Schwelgen in Frühlingsgefühlen liess die Stadtmusik Solothurn unter ihrem Dirigenten Anton Helscher die zahlreichen Zuhörer in der Jesuitenkirche. Programmgerecht begann sie mit «Winds on Fire», einer Eröffnungskomposition von Dean Jones, was sogar für feurige Blasmusik stehe, versprach Rolf Fäs (Präsident der Musikkommission), der durch das Konzert leitete.

Steven Reinekes «River of Life» lässt vor unserem inneren Auge das ruhig-machtvolle Dahinziehen eines breiten Stroms aufsteigen. Der Stadtmusik gelang es jedenfalls bestens, diese Gefühlswelt auf die Zuschauer zu übertragen.

Ein Tongemälde fesselt

Das Hauptwerk des Kirchenkonzerts war Mario Bürkis viersätzige Suite The Grapes of the Sun. Das Tongemälde «Die Trauben der Sonne» beschreibt Stationen im Weinbau: Zuerst bläst Wind durch die Reben und lässt die Trauben sanft schaukeln. Frühe Sonnenstrahlen tauchen die Rebstöcke in goldenes Licht. Jäh bricht die Ruhe ab, die Weinlese beginnt. Weiter geht es mit dem Pressen der Trauben, der Gärung des Mosts und der Reifung des Weins. Das Winzerfest schliesst den Streifzug ab. Aufmerksam folgte das Publikum der sorgfältigen

Interpretation durch Dirigent und Ensemble.

Gleich weiter träumen liess die Stadtmusik mit dem von Pascal Devroye arrangierten Stück Jade des Komponisten Nick Glennie-Smith aus dem Film The Rock. Obwohl es sich dabei um einen Actionstreifen handelt, ist «Jade» eine sehr feine, eingängige Melodie.

Das Orchester – mit Claudia Jäggi als Blockflötensolistin – hat sie äusserst einfühlsam dargeboten. Von Robert W. Smith stammt das schwungvoll-tänzerische Encanto. Mit dieser Komposition werden alle Register einer Harmoniemusik stark gefordert. Die Stadtmusik begeisterte – «encantar» heisst auf Deutsch «entzücken» – ihre Zuhörer tatsächlich.

«Les Chevaliers du Zodiaque» ist ein flotter Marsch von Jean-François Porry und Gérard Salesses, arrangiert von Bruce Bernstein; so wie ihn die Stadtmusik darbrachte, konnte kaum jemand im Kirchenschiff die Füsse ruhig halten.

Viel Abwechslung

Derek Bourgeois komponierte unter anderem 46 Symphonien, sechs davon für Blasorchester. Die Stadtmusik brachte seine Serenade in c-Moll. Für dieses Stück übernahm Vizedirigent Christian Unger den Taktstock und führte die Musizierenden sicher durch die äusserst vertrackte Rhythmik. Fröhlicher kam sodann Leon Jessels bekannte Parade der Zinnsoldaten im Arrangement von Jean-Pierre Haeck daher.

Römisches Verkehrschaos

Noch berühmter dürfte Gioacchino Rossinis «La Danza», eine neapolitanische Tarantella, sein. Es gibt sie in unzähligen Versionen und Besetzungen, mit berühmten Sängerinnen und Sängern sowie virtuosen Instrumentalisten – die Stadtmusik spielte José Schyns Arrangement mit viel Schwung.

Das Kirchenkonzert endete zuletzt mit Stephan Jaeggi. Mit der letzten Programmnummer wurde ein Gruss an das Worblental ausgerichtet. Als erste Zugabe folgte «Il Pullmann». Mit dieser Komposition beschreibt Dario Bortolato das römische Verkehrschaos, und die Stadtmusik setzte das so intensiv um, dass die Zuhörer froh waren, nach dem Solothurner Marsch und einem abwechslungsreichen Kirchen-Konzert auf die ruhige Hauptgasse hinaustreten zu dürfen.

Es war tatsächlich ein stürmisches Frühlingserwachen, das die Zuhörenden miterlebt haben. Alles stimmte zusammen: Ein Dreiklang aus Zeit (Frühling), Ort (barocke Jesuitenkirche) und Musik, speziell ausgewählt und dargeboten.