Weststadt

Der Quartierverein Solothurn steht im «Weitblick» auf die Bremse

Die Profilierung für die Vorbelastung der Erschliessungsstrasse Weitblick Nord steht.

Die Hostett des Lusthäuschens

Die Profilierung für die Vorbelastung der Erschliessungsstrasse Weitblick Nord steht.

Die Stadt Solothurn will mit der Vorbelastung eines neuen Strassenabschnitts im «Weitblick» beginnen. Dagegen regt sich Widerstand – unter anderem, weil die Hostet des Henzihofs betroffen ist.

Das Weststädter Idyll: An den Bäumen reifen Pflaumen und Äpfel unter blauem Himmel heran. Hier, in der Hostet beim Henzihof, ist die Welt scheinbar noch in Ordnung. Mit Ausnahme eines Details, das dem Quartierverein Weststadt derzeit Kummer bereitet. Mitten durch die Obstbaumgruppe zwischen dem Lusthäuschen und der Gibelin-«Abbruchvilla» kündet eine Reihe von Holzprofilen unliebsame Veränderungen an.

Im Rahmen der «Weitblick»-Entwicklung soll von Norden nach Süden eine Erschliessungsstrasse mitten durch die Hostet führen. Rund zehn Bäume müssten für dieses Vorhaben weichen. Eine Baupublikation für die Vorbelastung der Achse wurde am 8. August aufgelegt, vergangenen Freitag endete die Einsprachefrist.

27 Personen reichten Einsprachen ein

Wie Andrea Lenggenhager, Leiterin Stadtbauamt, bekannt gibt, sind bis gestern Dienstag drei Einzeleinsprachen, drei Vereinseinsprachen und eine Sammeleinsprache eingegangen. Zusammenfassend wünschen sich die Anwohner, dass Lärm und Erschütterungen, die durch die Vorbelastung geschaffen werden, überwacht und niedrig gehalten werden. Und: dass Schäden durch Setzungen tief gehalten werden.

Als wohl prominenteste Einsprecherpartei tritt der Quartierverein auf, der in der Baupublikation den Anfang vom Ende eines geschätzten Ensembles befürchtet. Einerseits seien die alten Obstbäume als wichtiger Biodiversitäts-Faktor zu sehen. Ausserdem nehme die Hostet durch ihren emotionalen Charakter eine «Brückenfunktion» zwischen Weststadt und Stadtzentrum wahr. Doch der Verein führt weitere Argumente auf, weshalb die Strasse – und damit die Planungsarbeiten für die Strasse – verhindert werden sollten. In der Weststadt gebe es wenige Bauten und Orte, die einen Bezugspunkt zur Vergangenheit herstellen. Das Ensemble von Henzihof, Lusthäuschen und Hostet sei eine Ausnahme und bilde «einen wichtigen Ankerpunkt für die Quartierbewohner.»

Gerade die soziokulturelle Ausstrahlung des Lusthäuschens ist für den Quartierverein massgeblich. Weiter, so die Einsprache des Vereins, plane man im «Weitblick» den Segetzpark, während mit der Hostet bereits heute eine Parkanlage ähnlicher Grösse vorliege: «Gesunde Obstbäume sollen einer Strasse weichen, damit neue Bäume in einem Park gepflanzt werden müssen.» Zuguterletzt besteht die Vermutung, dass sich im Rodungsperimeter auch der Juchtenkäfer befinden könnte. Da sich dieser auf der Roten Liste der gefährdeten Arten befindet, könnte damit das Projekt einstweilen gestoppt werden.

«Weitere Abklärungen wären wichtig»

Felix Epper ist Vorstandsmitglied des Quartiervereins Weststadt und weiss, dass die Planung für die «Weitblick»-Entwicklung schon aufgegleist ist: Insbesondere für das Baufeld des heutigen Henzihof-Ensembles. Hier sind ein Quartiertreffpunkt, Kindergärten, Quartierläden, Gesundheitsdienstleister sowie altersdurchmischtes Wohnen vorgesehen. Einstweilen wurde beschlossen, das Henzihof-Gebäude als Pilot-Provisorium eines Quartierzentrums bis Ende 2021 zu nutzen.

«Die Stadt argumentiert, es sei das ‹Filetstück›: Beste Wohnlage mit Bahnanschluss.» Dennoch findet Epper: «Weitere Abklärungen wären wichtig – bei einem Projekt, das sich über Jahrzehnte hinzieht.» Er schlägt stattdessen eine Bebauung des südlich davon gelegenen «Allmend»-Felds vor. Hier beabsichtigt die Stadt einen Platz, zum Beispiel für Zirkus-Gastspiele oder andere Veranstaltungen.

Quartierverein ist nicht der einzige Bedenkenträger

Auch der Naturförderverein von Solothurn und Umgebung zählt zu den Einsprechern und stützt sich auf die Argumente des Quartiervereins ab. «Uns interessiert aus Sicht des Naturschutzes, was die Stadt baut», erklärt Aktuar Christoph Dengler. Ungewiss sei aber, ob der Verein einspracheberechtigt ist.

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