Literaturtage

Die drei schönsten Tage für Wort-Akrobaten sind eröffnet

Am Donnerstag wurden im Stadttheater Solothurn die 37. Literaturtage mit einem stil- und gehaltvollen Abend eröffnet. Bis am Sonntag finden rund 200 Veranstaltungen mit 73 Schreibenden statt, erwartet werden um die 15'000 Besucher.

Ein Apéro wurde den Literaturgeniessern- und Kennern bereits ab 17 Uhr im Stadttheater Solothurn geboten. Sie kamen in Strömen, sodass die Sitzplätze im neu renovierten Theater ziemlich besetzt waren.

Zum zweiten Mal konnte die neue Literaturtage-Leiterin Reina Gehrig die Tage eröffnen. Gemeinsam mit ihren Geschäftsleitungskollegen Beat Mazenauer und Franco Supino betrat sie die Bühne. In vier Sprachen – Deutsch, Französisch, Italienisch und etwas Rätoromanisch – breiteten sie das ganze Spektrum des diesjährigen Mottos der Literaturtage aus: «Conflicts, Conflitti, Conflits, Konflikt. Stoff».

Mazenauer zitierte zunächst den deutschen Soziologen Georg Simmel, der 1918 meinte: «Konflikte gehören zum Leben dazu.» Schliesslich müsse man sich damit abfinden, dass im Leben nicht alle Konflikte dazu da seien, gelöst zu werden. «Viva conflits» hiess es und damit ist viel Stoff für Literatur angekündigt. 

«Pfauenfeder» für Kurt Fluri

Als Redner konnte Stadtpräsident Kurt Fluri die Theaterbühne erobern. In seinen Dank an die Verantwortlichen der Literaturtage schloss er auch den Verband Schweizer Autorinnen und Autoren AdS mit ein, denn diese Institution überreichte ihm am Nachmittag den Wanderpreis «Pfauenfeder für kulturelle Verdienste». Gewürdigt wurde, dass sich Fluri in seiner Eigenschaft als Vizepräsident der staatspolitischen Kommission des Nationalrates für das Urheberrechtsgesetz einsetzt.

Fluri nahm die Gelegenheit wahr und erklärte, wie der Stand der Dinge in Sachen Kulturförderungsgesetz 2 in Bundesbern stünde. Vorgesehen sei, dass der Bund 6 Prozent, das bedeute 53 Mio. Franken, mehr in die Kulturförderung investiere. «In Sachen Urheberrecht sind wir zwar noch nicht da, wo wir wollen.» Aber das Gesetz sei auf guten Wegen, versicherte er.

Stil- und gehaltvolle Künstler

Es war danach an Florian Reichert, Wortkünstler und Dozent an der Hochschule der Künste Bern, einen Beitrag zur Eröffnung der Literaturtage zu gestalten. Er setzte aus Textpassagen des Programmheftes, in welchem alle 73 Autorinnen und Autoren von Solothurn kurz mittels Biografie und kurzem Text vorgestellt werden, eine längere, fantasievolle Geschichte zusammen. Diese mäanderte hin und zurück und breitete so die Literatur in den verschiedenen Facetten und Sprachen aus.

Schliesslich traten die Autoren Raphael Urweider – am Klavier – und der Shootingstar der Schweizer Literaturszene, Michael Fehr auf die Bühne. Fehr intonierte mit seiner rauchig belegten Stimme den Blues, einmal mehr gesprochen, einmal gesungen. Zwischen den Auftritten der verschiedenen Protagonisten sorgte Drummerin Maru Rieben für den stets passenden Sound. (frb)

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