Solothurn

Das Abendlob in der Jesuitenkirche als musikalische Oase der Ruhe

Thomas Ruckstuhl (links) und Andreas Reize freuen sich auf das neue Abendlob in der Jesuitenkirche.

Thomas Ruckstuhl (links) und Andreas Reize freuen sich auf das neue Abendlob in der Jesuitenkirche.

Vier Mal jährlich laden Stadtpfarrer Thomas Ruckstuhl und der musikalische Leiter der Singknaben, Andreas Reize, im «Abendlob» zu einem Moment der Stille ein.

«Das rasche Tempo unserer Zeit braucht hin und wieder ein Notbremsen, ein sich Hineinbegeben in einen heiligen Raum, bei Kerzenlicht, mit schönem Gesang und einem Moment der Stille», meint Thomas Ruckstuhl. Der Stadtpfarrer lädt zusammen mit Andreas Reize, dem musikalischen Leiter der Singknaben, künftig vier Mal jährlich mit dem Knabenchor zu einem «Abendlob» mit Lichterprozession in die Jesuitenkirche ein. Sozusagen als «Zwischenhalt an der Schwelle zum Wochenende» soll die liturgisch-musikalische Feier an die Tradition der katholischen Vesper, dem Abendgebet der Klöster und der Kathedralkapitel anknüpfen, aber auch an den «Evensong» der anglikanischen Kirche. Das «Abendlob» wird morgen Freitag erstmals von 19.30 bis 20 Uhr zelebriert. «Das Abendlob ist für mich Einstimmen in den Advent, einstimmen in den Feierabend, vorbereiten auf den Sonntag», sagt Ruckstuhl.

Hier sollen Wort und Musik Hand in Hand gehen

Die Liturgie ist Reize seit langem vertraut, ebenso die musikalischen Möglichkeiten, die die Liturgie eröffnet. «Beim geplanten ‹Abendlob› sollen sich Wort und Musik ergänzen, ja fast die Hand geben. Dabei soll die Musik keineswegs nur ‹Wellness für die Seele› sein. Sie ist immer auch Verkündigung, Gebet, Klage, Lob, Predigt, Zuspruch, manchmal auch Ablehnung», so Reize, der das Programm vorstellt: Für die Vesper am ersten Advent ist zu Beginn der Hymnus «Conditor alme siderum» zu hören, der zuerst lateinisch in der Vertonung von Michael Praetorius gesungen wird. Danach folgt die deutsche Fassung «Gott heil’ger Schöpfer aller Stern». Es wechseln sich in der Folge Wort und Musik – fast meditativ – ab. Besonders ist das sogenannte Lucernarium «Du Licht vom Lichte», das die Licht-Prozession musikalisch begleitet. «Ein Höhepunkt ist das Alma Redemptoris Mater von Giovanni Perluigi da Palestrina», so Reize weiter.

Die Feier haben sie bewusst auf den Übergang zum Wochenende gelegt. Samstag und Sonntag sind für die meisten Menschen bedeutende Tage für Freizeit, Erholung, Familie, Freundschaften und auch für die Zeit mit Gott. «Das Abendlob schenkt die Möglichkeit, das Menschsein zu feiern», ergänzt Ruckstuhl. Angeregt zum Abendlob wurden der Theologe und der Musiker beim Diskutieren und Ideen entwickeln. «Das Innehalten und Ordnen entlastet die Seele, schenkt ihr Gelassenheit und Freiheit», ist Thomas Ruckstuhl überzeugt. So bekomme der Abend eine feierliche Note und wandle sich in das, was wir Feierabend nennen.

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