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Dominic Felder: «Am schönsten ist es doch zu Hause»

Dominic Felder, vorne rechts, feierte den Abschluss seiner vierjährigen Walz zusammen mit befreundeten Zimmermannsgesellen in Solothurn.

Dominic Felder, vorne rechts, feierte den Abschluss seiner vierjährigen Walz zusammen mit befreundeten Zimmermannsgesellen in Solothurn.

Der Zimmermann Dominic Felder beendete seine vierjährige Walz in Solothurn. Vier Jahre lang zu Fuss in der ganzen Welt unterwegs sein ist sicher nicht jedermanns Sache. «Für mich war es eine tolle Erfahrung, die ich keineswegs missen möchte», sagt Dominic Felder.

In der Tat: Es gibt wohl wenige Menschen, die im Alter von 24 Jahren schon so viel von der Welt gesehen haben wie er. Die Wanderschaft als Zimmermannsgeselle sei eine Erfahrung, die durch nichts zu ersetzen sei, berichtet Felder mit viel Begeisterung.

Felders Walz begann nach seinem Lehrabschluss in einem Zimmereibetrieb in Fislisbach AG. Wie es die Zunftregeln verlangen, bewegte er sich zuerst im angrenzenden Ausland, dann in Europa und zuletzt weltweit. Im Mai hat Felder seine Walz mit einem Fest für Kollegen des «Fremden Freiheitsschachts» in Solothurn abgeschlossen.

«Ich habe schöne Erinnerungen an Solothurn»

Die Tradition will es, dass die «Tippelbrüder» (ein anderer Name für Wandergesellen) ihren Kollegen zu Ende der Walz in seine Heimat begleiten. Denn ausser bei wichtigen Ereignissen (z. B. Todesfall in der Familie), darf ein Wandergeselle während der Walz nicht näher als 50 km an seine Heimat heran. So wollen es ebenfalls die Zunftregeln. Für den heute in Mägenwil wohnhaften Felder war dies Solothurn, da er bis zur dritten Klasse in Biberist gelebt hat. «Ich habe schöne Erinnerungen an Solothurn, wo wir samstags jeweils mit der Familie den Markt besuchten», erzählt er.

Was hat Felder in den vier Jahren, in denen er sich (auf dem Festland) nur zu Fuss oder per Autostopp fortbewegen konnte, so alles gesehen? – «In Europa, mit Ausnahme einzelner Länder im Osten, praktisch jedes Land.» Am besten gefallen habe es ihm auf den Kanarischen Inseln, in Irland oder am Nordkap. Bei den Übersee-Destinationen sind ihm Kanada und Hawaii speziell in Erinnerung. Dort wechselten sich ein schönes und ein weniger schönes Erlebnis in rascher Folge ab. «Wir haben ein Kajak gemietet und waren plötzlich von einer ganzen Gruppe Pottwale umgeben. Das war ein majestätisches Naturerlebnis», erinnert sich Felder.

Eindrücklich, aber von ganz anderer Art, auch dies: «Wir wollten in Hawaii am Strand übernachten. Plötzlich hiess es, wir müssten ins Landesinnere fliehen. Am anderen Morgen war der Strand völlig zerstört. Es war der Tsunami von Fukushima ...»

Der menschliche und kulturelle Aspekt

Meistens war Dominic Felder mit einem Schachtkollegen zu zweit unterwegs. Jobs und Unterkunft zu finden, sei selten ein Problem gewesen. Unterwegs habe er oft und gerne unter freiem Himmel geschlafen. Hatte ein Zimmereibetrieb einen Job, war dieser meistens auch gleich für eine Unterkunft besorgt, sei es im Betrieb, bei einem Angestellten oder gleich beim Chef selber. Sinn der 800-jährigen Tradition der Walz ist unter anderem auch die Aneignung von zimmermännischen Handwerkstechniken und Gepflogenheiten, die von Land zu Land differieren können. Er habe bisweilen auch als Dachdecker gearbeitet, berichtet Felder.

Nebst dem praktizieren der Handwerkskunst war für den jungen Zimmermann aber vor allem der menschliche und kulturelle Aspekt der Walz wichtig. «Man hat unzählige Begegnungen und lernt viele Menschen kennen, aber auch fremde Kulturen. Das erweitert den Horizont enorm. Ich glaube auch, die Walz hat mir geholfen, erwachsen zu werden», sagt Felder.

Aber jetzt, nach vier Jahren unstetem Leben, ist er auch gerne wieder zu Hause. «Hier ist es halt doch am schönsten», lacht er. Als Nächstes wird er noch beim Aufbau des Gurten-Festivals helfen. «Und dann ist es langsam Zeit, einen festen Job in einer Zimmerei zu suchen.» Er wolle sich auch noch weiterbilden, vielleicht Vorarbeiter werden.

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