In einer Woche von 430 auf über 1000 Likes: «Auch eine Barockstadt will jung bleiben» ist eine Facebook-Gruppe, die schon seit 2011 existiert und nun durch den aktuellen Mitwirkungsprozess der Ortsplanungsrevision den «Nachbrenner» zugeschaltet hat: Nach Vorlage der Stadt Solothurn soll entlang des Landhausquais, unter Einschluss der Landi und des Kofmehls eine Gastrozone A entstehen, die von Donnerstag bis Sonntag Öffnungszeiten bis vier Uhr morgens im Innenbereich gestattet, im Aussenbereich immerhin bis zwei Uhr. Eine Gastrozone B, die den Rest der Altstadt-Lokalitäten umfasst, sieht für Freitag und Samstag eine Betrieböffnung bis 2 Uhr im Innenbereich und bis 0.30 Uhr im Aussenbereich vor.

Unter dem Slogan «Bier bis vier» nahmen die Administratoren der Facebook-Gruppe die frohe Botschaft auf und schafften es so, das sieben Jahre alte Nachtleben-Anliegen vorwiegend junger und junggebliebener Solothurner wieder auf Kurs zu bringen. Über 100 Mal wurde dieser Facebook-Post geteilt – und erreichte so 16 000 User.

Für die nachfolgenden Generationen starkmachen

«Das Kernteam hat sich seither etwas gewandelt», sagt Daniel Wagmann, Sprecher der Interessengruppe. Mittlerweile handle es sich um sechs Menschen zwischen 30 und 35, die sich auch für die Interessen und Ausgangsmöglichkeiten der nachfolgenden Generation starkmachen wollen. Man sei froh, dass sich die Stadt als offizieller Player auch für diesen Aspekt der Zentrumsfunktion starkmachen will. Aber: «Wir wollen nicht polemisieren, mit Lösungen vorgreifen oder uns positionieren und einen ‹Krieg› anzetteln, sondern lediglich informieren», ergänzt Wagmann. Und der solidarische Rückhalt via Facebook habe zwar kein politisches Gewicht, zeuge aber vom breiten Interesse an der Thematik.

So findet sich auf der Homepage www.jung-bleiben.ch eine Videoanleitung, um im laufenden Prozess der Ortsplanungsrevision eine vorformulierte Vernehmlassungseingabe für die vorgesehenen Gastrozonen abzufassen. «Wir weisen aber darauf hin, dass es sich um vorgeschlagene Formulierungen handelt», sagt Wagmann. Denn: Jeder solle hinter seiner Eingabe stehen können. Ebenso vorgeschlagen wird eine Alternativvariante: dass nämlich auch die restlichen Altstadtbetriebe der Gastrozone A zugeordnet werden sollen.

So wie der städtische Vorschlag heute lautet, hätten Betriebe wie der «Fryhof» («Piano Bar»), der «Heinz» oder das südseitig der Wengibrücke gelegene «The Docks» kaum Vorteile vom liberalen Gastrokurs. «Mit der Alternativvariante würden für alle Betriebe der Altstadt gleich lange Spiesse geschaffen», erklärt Wagmann. Was ihn persönlich bei seinem Einsatz motiviere, sei die Vision einer lebendigen Stadt: «Je mehr Solothurn lebt, umso mehr profitieren alle davon.»

Auch die Gegner wappnen sich 

Allerdings gibt es auch jene, die dies anders sehen: So hat sich unter der Anwohnerschaft vor allem des Landhausquais unlängst eine Gegenbewegung formiert, die die städtische Planungsvariante missbilligt. Unter dem Namen «L(i)ebenswertes Solothurn» (wir berichteten) bekämpft die Gruppierung das geplante Zonen- und Gastroreglement und damit das bereits heute als lärmig empfundene Nachtleben (wir berichteten).

«Wir standen mit dieser Gruppierung noch nicht in Kontakt», erläutert Daniel Wagmann, darauf angesprochen. Allerdings dürften die unterschiedlichen Interessenvertreter im Rahmen des Clubgesprächs über die Gastrozonen kommenden Montag, 15. Oktober, 19 bis 21 Uhr, in der Säulenhalle des Landhauses aufeinandertreffen.