Stadtbummel

Die Stadt inszeniert sich selbst

Fasnachtsumzug Solothurn 2019

Fasnachtsumzug Solothurn 2019

Geschichte ist eine feine Sache – abgesehen von den Schulerinnerungen ans «Bigele» etlicher Jahreszahlen. Wie gerne hätten wir Geschichte erlebt, wie man es im englischsprachigen Raum schon länger kennt: als «History Reenactment», als Inszenierung historischer Ereignisse. Grosse Schlachten, gesellschaftliche Melodramen, die Darstellung der Lebensstile oder der gute bewährte Apfelschuss, wie man ihn bei den von Mani Matter besungenen Nottiswiler Tellspielen kennt. Dabei denken wir mal die fiktionalen Anteile grosszügig weg.

Doch was die grosse Welt, was Nottiswil kennt, kennt auch Solothurn. Denn die Geschichte der Stadt bemisst sich nicht nur am heutigen Stadtbild, oder an touristischen Slogans. Geschichte ist alles andere als statisch: Jeweils im Dezember marschieren die Römer durch die Altstadtgassen. Stadtführungen gibts längst auch in zeitengerechtem Tenü. Der historische Märet entführt in Gotthelfs Zeiten. Am «Fête de Vignerons» wurde der Fährmann-Alltag nachgestellt. Und heuer, zum 2000-Jahr-Jubiläum, setzt die Stadt Solothurn noch einen drauf. Am historischen Stadtfest im August werden gleich zwei Jahrtausende durchexerziert. Stellen wir uns doch einen inszenierten Wengi vor den Kanonen vor. Oder den «Bad Guy» Leopold, der sich von den hilfsbereiten Solothurnern friedlich stimmen lässt, nachdem diese die Österreicher aus dem Wasser fischen. Der Schanzenabriss liesse sich mit reichlich Special Effects darstellen. Und Hans Roths Schneewanderung zur Errettung der Solothurner liesse sich als Musical aufführen. Man stelle vor, wie er singend die Kyburger Angriffspläne verrät. Als Musical liesse sich auch Stadtkater Ottos Leben verwerten. Komponist Andrew Lloyd Webber hätte Erfahrung mit Katzenklängen.

Etwas zeitnaher bietet die anstehende Fasnacht die Möglichkeiten zum «History Reenactment», wobei damit eher die Zeitgeschichte Thema sein dürfte. Heuer trifft man wohl einige Donalds und Gretas in den Gassen an. Aber vielleicht gibts ja auch einige «Locals», die heute schon historisch sind.

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