gibt es sogar einen Laden, der an der Hauptgasse frisch eröffnet hat: Die Kette kaufengold.ch, spezialisiert auf gebrauchten Schmuck und Luxusuhren und den Ankauf von Altgold, bietet ihre Dienste neu in Solothurn an. Und der Start sei nicht schlecht gelungen, sagt Geschäftsführer Gérard Weislocker: «Der Goldpreis ist gestiegen und wer dringend Geld braucht, verkauft. Gleichzeitig gilt Gold als sichere Anlage in Krisenzeiten. Und wer Geld hat, der legt es jetzt in Gold an.»

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