Dächer von Solothurn

Er sorgt für die Erhaltung der Dachlandschaft in der Altstadt

Stefan Blank, höchster Denkmalpfleger im Kanton, wacht über das intakte Altstadtbild.

Stefan Blank, höchster Denkmalpfleger im Kanton, wacht über das intakte Altstadtbild.

Wir werfen ein Blick von oben auf die Altstadt – zusammen mit dem Denkmalpfleger Stefan Blank. Wegen Wünschen nach Solaranlagen und modernen Terrasse wird der Schutz und die Erhaltung der Solothurner Dächern immer wie schwieriger.

Die Altstadt von Solothurn ist ein Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung und steht als Ganzes unter kantonalem Schutz. Entsprechend wichtig ist es, die historische Eigenart und die Einheit der Stadt zu erhalten. Dazu gehört auch die Dachlandschaft. «Dächer und Dachaufbauten sollen im Einzelnen und in ihrer Gesamtheit ein harmonisches Erscheinungsbild ergeben», zitiert Stefan Blank eine Passage aus den Richtlinien der Kommission für Altstadt- und Denkmalfragen der Stadt Solothurn. Während die Kommission unter Mitwirkung der kantonalen Denkmalpflege für das Ortsbild zuständig ist, kümmert sich die Denkmalpflege um den Einzelschutz.

Wie der Amtsleiter der kantonalen Denkmalpflege betont, wird es immer schwieriger, die Richtlinien durchzusetzen. «Was die Dachflächenerhaltung betrifft, stehen wir heute unter enormem Druck.» Je länger, je mehr werde vor allem aus wirtschaftlichen Gründen versucht, die Häuser bis unters Dach zu nutzen. Und da es, wo Wohnraum entsteht, auch Licht braucht, fängt das Seilziehen meist an. Obschon Stefan Blank grundsätzlich versucht, den Ausbau von Dachgeschossen zu verhindern, muss er sich in zahlreiche Diskussionen einlassen, bei denen es vor allem um den Einbau von Dachflächenfenstern, Dacheinschnitten und die Isolation von Dachräumen geht.

«Ein Schutz und ein Gesicht»

Bei all diesen Auseinandersetzungen bleibt Stefan Blank seinen Grundsätzen treu: «Das Dach ist der Hut eines Gebäudes und gibt ihm Schutz und ein Gesicht.» Wenn man diesen Hut durchlöchere, würden die örtlichen Dachvorschriften umgangen und der korrekte Gesamteindruck in Mitleidenschaft gezogen. Das ist auch der Grund, weshalb in der Altstadt keine Flachdächer als Hauptdachform erlaubt sind und Solaranlagen keine Chance haben. «Nur ein Prozent aller Gebäude im Kanton Solothurn steht unter kantonalem Schutz. Ich kann nicht begreifen, weshalb ausgerechnet auf diesen Kulturobjekten Solaranlagen angebracht werden müssen.» Ein gewichtiges Wort spricht die kantonale Denkmalpflege auch bei den Aufzugsgiebeln. Diese müssen wie die Dachuntersichten stilgerecht rekonstruiert und erhalten oder wiederhergestellt werden.

Trotz all diesen Argumenten haben viele Besitzer von Altstadthäusern Mühe, zu begreifen, dass es nicht nur wichtig ist, die Fassaden zu schützen, sondern auch die Dachlandschaft. «Wer in der Stadt wohnen will, muss sich anpassen. Dies, obwohl es verlockend ist, mehr Nutzen aus einem Altstadthaus zu ziehen, im Dach zu wohnen oder sich auf einer Dachterrasse zu sonnen», sagt Stefan Blank und präzisiert: «Gassenseitig sind Dacheinschnitte prinzipiell tabu, während man bei den zum Hinterhof ausgerichteten Dachflächen toleranter ist.»

Ein immer wiederkehrendes Thema ist die Art und Weise der Eindeckung der Dachflächen. Wie in anderen Städten sind auch die Häuser in der Solothurner Altstadt mit Biberschwanzziegeln bedeckt. Deshalb gilt: Wird ein Dach restauriert, müssen ebenfalls Biberschwanzziegel verwendet werden. Andere Ziegelarten und Bedachungsmaterialien sind nur in begründeten Ausnahmefällen gestattet. Mittlerweile gibt es einen richtigen Markt für antike Baumaterialien, zu denen auch die Biberschwanzziegel gehören. Oft werden diese bei Dachumbauten unerlaubterweise weggeworfen und sind nicht mehr verfügbar. Das ist der Grund, weshalb die kantonale Denkmalpflege das, was übrig bleibt, an Ort und Stelle einsammelt. «Wir haben inzwischen ein Lager angelegt», sagt der höchste Denkmalpfleger im Kanton.

Dach, das zum Grübeln anregte

Biberschwanzziegel und ein Mansardendach waren auch Gegenstand von Diskussionen beim anstehenden Umbau des Leist-Flügels des Hotels Krone. Das jetzige, schwach geneigte Satteldach aus den Vierzigerjahren hatte damals ein undicht gewordenes Flachdach abgelöst. Die neuen Besitzer des Traditionshauses planten nun, das Satteldach durch ein Mansardendach zu ersetzen, um dort weiteren Wohnraum zu gewinnen. Die kantonale Denkmalpflege stimmte der Aufstockung um ein Geschoss jedoch erst zu, nachdem die Architekten die Pläne überarbeitet hatten. Entgegen der ersten Skizze musste das Dach gesenkt und nach innen verschoben werden. Auch die vorgeschlagene Kupferblechverschalung fand bei der Denkmalpflege keine Gnade. Diese beharrte auf eine Eindeckung mit alten Biberschwanzziegeln. Da keine mehr vorhanden waren, einigten sich die Bauherren und der Amtsvorsteher auf neu hergestellte Biberschwanzziegel. «Sie sind als Zeugen der heutigen Zeit sichtbar und trotzdem in der Dachlandschaft integriert», weckt Stefan Blank die Neugierde auf das neue Leistdach.

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