Bis zur Kreuzackerbrücke ist der Umzug gut gelaufen, in der Vorstadt harzte er jedoch, weil durch die vielen Leute das Durchkommen erschwert war», berichtet Umzugschef Yves Hauri. «Die Stadt war pumpenvoll, so viele Leute haben wir selten», kann er keine genauen Angaben zur Besucherzahl machen. Zufrieden zeigte er sich auch über die Wagenbauer, die sich bezüglich Lautstärke an die Vorgaben hielten: «So ist es völlig okay.» Vorhersehend, dass sonniges Wetter herrscht, brachte der Tambourenverein Solothurn mittelamerikanisches Flair ein.

Der Reggae, Sinnbild für Lockerheit und schwungvollen Rhythmus, wurde letztes Jahr nicht nur Weltkulturerbe, sondern jetzt sogar erstes Umzugssujet. Comichaft gings weiter. Der zur Stärkung seiner Kräfte viel Spinat vertilgende Matrose Popeye segelte mit dem Schiff Olivia vorbei. «Öppe so» nahmen die «Chrumm-Durm-Sumpf-Chroniker» das Sujet auf. Die Primarschule Hermesbühl, vertreten durch eine gemischte 1./2. sowie je eine 5. und 6. Klasse präsentierte sich mit 58 Schülern monstermässig. Kostüme und Masken wurden im Unterricht und in altersdurchmischen Projektgruppen erarbeitet. Die «Guggetschis» ehrten mit der Mexikanerin Frida Kahlo eine der herausragendsten Frauen der Kunstgeschichte.

Solothurner Fasnachtsumzug 2019

Solothurner Fasnachtsumzug 2019

Zeitraffer des Honolulu-Fasnachtsumzugs 2019 "Öppe so"

Weitblick und Stadtmist

Die Narrenzunft Honolulu nahm nicht nur das Projekt Weitblick, sondern auch den Stadtmist aufs Korn. Mit einem Riesenfernrohr wurde in die Altstadt geblickt. Sondermüllentsorger räumten allen Mist auf. Dahinter intonierten die «Symgaggophoniker» auf «Was grüen isch, isch nid riif» passende Weisen. Nach dem Brand im Europapark wünschten die Kinder der «Gassefäger» als Piraten aufzutreten: «Batavia jetzt da in Solotha…!!»

Der Film «Herr der Ringe» gab den «Muttiturmbiissern» die Inspiration für ihren Wagen und ihren Kriegselefanten. Nicht nur sich, sondern alle machten die «Glunggehüpfer» als Gummibärli froh. Als Ode an den immerwährenden Stadtpräsidenten machten die «Hudibras-Chutzen» Kurt Fluri zum Sujet. KuFlus im Multipack als Sesselkleber, aber auch ein Denkmal in Form einer Kurtopolis unterstrichen dies.

Bio, Vegi oder Vegan?

Bunt verschrieben sich die «Kladeredätsch» dem Lädelisterben im Wettstreit gegen den Online-Handel mit Bauchläden. Mystisches und Mythisches aus der Sagenwelt der Berge! Als Berggestalten zogen die «Pistazien» mit ihrem Wagen ins Unterland. Japanisch zu und her gings bei den «Bloos Rein». Die Übersetzung ihres Sujets: So mache mers. Als Bauern folgten die 20-jährigen Grashüpfer dem Bio-, Vegi- und Vegan-Hype.

Die Trommelschule des Tambourenvereins eröffnete den ersten Nachwuchsblock mit den «Hinterwäudlern», «Sö Barockis», «Säcke der Post» und «Konfettifrässern» mit ihrem Himmel-und-Hölle-Wagen. Dem mexikanischen Feiertag «Dia de los Muertos», gedachten die «11-i Schränzer». Im zweiten Nachwuchsblock folgten «Knopflöchler», «Höfli-Hüpfer» und Jaul (Jugendarbeit Unterer Leberberg). Als Jubilar präsentierte sich die 20-jährige Tannewäg-Zunft mit goldig verzierter Kutsche als Königinnen und Könige. Die Provinznarren Zuchu verführten ins Eurodisney. Dazu gehörte auch ein in 140 Stunden geschweisster Eiffelturm!

«Us dr Region für d’Region» schuf die Mamfi-Guggemusig bodenständig lokale Bezüge. Ebenfalls seit 20 Jahren dabei sind die «Altstadt-Rueche», sich selbst krönend als Konfetti-Könige. Auch nach 20 Jahren tönten die Frauen der Wybeeri-Guggen spontan wie eh und je. «Öppe so si si is Stedli» cho – die «Stedtli-Gumslen», die einzige reine Frauen-Wagenbau-Zunft, zogen ein naturgetreues Trojanisches Pferd mit. Einfach «bunt und farbenfroh», das waren die 64 «Weihere Schränzer» mit ihren tollen Rhythmen. Per Schiff kamen die Derendinger «Herregäägger». Sie rissen eine Welle mit ihrem Aareboot «Stadt Solothurn». Weil es ihnen offenbar am Geld fehlt, wechselten die «Glänggeler» auf ein rot-weisses Zelt anstelle eines Grings.

Nicht hinter, sondern auf den Mond führte die «Sans-Gêne» aus Zuchu: 50 Jahre Mondlandung. Zu ihrem Dreissigsten hatten die Konfettistampfer diesen Zirkus satt und zogen als Direktoren durch die Stadt. Tauchen gingen «Die Wüude» aus Oberdorf. Sie wurden in der Aare fündig – eben «angersch». Sie fanden ein verrostetes U-Boot im Sand. Bunt und eckig, das waren die «Ambassadonner» mit bunten Rubik-Kubikwürfel auf dem Kopf sowie fünffarbigen Kostümen in Anlehnung an die Konfettivielfalt.

Jubiläum im Wackelschritt

Veritables Safari-Feeling vermittelten die «Schanzenarre» mit Zoo, überdimensionierter Giraffe und Buschhaus. Einfach nur feiern angesagt war bei der Guggeschränzer-Guggemusig. Zum 50-Jährigen war deshalb alles traditionell inklusive Wackelschritt. Noch 40 Jahre älter ist die Weschtstadt-Zunft.

Mit Cadillac sowie allem Drum und Dran und eigenem Wagen für den Nachwuchs feierten sich die Weschtstädtler. Ideenreich «öppe so» wie sie es sich vorstellte, erschien die Gugge der Aarejätter. Spielfreudig erwies sich der Hauptgass-Leist. Mit Legosteinen kann man nicht nur beliebige Welten nachbauen, sondern ebenso einen fantasievollen Wagen und damit einen würdigen Schlusspunkt setzen.