Mindestens zwei grosse Kulturschocker haben wir hinter uns gebracht: Die Filmtage und die Fasnacht. Viel mehr noch liegen vor uns, zum Teil gar parallel, so die Kulturnacht und die Biertage. Letztere finden auch hauptsächlich nachts statt. Und haben mit Kultur zu tun. Denn Bier ist wie der Wein vorab ein Kultur- und nicht ein Schüttgut. Und wie über den Wein können wir heute auch trefflich philosophieren über Auftritt und Abgang, Länge am Gaumen und allenfalls Maischereste zwischen den Zähnen bei gewissen Ungefilterten.

Von mindestens zwei Kulturhighlights sprechen wir, weil viele andere viel Anderes hoch schätzen. Oder wäre es diesmal am Platz, von Events zu reden? Hier würde der neudeutsche Begriff wohl hinpassen, falls wir über kultiviert und zivilisiert streiten wollen. Was da alles angeboten wird in unserer kleinen Stadt und drum herum! Man schaue nur etwas intensiver in die Gazetten und auf die Flyer - tönt heute auch besser als Prospekte.

Dann gibt es noch die Litfasssäule, zum Beispiel am Amthausplatz. Der Stadtbummler nutzt die Wartezeit bis zur Busabfahrt zur Weiterbildung. Was dort an Werbung für Veranstaltungen angeschlagen wird, überfordert ihn oft, obwohl er des Englischen einigermassen mächtig ist.
Die Kultur ist los(e), könnte man angesichts der genannten Litfasssäule spotten, wenn die Plakate, zum Teil in Fetzen, lustig im Wind flattern. Dann wären wir nicht Spötter, sondern Spotter; das sind solche, die laut neuem Sprachgebrauch gezielt etwas suchen, etwas ausmachen, erkennen, entdecken bis hin zu bespritzen und beflecken wollen. Gut, dass man für all diese Verben einen Begriff gewählt hat.

Wenn wir diese Kunst-Litfass-Säulen so vor sich hin flattern sehen, teilt man sie der sich verändernden, beweglichen Kunst zu und wartet darauf, dass sie unter Schutz gestellt werden. Die Veränderungen stammen auch daher, dass der nächste kulturveranstaltende Werber auf seinen Mitbewerber keine Rücksicht nehmen kann oder will und so andere Events teilweise oder ganz überklebt - auch eine neue Kulturform? Kaum, übermalt wurden schon immer mal selbst wertvolle Gemälde, einfach weil dem Künstler die Leinwand fehlte. Heute fehlen aber weder Papier, Druckertinte noch Lasertoner.

Gut sichtbare Kultur gibt es wieder zwischen Museum, Konzertsaal und Franziskanerhof - die grünen Strahlen fallen auf. Wenn die doch Tauben - auch sie Kulturfolger - verscheuchen täten?! Ohne zu töten, ohne Lärm. Das Ganze ausdehnen, und schon ist die Stadt endgültig grün - oder wenn sich dies als noch wirksamer erweisen sollte, dann halt blau. Hauptsache: gemässigt taubenfrei.