Durch die Patrouillen sollte Ruhe im Solothurner Nachtleben einkehren. Doch der Ersteinsatz der Sicherheitsleute der Basler Firma Pantex schuf Unruhe – im heiklen Gleichgewicht, an dem man in der Stadt Solothurn herumdoktert: jenem zwischen Nachtschwärmern und Altstadtbewohnern. Mit dem Pilotprojekt soll der aus vielen Interessengruppen bestehende Schulterschluss namens «Unisono» in voller Breite ausgetestet werden.

Neben Scharmützeln und Transparentaktionen am Freitagabend selbst echote die Kritik am Einsatz in die neue Woche hinein. Zwar wanden einige Gastrobetreiber den mit «Ruhe und Ordnung» beschrifteten «Rotwesten» ein Kränzchen, ebenso einige, die selbst unterwegs waren.

Für andere wiederum wurde jene Aufschrift zum Stein des Anstosses. Ebenso Schlagstöcke und Pfefferspray, die am Freitag am Gürtel der Sittenwächter baumelten.

«Streetworker, keine parapolizeiliche Organisation»

Eine «Provokation», findet SP-Gemeinderätin Franziska Roth. «Im Vorfeld war etwas anderes angesagt.» Sie fasst damit zusammen, was teilweise auch in Kommentarzeilen von Facebook zu lesen ist. Auch einzelne Exponenten des Projekts, die ihr Gesicht für eine Begleitkampagne auf Plakaten liehen, zeigten sich im Nachhinein nicht mehr einverstanden mit der Art und Weise der Patrouillen-Einsätze. Konkret hatte man Streetworker erwartet, wie man sie auch in Konzepten von anderen Städten wie Biel, Langenthal oder Zürich findet.

«Aber sicher keine parapolizeiliche Organisation. Man kann auch unbewaffnet auf die Leute zugehen», so Roth. «Diese Aufmachung hatte jedoch das Potenzial, Probleme zu generieren.»

Gleichzeitig kritisiert Franziska Roth aber auch Ausfälligkeiten der «Gegenseite», wie ein mit «Scheiss auf Nachtruhe» beschriftetes Transparent auf der Wengibrücke. Unter dem Strich unterstütze sie das Pilotprojekt, allerdings nicht die Art, wie es anfänglich umgesetzt wurde.

Kritik übt auch Heinz Kaiser, Fachmann für Gewaltprävention, wenn er von bewaffneten Bürgerwehren oder uniformierten Sicherheitsdiensten hört: «Das ist definitive der falsche Weg um ein fehlgeleitetes Verhalten oder gewaltbereite Delinquenten in die richtigen Bahnen zu weisen.»

Solothurn ist nun mal nicht Basel

Erste Erkenntnisse wurden laut Einwohnergemeinde bereits am darauffolgenden Samstagabend im Sinne einer «Feinjustierung» umgesetzt: Konkret liessen die Patrouillen aus eigener Erkenntnis ihre Bewaffnung weg. «Die Firma Pantex leistet vor allem Einsätze in Basel an der Rheingasse und ist mit diesem Hintergrund nach Solothurn gekommen», erläutert Urs F. Meyer, Leiter des städtischen Personal- und Rechtsdiensts.

So folgte bereits nach dem ersten Einsatzabend die Feststellung: Solothurn ist nicht gleich Basel. «Das ist ein Lernprozess. Dies haben auch die Gastrobetriebe gemerkt.» Er trat mit den Gastrobetrieben am Mittwoch für eine Feedback-Runde in Kontakt. Allein die Präsenz der Patrouille habe stellenweise sogar Drogengeschäfte auf offener Strasse vereitelt, weiss Meyer.

Lerneffekte auch für «die andere Seite»

Weiter verdeutlicht er, dass 95 Prozent des Ausgangsvolkes am «Aaremüürli» gar nichts von den Patrouillen mitbekommen hätten: «Der eigentliche Einsatz am Landhausquai folgte erst in den frühen Morgenstunden, als die Restaurants und auch die Aussenwirtschaften bereits geschlossen hatten.»

So ziele das Projekt nicht darauf ab, Lokalgäste anzugehen und zu kontrollieren. Für Ordnung während der Öffnungszeiten seien die Betriebe letztlich selbst zuständig. «Vielmehr sollen die Patrouillen Heimkehrer aufmerksam machen, dass es über 1000 Altstadtwohnungen gibt. Und dass deren Bewohner irgendwann auch mal ihre Ruhe wollen.

Das ist der Lerneffekt auf der anderen Seite.» Insbesondere, da eine biergeschwängerte Unterhaltung in den Altstadtgassen halt besonders laut widerhalle. Ein besonderes Augenmerk gelte auch den Ecken Meistergasse und Fischergässli, die als Bedürfnisanstalten herhalten müssten.

Neue Interessengruppe «Solothurn lebt»

Als Reaktion auf das Pilot-Wochenende formierte sich unter dem Namen «Solothurn lebt» in dieser Woche eine neue Interessengemeinschaft. «Es haben sich dazu etwas über 20 Menschen eingefunden, die alle von den genannten Massnahmen irgendwie tangiert werden», erläutert Arian Studer, Mediensprecher der Interessengemeinschaft. Dazu zählen Vertreter der Gastrobetriebe, der Lokalpolitik sowie Privatpersonen.

Die Absicht der IG: «Wir suchen den Dialog mit der Stadt, um eine Stimme in zukünftigen Prozessen zu erhalten. Damit wollen wir verhindern, dass die Kommunikation erneut misslingt und dadurch weitere Spannungen entstehen.»

Friedlichen Zustand erhalten

Weiter sei die Stimmung im Solothurner Nachtleben grösstenteils friedlich. Kleinere Streitigkeiten und Probleme werden oft von Umstehenden oder auch von Gastromitarbeitern beigelegt. Diesen Zustand wolle man erhalten.

Weiter will die Gruppe für das Zusammenleben zwischen Anwohnern und dem Nachtleben lösungsorientierte Vorschläge einbringen. «Diese können auch eine Patrouille beinhalten, jedoch in einer anderen Form», so Studer.