Kritisch blickt der Acht-Meter-Hüne mit seinem Feldstecher in die Ferne und wartet darauf, ein Raub der Flammen zu werden. Heuer hat sich die Narrenzunft Honolulu nicht nur für den grossen Umzugswagen mit der Thematik «Weitblick» und «Stadtmist» ein politisches Thema ausgesucht: Die Zunftabteilung der Bööggier – traditionsgemäss für die «Schlussbefeuerung» der Fasnacht verantwortlich – zieht mit, wie auch Chefbööggier und Zunftdelegierter Thomas Branger erklärt.

Doch statt in Richtung des eigentlichen Entwicklungsgebiets Weitblick späht der Böögg kritisch Richtung St. Ursenkathedrale, oder mehr noch: «in die Amtsstuben des Stadtpräsidiums», so Branger. Nicht zuletzt, weil man den Eindruck nicht loswerde, dass die Dinge im Westen der Stadt nur schleppend vorankommen.

Doch noch wichtiger als die politische Botschaft ist den Bööggiers natürlich Jahr für Jahr der Spass an der Sache: In rund 300 Mannsstunden wurde der 480-Kilogramm-Brocken von zehn bis zwölf Bööggiers geschaffen. Dachlatten und Doppellatten ein mittiger Tannen-Balken für die allgemeine Statik, Holzwolle als Füllmaterial, ein Gittergeflecht und buntes Pappmaché als Aussenhaut, so die «Böögg»-Zutaten, die sich bewährt haben.

Der Böögg in Solothurn blickt dieses Jahr nicht zufällig in Richtung Rathaus

Der Böögg in Solothurn blickt dieses Jahr nicht zufällig in Richtung des Stadtpräsidiums

Thomas Branger, Verantwortlicher für das Aufstellen des Bööggs, im Interview.

«Vor allem die Holzwolle ist viel besser als Zeitungen oder Stroh, deren Rückstände glühend davonfliegen können», so Branger. Und auch pyrotechnisch stehe die Sicherheit zuvorderst: So kommen lediglich Sonnen und «Chlöpfer» zum Einsatz, aber keine Feuerwerkskörper, die zu Irrläufern werden könnten. Dankbar zeigt sich Branger für die Unterstützung der Stadt, insbesondere des Werkhofs, der Polizei und der Feuerwehr.

Am Mittwochnachmittag dann wurde der «Böögg mit Weitblick» von einem Kran «süferli» im Boden versenkt – und mit dem Gesicht Richtung Osten gedreht. Doch sein Auftritt auf dem Märetplatz wird nicht lange dauern. Um 20 Uhr wurde er von den fachmännischen Bööggiers in Brand gesetzt, um die honolulesischen Fasnacht 2019 zu beenden. Mit einem «Chlapf» nach fünf Minuten und dreissig Sekunden ging die Narrenzeit schliesslich zur Neige.