Solothurn
Die Fachstelle «Perspektive» soll für die Gemeinden keine Blackbox sein

Die Fachstelle Perspektive Region Solothurn-Grenchen möchte den Austausch mit den Gemeinden vertiefen. Die Gelder des Kantons sollen künftig gezielt für die Suchtprävention bei Jugendlichen eingesetzt werden. Die Schulsozialarbeit bleibt im Trend.

Andreas Kaufmann
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Karin Stoop, Geschäftsleiterin Perspektive (l.), sowie Christine Bigolin (Präsidentin Verein Perspektive)

Karin Stoop, Geschäftsleiterin Perspektive (l.), sowie Christine Bigolin (Präsidentin Verein Perspektive)

Andreas Kaufmann

«Der zunehmende Spardruck veranlasst die Gemeinden dazu, manchen Ausgabeposten im Budget genauer anzuschauen», kommentierte Vereinspräsidentin Christine Bigolin anlässlich der Generalversammlung Perspektive Region Solothurn-Grenchen. Umso dankbarer sei der Verein für die Beiträge, die aus den Gemeinden dennoch zufliessen, «sodass wir weiterhin in den schwarzen Zahlen bleiben.»

Gerade im Hinblick auf diese gute Zusammenarbeit hat man im Vorstand den strategischen Kurs überdacht: «Wir wollen den Austausch mit den Gemeinden intensivieren, ihren Bedürfnissen mehr Aufmerksamkeit schenken und noch besser kommunizieren», sagte Bigolin zu den anwesenden Gemeindevertretern. «Die ‹Perspektive› soll nicht als ‹Blackbox› wahrgenommen werden: Die Gemeinden sollen wissen, was unsere Fachstellen leisten.»

Fokus Sucht und Jugend

Wie Ruth Marbacher, Bereichsleiterin Beratung und Prävention, gestützt auf «Sucht Schweiz» erläuterte, sind schweizweit 250 000 Menschen alkoholsüchtig. Dies schliesst mehrere 10 000 Kinder mit ein, die von der Problematik einer Suchtbelastung im Familienkreis betroffen sind. Ein Drittel der Kinder entwickelt später selbst eine Abhängigkeit, ein weiterer Drittel hat später mit psychischen Folgeerkrankungen zu kämpfen. Die «Perspektive» will künftig verstärkt auf die Situation von Kindern aus suchtbelasteten Familien aufmerksam machen: durch Beratungen, Gruppenangebote und Netzwerkarbeit. (ak)

Auch die kürzliche «QuaTheDA»-Zertifizierung der Institution dürfte zu ihrem guten Ruf beitragen. «QuaTheDA» kommt als Referenzsystem im Suchtbereich zur Anwendung. Wie die Präsidentin in ihrem Zwischenbericht vermerkte, sind sowohl das Management als auch die meisten Teilbereiche in diesem Frühling zertifiziert worden. Im Mai 2014 wird die Prävention als letzter Bereich ebenfalls dazukommen.

Fokus: Jugend-Suchtprävention

Ein strategischer Schwerpunkt für die kommenden Jahre wird die Suchtprävention bei Kindern und Jugendlichen werden, kündigte Bigolin weiter an: «Wir wollen die Gelder des Kantons gezielter in diesem Bereich einsetzen.» Passend zum Thema vermittelte Ruth Marbacher, Bereichsleiterin Beratung und Prävention, Einblicke in die Problematik suchtbelasteter Familien (siehe Kasten). Gerade durch die in den letzten Jahren ausgebaute Schulsozialarbeit sei die «Perspektive» auch nahe an diesem Problem dran.

Insbesondere die Schulsozialarbeit kam im von Sylvain Gyger präsentierten Voranschlag 2014 auch massgeblich zur Sprache, sowohl einnahme- wie ausgabeseitig. Die erwartbaren Mehreinnahmen für Leistungen, die man den Gemeinden in diesem Bereich in Rechnung stellen kann, schlagen laut Geschäftsleiterin Karin Stoop mit 800 000 Franken zu Buche. Und auch in den anderen Bereichen habe man die Auftragssumme stabil halten können.

Demgegenüber sei die Schulsozialarbeit aber auch nicht gratis: «Sie ist personalintensiv», so Stoop weiter. Konkret wurde der Pensenpool auf das jetzt laufende Schuljahr um 170 Prozent aufgestockt, verteilt auf die Primarschulen Wasseramt Ost und den Schulkreis A3 Bucheggberg. Dort konnte man auf bereits gemachten positiven Erfahrungen mit Dienstleistungen der Schulsozialarbeit aufbauen.

Ein Polster für schlechtere Jahre

Insgesamt stehen die budgetierten Erträge von 2,9 Mio. Franken einem Aufwand von 4,8 Mio. Franken gegenüber – davon sind 3,2 Mio. Franken Personalkosten. Zuzüglich der Gemeindebeiträge von 1,7 Mio. Franken und weiteren Einnahmen darf für 2014 mit einem Plus von 98 000 Franken gerechnet werden.

Damit liegt die Überdeckung unter der Rechnung 2012 (126 000 Franken) und dem Budget 2013 (117 000 Franken). Aus Sicht des Vorstands ist es immerhin ein Polster, «mit dem wir künftige schlechtere Jahre überbrücken können», so Bigolin. Der Voranschlag wurde von den 17 anwesenden Stimmberechtigten genehmigt.

Sitzungsgelder für Vorstand

Weiter hiessen die Gemeindevertreter auch die Einführung eines Sitzungsgeldes für den Vorstand «als kleines Zeichen der Anerkennung» (Bigolin) gut. Bei drei jährlichen Sitzungen fallen pro Mitglied so neu 200 und für den Vorsitz 300 Franken an, was sich zu einem jährlichen Betrag von 6300 Franken aufsummiert.

Mit David Kummer demissionierte ein langjähriges Vorstandsmitglied. Noch läge kein möglicher Nachfolger vor, man sei aber bestrebt, jemanden mit Bezug zum Klientel zu finden. Ansonsten waren mit Kurt Boner, Roger Rossier und Christine Bigolin drei Vorstandsmitglieder wiederzuwählen, was auch einstimmig geschah.

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