Ortsplanung

Es grünt so grün – Spaziergang durch drei Solothurner Quartiere

Hier sieht man einen Garten im Dilitschquartier in Solothurn. (Archivbild)

Hier sieht man einen Garten im Dilitschquartier in Solothurn. (Archivbild)

Im Rahmen der Ortsplanung ist die Stadt in 17 Strukturgebiete eingeteilt worden. Blick in die Quartiere Dilitsch, Industrie und Touring.

In spätsommerlichen Farben präsentierten sich die Gärten in den Quartieren Industrie, Dilitsch und Touring anlässlich des Stadtspaziergangs des Architekturforums mit Gabriela Barman Krämer, Chefin Stadtplanung/Umwelt des Stadtbauamts Solothurn. Das soll auch künftig so bleiben, versicherte sie den mehr als ein Dutzend Interessierten, die der Einladung Folge geleistet haben. Im Rahmen der Ortsplanung ist die Stadt in siebzehn Strukturgebiete eingeteilt worden. Drei davon wurden an diesem Anlass betrachtet und durchwandert, und zwar in der Reihenfolge ihres Entstehens.

Erste Station war die Einmündung der Industriestrasse in die Grenchnerstrasse. Überbaut wurde das Areal zwischen 1890 und 1910 und ist mit dem Einzug der Uhrenindustrie verbunden. So stehen denn hier Direktorenvillen neben Häusern von Arbeitern. Ablesbar sind auch die Gebäude, welche kleine Uhrenateliers aufwiesen. «Das Quartier ist siedlungshistorisch bedeutsam, weil es zur Uhrenindustrie gehört. Die Leute wollten in der Nähe des Arbeitsplatzes wohnen. Einige neuere Ersatzneubauten zeugen von einem wenig sensiblen Umgang mit der Geschichte.» Die Referentin wies auch auf fast unbeachtete Details hin wie die Gestaltung der Gartenmäuerchen. Bei künftigen Bauvorhaben soll der Charakter des Quartiers im Sinne der Biodiversität gewahrt werden. Das Trassee der Solothurn-Münster-Bahn, welches heute das Quartier abschliesst, war damals noch nicht vorhanden.

Die Stadt Solothurn als Bauherrin

Über die Heidenhubelstrasse, den Maulbeerweg und die Vogelherdstrasse wanderte die kleine Karawane zur Jurastrasse. Westlich des Roamer-Gebäudes finden sich Bauten aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Die damalige Wirtschaftskrise machte Wohnraum zur Mangelware. Deshalb hat die Stadt Solothurn im Dilitschquartier einfache Wohnungen mit Gärten für die Eigenversorgung errichten lassen. Architekt Emil Altenburger hat diesen Häusern aber keinen ärmlichen Charakter verliehen und Platz für einen Kinderspielplatz ausgespart. Autos waren zur Bauzeit des Quartiers kein Thema, sodass ab 1950 durch Garagen und Autoabstellplätze einiges vom Charme des Quartiers verloren ging.

Gabriela Barman Krämer konnte bei einem am westlichen Ende des Platzes entstehenden Neubau darauf hinweisen, dass ein Projekt den Zuschlag erhielt, welches auf die bestehenden Bäume und die Grünfläche Rücksicht nimmt.

Quartier mit dem Geist einer Gartenstadt

Durch die Käppelihofstrasse und einen Fussweg erreichten die Stadtwanderer die Bourbakistrasse. Dabei kamen sie mitten in ein Quartier, welches um 1930 geplant, zum Teil während des Zweiten Weltkrieges und vor allem zwischen 1946 und 1976 überbaut wurde. Walter Adam, der Architekt des Touringhauses, entwarf südlich davon den Plan einer Gartenstadt im englischen Stil. Realisiert wurden Individualbauten. Doch die Gärten atmen durchaus den Geist einer Gartenstadt. «Der Zeitgeist hat sich hier materialisiert,» erklärte die Referentin. In der Areggerstrasse fielen die gleich ausgerichteten Dächer ins Auge.

Dem Charakter der Gartenstadt soll auch bei künftigen Um- und Neubauten Rechnung getragen werden. Schliesslich führte die Referentin die Teilnehmenden in einen kleinen Seitenweg zur Zurmattenstrasse, wo sich zwei Häuser mit Flachdach im Stil der Moderne befinden. Das Touringhaus und diese beiden Häuser, dem Bauhausstil verpflichtet, rahmen praktisch die Gartenstadt ein. Gabriela Barman Krämder hatte es mehrmals ausgesprochen und hat es am Schluss mit auf den Weg gegeben: «Die besten Ideen entstehen im Dialog.»

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