Kunst-Supermarkt

Der Kunst-Supermarkt wird 20: «Die Skandalisierung hat uns geholfen»

Peter Lukas Meiers Kunst-Supermarkt öffnet am Freitag zum 20. Mal seine Pforten. Damit feiert eine provokative Idee ihr Jubiläum.

122 Kunstschaffende, davon 28 zum ersten Mal dabei, 7565 Unikate, 350 Quadratmeter Ausstellungsfläche: Ein Zählwerk auf der neu gestalteten Homepage des Kunst-Supermarkts gibt den Überblick über die wichtigsten Kennzahlen zur diesjährigen Durchführung. Die wichtigste Zahl aber fehlt noch: 20 Jahre. So lange nämlich existiert die Veranstaltung in der Vorstadt, die jeweils zwischen November und Januar ihr Publikum anlockt.

Diesen Freitag öffnen sich wieder die Pforten in der Rothuus-Halle. Und fragt man den Initianten Peter Lukas Meier nach den Neuerungen, so erwähnt er ebenjene 7565 Neuigkeiten, die es am Kunst-Supermarkt zu haben gibt – in den Preisklassen 99, 199, 399 und 599 Franken. Oder dann in einer gegen oben offenen Preiskategorie: Eine Reihe wuchtiger Exponate, die in einem Werk von 4 auf 2,5 Metern gipfelt.

Eine «Resteverwertung» gibts nicht

Meier rechnet, wie seit der ersten Durchführung, jedes Jahr mit dem selben Ansturm zur Eröffnung. «Wer aber meint, dass nach einer Woche alle schönen Werke weg sind, täuscht sich. Das beste Bild ist für jeden persönlich ein anderes», so Meier. Und: Jeden Morgen werden die Regale von neuem aufgefüllt. Gehen die Werke eines Künstlers zur Neige, werden neue nachbestellt. Zudem gilt dieser eiserne Grundsatz: Eine «Resteverwertung» von Ladenhütern gibts nicht. Braucht es auch nicht, denn das Format findet grosse Anerkennung bei Kunstschaffenden, die mehrheitlich aus der ganzen Schweiz und aus dem Ausland stammen: Bis Februar dieses Jahres waren mehr als 500 Anmeldungen eingegangen.

Die Auslage, die derzeit in der Halle Form annimmt, ist wie immer auf eine breite Zielgruppe ausgerichtet: Auf jene, die ihrem Schlafzimmer, ihrem Wohnzimmer oder auch ihrem Kinderzimmer einen neuen Glanz geben möchten, oder auf jene, die mit dem Einkaufszettel für Weihnachtsgeschenke unterwegs sind. Hier findet sich Impressionistisches neben Pop-Art, Luftig-leichtes neben Erdigem, Abstraktes neben Figurativem, Werke, die an Picasso, an Klee, an Monet erinnern, und das Büsibild neben dem Aktporträt.

Knallrote Preisschilder

Und ja, auch nach 20 Jahren weiss Meier jene Provokation geschickt zu nutzen, die mit seinem Format seit Anfangszeiten einhergeht. «Die Skandalisierung hat uns geholfen.» Konkret geht es um die knallroten Etiketten, den parallel betriebenen Internet-Verkauf und den Namen der Veranstaltung, die der lokalen Kunstszene ein Dorn im Auge sind. Doch je mehr Schimpf Meier einstecken musste, umso mehr Leute kamen vorbei. Und diese brachten, so Meier, auch Wertschöpfung für die Stadtgeschäfte und Restaurants mit sich.

Meier ruht sich aber auch nach 20 Jahren nicht auf der Annahme aus, dass sein Anlass als Selbstläufer funktioniert. Gerade in den letzten Jahren hat er viele Mittel in die Werbung über Online-Kanäle wie den sozialen Medien gesteckt, um mit dieser Offensive gerade auch ein jüngeres Publikum anzusprechen. Darüber hinaus kann er bei der Durchführung auf ein eingespieltes Team zählen, das die schier endlose Logistik für die grosse Menge an Exponaten mitträgt.

Ein bewährtes Rahmenprogramm

Abgerundet wird der Kunst-Supermarkt durch ein Rahmenprogramm. Ab dem Wochenende des 23. November werden bis Ende Jahr jeweils an Wochenenden zwölf Künstler-Ateliers durchgeführt, die es den Besuchern gestatten, mit den Schöpfern der Werke ins Gespräch zu kommen. Und mit «Pimp my Art» will Meier auch ein anderes Format wieder einführen: Ausgediente Werke, denen die Entsorgung droht, werden mithilfe von Künstlern kreativ auf Vordermann gebracht.

Gleichzeitig denkt Meier auch über die Zukunft nach: Zu den Ideen, die ihn umtreiben, zählt auch jene, als Erweiterung zum Anlass in der Vorstadt eine dauerhafte «Basis» des Kunst-Supermarkts einzuführen, und dies möglicherweise in der Altstadt, wie Meier sinniert.

Infos: www.kunstsupermarkt.ch

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