Der Beginn der eineinhalbstündigen Vorstellung zerrt an den Nerven des Publikums. Jens Wachholz, ganz in einen weissen Overall gehüllt, windet sich vor Schmerz in einem Plastikkäfig, aus dem er sich aus eigener Kraft nicht befreien kann, weil er sich selbst abhandengekommen ist. «Ich habe meinen Code vergessen», wiederholt er immer wieder, bis ihm, gelassen dahinschlendernd, sein Schauspielkollege Hanspeter Bader, Kunstmaler von Beruf, hilft, aus seinem Gefängnis auszubrechen.

Doch dieser hat selbst Probleme mit seinem Leben und seiner Künstlerkarriere zurechtzukommen. Auch er leidet an Selbstzweifeln, die die Kreativität einengen und zuviel Raum einnehmen. Da helfen auch die Medien nicht, die sich von Zeit zu Zeit für ein Interview bemerkbar machen. Es ist ein Teufelskreis, der die Künstlerseele leiden lässt: Da ist einerseits der Wunsch, seiner Schöpfungskraft freien Lauf lassen zu können und anderseits der Druck, der Gesellschaft zu genügen und akzeptiert zu werden.

Ein Damoklesschwert lastet schwer auf einem Künstlerleben, so lernt man vom erprobten Theaterduo Bader-Wachholz, das aus der erfolgreichen Krimiserie «Soko-Solo11» bestens bekannt ist, im Laufe eines vergnüglichen Abends. Allerdings machen es die hervorragenden Virtuosen dem Publikum zwischendurch nicht leicht, in ihre Rolle zu schlüpfen, vor allem nicht, wenn Wachholz leidenschaftlich und emotional alle Register seines schauspielerischen Könnens zieht. Ein Gegensatz zu Bader, dessen Sanftmut einen manchmal willkommenen Kontrapunkt setzt.

Spiel auf mehreren Ebenen

Wie immer ist es aber die Sprache, mit der die beiden Charakterköpfe so hervorragend spielen, dass das Zuhören vor allem für eingefleischte Sprachliebhaber zu einem wahren Genuss wird. Angereichert wird sie durch Bezüge zu Einheimischem, was immer wieder Lacher im Publikum auslöst. Das Duo überzeugt zudem nicht nur mit herrlicher Mimik, sondern auch mit einer ausgeklügelten Gestik, die den Worten Inhalt verleihen.

Als exzellenten Ort für die Aufführung entpuppte sich an der Premiere die Rothushalle, die es möglich macht, dass auf verschiedenen räumlichen Ebenen gespielt werden kann. Das kommt dem Markenzeichen des Theatergespanns entgegen, jeweils mit nur wenigen Utensilien auszukommen. So genügt nebst dem Käfig ein langer Holztisch, der abwechslungsweise mit Schreibutensilien, einer Weinflasche, Büchern, Pizzakartons, Getränkebüchsen und einem weissen Papier belegt ist, das mangels kreativer Eingebungen bis zum Schluss der Aufführung leer bleibt. Rasche Wechsel der Rollen und Handlungsebenen halten das Publikum bei der Stange, bis als Letztes nur noch Schmerz und Selbstzweifel bleiben ...