«Ich will nichts verharmlosen: Den Detailhandel hat es hart getroffen, und viele Traditionsunternehmen mussten schliessen.» So schreibt der Präsident der Stadt- und Gewerbevereinigung Solothurn SGSo, Tobias Jakob, in seinem Jahresrückblick, den er am Freitag an der Generalversammlung in der Reithalle präsentierte. Doch jede Geschäftsaufgabe in einen direkten Zusammenhang mit dem Standort Solothurn zu stellen, ist nicht sein Ding. «Wir müssen die Strukturveränderungen akzeptieren und Lösungen finden», denn: «Oft spielen ganz andere Gründe eine Rolle, als wir annehmen.» Angesichts der Situation und aufgrund der Einreichung einer überparteilichen Motion, die ein Stadtmarketing-Konzept fordert, hat der SGSo reagiert und erste Massnahmen in die Wege geleitet sowie eine Arbeitsgruppe gebildet, die ein entsprechendes Projekt ausarbeiten soll. Das Ziel ist die Schaffung einer Koordinationsstelle, die aktives und professionelles Stadtmarketing betreiben soll.

Solothurn ist nicht zu vergleichen

Genau an dieser Stelle hakte Stadtpräsident Kurt Fluri ein, der zur Überbringung eines Grusswortes eingeladen war. «Ja, es stimmt, es hat zurzeit viele leere Geschäfte und Schaufenster, aber deshalb schwarz zu malen und einen professionellen Stadtmanager zu fordern, ist fehl am Platz.» Die Situation sei mehrheitlich von temporärer Art und Solothurn nach wie vor eine attraktive Stadt, wo gewohnt, gelebt und gearbeitet werde. Zudem sei sie nicht mit anderen Städten zu vergleichen. Viele Massnahmen, die nötig sind, damit es so bleibe, seien bereits umgesetzt oder würden von privaten Organisationen abgedeckt. «Wir haben unter anderem eine verkehrsfreie Altstadt mit attraktiven Fussgängerzonen, was im Vergleich zu anderen Städten vorbildlich ist. Ideal gelegene Parkhäuser und moderate Parkgebühren, eine gute ÖV-Erschliessung, Läden und Beizen, die das Einkaufen zum Erlebnis machen, ein Märetfest und andere interessante Events sowie schöne Parkanlagen am Stadtrand.»

Angesichts dieser Tatsachen müsse man sich echt fragen, ob es ein professionelles Management brauche. «Unsere Aufgabe ist vielmehr, die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen und beispielsweise eine Verbesserung des ÖV-Fahrplanes zu erwirken.» Zudem müsse man sich im Klaren sein, dass das Verkehrschaos nicht auf dieser Ebene gelöst werden könne. Fluri kam des Weiteren auf die «Bratwurst-Problematik» an der Hauptgasse zu sprechen und warb in Bezug auf die AHV-Steuervorlage und die Umsetzung der EU-Waffenrichtlinie für ein Ja an der Urne.

Weitere Traktanden waren die Gutheissung der mit einem Reingewinn von 13’500 Franken schliessenden Jahresrechnung und das Tätigkeitsprogramm 2019. Ein Thema war zudem die leichte Steigerung beim Verkauf von Stadtgutscheinen im Gesamtwert von knapp 1,9 Mio. Franken. Geschäftsführerin Caroline Jäggi erwähnte die mit Radio 32 vereinbarten Spots, die auf verschiedene Aktionen aufmerksam machen sollen sowie die Anschaffung einer Brücken-Beflaggung. Tobias Jakob wies mit Augenzwinkern darauf hin, dass das Märetfest trotz der Fussball-WM stattfinden werde.

Als Geschäftsführerin hielt Jäggi zudem die Laudatio auf den diesjährigen Gewinner des SGSo-Anerkennungspreises, dotiert mit 5000 Franken und gesponsert durch die Baloise Bank SoBa. Überreicht wurde das Preisgeld in Form eines riesigen Checks an Urs Jeger, im Volksmund «Cherzejeger» genannt, der in seinem kulturhistorisch einmaligen Geschäft an der Hauptgasse 36 mit stilistisch bemerkenswertem Flair Kolonialwaren, Einrichtungsgegenstände, Kerzen und Tapeten verkauft.

Der Anerkennungspreis der Stadt- und Gewerbevereinigung SGSo im Wert von 5000 Franken ging an «Cherze Jeger». Im Bild: (v.l.) Urs Jeger, Caroline Jäggi, Präsidentin SGSo und Samuel Hofer, Niederlassungsleiter Baloise Bank SoBa, Preissponsor

Der Anerkennungspreis der Stadt- und Gewerbevereinigung SGSo im Wert von 5000 Franken ging an «Cherze Jeger». Im Bild: (v.l.) Urs Jeger, Caroline Jäggi, Präsidentin SGSo und Samuel Hofer, Niederlassungsleiter Baloise Bank SoBa, Preissponsor