Ismail, der am Samstag Geburtstag hat, darf als Erster eine Probefahrt mit dem Spezialvelo machen; und sie macht ihm sichtlich Spass. Einen schönen Sommertag im Freien mit einer Velotour zu verbringen, ist dank diesen Velos nun auch für Menschen mit Beeinträchtigung in Solothurn möglich. Das Discherheim bietet ab sofort zwei Spezialvelos für Bewohner des Heims, aber auch für Interessierte von ausserhalb an.

Mehr Mobilität ermöglichen

An der Kick-off-Veranstaltung werden die Spezialvelos den Bewohnern präsentiert und so werden zu ihrer Freude bereits erste kleine Spritztouren unternommen. «Das Lachen der Leute zu sehen und zu hören, das ist schon ein Grund, weshalb wir unsere Arbeit machen», sagt Michael Harr, Geschäftsleiter der Stiftung Cerebral. Mittlerweile existieren an 18 verschiedenen Orten in der ganzen Schweiz solche Mietstationen, die Menschen mit Beeinträchtigung den Zugang zu Mobilität ermöglichen sollen. Durch solche Stationen soll auch Familien eine Möglichkeit geboten werden, gemeinsam etwas zu unternehmen, was vorher so nicht möglich war. «Diese Velos kosten zwischen 8000 und 12 000 Franken und brauchen viel Platz. Sie sind also für eine Familie kaum erschwinglich. Deshalb wollen wir sie an Stationen vermieten.»

Auch Stephan Oberli, der Gesamtleiter des Discherheims, ist vom Projekt begeistert. «Durch die öffentliche Vermietung wollen wir auch zeigen, dass wir hier in Solothurn präsent und aktiv sind.» Er konnte die Freude einer Familie, die nun gemeinsam Velofahren kann, bereits miterleben. «Ich habe mit dem Vater eines 15-Jährigen gesprochen, der mir sagte, dass er mit seinem Sohn noch nie gemeinsam Velo fahren konnte. Die Spezialfahrräder können dies nun ermöglichen.»

Wandel in der Gesellschaft

Oberli und Harr sind sich einig, dass diese Projekte wichtig sind, um auch Menschen mit Beeinträchtigung in alltägliche Aktivitäten zu integrieren. «Wir wollen nicht, dass die Leute sagen ‹Das sind ja Arme›, sondern dass sie sehen, dass sie Menschen mit Lebensfreude sind, wie alle anderen auch!», so Harr.

Merkt man denn, dass sich in der Gesellschaft diesbezüglich etwas verändert hat? Das Leben mit Beeinträchtigung sei bereits wesentlich einfacher geworden im Vergleich zu den 1950er-Jahren, erklärt Oberli. «Aber wir können nicht einfach sagen ‹jetzt ist gut›, sondern müssen weitermachen, damit dies auch so bleibt und sich die Situation stetig verbessert.»

Auch eine Studie des Gottlieb-Duttweiler-Instituts zeige, dass sich eine zunehmende Akzeptanz gegenüber dem Anderssein im Generellen durchaus abzeichne. Die Einzigartigkeit eines jeden werde zunehmend akzeptiert, was auch ihnen zugutekommt. Doch der Druck sei da, die meisten Institutionen sind noch immer privat organisiert und somit auch den wirtschaftlichen Schwankungen ausgesetzt. Oberli bedauert auch, dass die Lobby, die ihre Anliegen in der Politik vertritt, äusserst klein ausfällt. «Aber solange es Privatpersonen gibt, die unsere Arbeit unterstützen, können und wollen wir weitermachen und möglichst vielen Leuten helfen», so Harr.

Für weitere Infos zur Vermietung der Fahrräder kann man sich direkt beim Discherheim melden. Telefon: 032 624 50 33.