Solothurn

«Die Goldgasse ist natürlich der Hammer – für eine Vergolderin»

Die Vergolderin Gabi Knuchel-Menziger feierte während des Lockdowns das 30-jährige Bestehen ihres Geschäfts an der Goldgasse.

Die Vergolderin Gabi Knuchel-Menziger feierte während des Lockdowns das 30-jährige Bestehen ihres Geschäfts an der Goldgasse.

Seit 30 Jahren betreibt Gabi Knuchel-Menziger ihr Vergolderei-Fachgeschäft an der Goldgasse. Das Jubiläum fiel genau in den Coronalockdown.

«Es war schon ein komischer Moment», erinnert sich Gabi Knuchel-Menziger an jenen 7. April. Eigentlich hätte sie an diesem Tag das 30-jährige Bestehen ihres Geschäfts feiern können – doch die ganze Stadt war in den Dornröschenschlaf des Lockdowns versunken. «Ich konnte wenigstens arbeiten. Und belieferte meine ältere Kundschaft zu Hause.»

Dabei hat die gelernte Vergolderin weit mehr drauf als ihr Hauptgeschäft, das Restaurieren und Rahmen von Bildern. Doch der Verkauf ihrer originell aufgepeppten Objekte, wie Kleiderhaken, Spiegel oder Rehbock-Geweihen, war natürlich wegen der Ladenschliessung zumindest im Geschäft nicht mehr möglich. Objekte, die übrigens immer ihr Markenzeichen enthalten müssen: Ein Teil hat vergoldet zu sein.

«Die Goldgasse ist natürlich der Hammer»

Ihre dreijährige Lehre als Vergolderin hatte Gabi Knuchel-Menziger in Zürich absolviert, ehe
sie vier Jahre lang im damaligen Solothurner Fachgeschäft von Bernhard Schlüter arbeitete. Nochmals vier Jahre kamen im Zürcher Lehrbetrieb dazu, ehe sie die Freunde nach Solothurn zurückholten. «In Zürich wäre die Konkurrenz auch zu gross gewesen. Und hier fand ich mit 28 Jahren mein Geschäftslokal.» Sie schmunzelt. «Die Goldgasse ist natürlich der Hammer – für eine Vergolderin.»

Ein Beruf, der nichts mit der Goldschmiedekunst zu tun hat. Obwohl – «in der Anfangszeit kam einmal eine achtzigjährige Dame mit einem Kästchen vorbei. Drinnen lag eine Goldkette, die sie repariert haben wollte. Das konnte ich natürlich nicht. Aber wir tranken trotzdem eine Tasse Tee zusammen.» Das Vergolden ist eine akribische Angelegenheit im Bereich einer Goldschicht von einem 8000- bis 10 000stel Millimeter. «Ich habe mal 13 Jahre lang jedes Resteli Gold, das beim Verarbeiten übrig geblieben ist, zur Seite gelegt.» Auf ganze 13 Gramm sei sie gekommen. Ein Kilo «ist viel, wenn man ein Leben lang arbeitet», meint die Vergolderin zum Verbrauch des Edelmetalls.

Trotz der goldenen Attribute, reich wird man als Vergolderin kaum. «Ich konnte zwar auch viel für Museen arbeiten», aber es sei mit dem Geschäft immer «ufe und abe» gegangen. «Es braucht eben die Freude am Beruf, das Herzblut.» Manchmal sind die Herausforderungen bei beschädigten Rahmen von Bildern und Spiegeln riesig, aber noch jede hat Gabi Knuchel-Menziger gemeistert. «Man darf nicht sehen, wo die Flickstelle ist», erklärt sie die Finessen des Handwerks, das zuerst im Wiederaufbau der Gipsstruktur besteht, bis dann die hauchdünne, neue so perfekt mit der alten Goldschicht verschmilzt, dass kein Unterschied mehr zu sehen ist. Eine Passion der Geschäftsfrau ist ihr Schaufenster. «Zuerst hatte ich etwas Angst wegen seiner Grösse.»

Doch längst ist es zu einem Blickfang geworden in einer Stadt, «die ihre Schaufensterkultur weitgehend verloren hat». Gerade in diesem Moment stoppt eine Gruppe Touristen, verharrt draussen auf der Goldgasse vor dem Schaufenster. «Ja, es ist ein sehr guter Werbeträger», bestätigt Gabi Knuchel-Menziger.

Ein gelegentlicher Gang durch die Goldgasse lohnt sich auf jeden Fall – oft hat Solothurn in den unscheinbarsten Ecken mehr zu bieten als in den durchgestylten Einkaufsfronten des «Ypsilons».

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Autor

Wolfgang Wagmann

Wolfgang Wagmann

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