Solothurn Filmtage

Der Solothurner Werner Biermeier spielt den Chauffeur, der hätte abnehmen sollen

Werner Biermeier war gleich in zwei Filmen an den Filmtagen zu sehen.

Werner Biermeier war gleich in zwei Filmen an den Filmtagen zu sehen.

Sowohl «Jagdzeit» wie auch «Tambour battant» sind für die Vergabe von Filmtage-Preisen nominiert. In beiden Schweizer Kino-Produktionen spielte auch der Solothurner Schauspieler Werner Biermeier mit.

Den habe ich doch schon irgendwo gesehen? Nein, es ist kein Irrtum. Möglichkeiten gibt es viele, um das Gesicht von Werner Biermeier heran zu zoomen. Der Kondukteur im Film «Mein Name ist Eugen», der Gute Onkel in der deutschen Serie «Sturm der Liebe», die Hollywood-Produktion «Girl with the Dragon tattoo»? In einem Werbespot? Im Stadttheater Solothurn? Wer den vielseitigen Solothurner Mimen noch immer nicht ins «Schublädli» bringt, der hatte an den Solothurner Filmtagen gleich zwei Chancen: Am Freitag- und Montagabend flimmerte er sowohl in «Jagdzeit» wie in «Tambour battant» über die Leinwand. «Ich habe ‹Jagdzeit› erstmals an den Filmtagen gesehen», so Biermeier, der zwei Abende für die Vorführungen einsetzte, da sie am Freitagabend beide gleichzeitig programmiert waren.

Fahrszenen im gesperrten Milchbuck-Tunnel

Dabei ist es schon ein Weilchen her, seit den fünf Drehtagen für «Jagdzeit» mit der Regisseurin Sabine Boss. «Das war 2018. Im Film geht es um die Umgangsformen auf der Teppichetage grosser Konzerne.» Inspiriert ist der Film durch die Selbstmorde etlicher bekannter CEOs wie Pierre Wauthier und andern. «Es ist beklemmend, was Menschen ihren Mitmenschen alles antun. Dabei gibt es die Treiber und die Getriebenen», kann Biermeier nach seinem Dreh den Filminhalt nur allzu gut nachvollziehen. Spielte er doch den Chauffeur des menschlichen Finanzchefs Alexander Meier (Stefan Kurt), der ihn vor dem neuen, skrupellosen Topmanager Bronckmann (Ulrich Tukur) beschützt. Dieser will den Chauffeur feuern weil er Übergewicht hat. «Vor dem Lift sagt er mir, ich soll zehn Kilo abnehmen», so Biermeier. Eine der für ihn schönsten Szenen, «die leider rausgeschnitten wurde.» Musste doch der Kinofilm von zwei auf eineinhalb Stunden «eingedampft» werden. Spass hat der Dreh, für den man Biermeier nach einem persönlichen Casting mit Sabine Boss engagiert hatte, dennoch gemacht: «Die Fahrszenen wurden in Zürich im extra abgesperrten Milchbuck-Tunnel gedreht.»

Der Tollpatsch aus der Deutschschweiz

«Es ist grossartig, mit solchen Kollegen zusammenzuspielen», freute sich Biermeier an den Filmtagen auf ein Wiedersehen mit der damaligen Dreh-Crew. Das galt auch am Montagabend beim zweiten Film, den Biermeier in einem Haupt-Cast bestreiten durfte: «Tambour battant» von Regisseur François- Christophe Marzat. «Er kommt ursprünglich aus Nizza und wollte mich erst einmal kennen lernen.» Also traf man sich vor dem Dreh und offenbar stimmte für beide Seiten alles. «Der Film ist eine Komödie und spielt in den 70er Jahren in einem Walliser Dorf. Es geht um Hippies, Hasch und italienische Gastarbeiter, die in den Weinbergen und Obstplantagen arbeiten. Und um die Frauen, die damals aufbegehrten.» Konfliktherd ist die Dorfmusik, die auseinanderdriftet, und mitten drin Werner Biermeier als Henri, ein Deutschschweizer Polizeichef, der – ins welsche Walliser Kaff strafversetzt – vor allem als Tollpatsch auffällt. «Ein Nährstoff für urkomische Szenen», erinnert er sich gerne zurück. Auch diese Dreharbeiten dauerten für den Solothurner Mimen fünf, sechs Tage, ehe die Szenen, gedreht in der Gegend von Saillon und Martigny, im Kasten waren.

Während «Tambour battant» schon in Zürcher Spezialkinos und weiteren Deutschschweizer Kinos zu sehen war, kommt «Jagdzeit» erst jetzt in die Kinosäle. Beide Filme sind in Solothurn nominiert, der erste für den Prix du public, «Jagdzeit» gar für den höchstdotierten Schweizer Filmpreis, den Prix de Soleure.

Wer Werner Biermeier demnächst live auf der Bühne sehen möchte, hat am Schalttag, dem 29. Februar, im Parktheater Grenchen die Möglichkeit dazu: Mit seinem Urner Kollegen Peter Zgraggen gibt er das Zweimannstück «Travis Pine», das am 19. März in Biermeiers alter Heimat Altdorf dann nochmals gespielt wird. Denn dass er ursprünglich durch und durch ein «Ürner» ist, das hört man. Nicht im Film oder auf der Bühne – aber sonst.

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Autor

Wolfgang Wagmann

Wolfgang Wagmann

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