Zum 80. von Peter Bichsel

«Danke für die Kunst, mit kurzen Geschichten für lange Gesichter zu sorgen»

Zum 80. Geburtstag von Peter Bichsel wurde der Dichter im bis auf den letzten Platz gefüllten Stadttheater Solothurn mit Musik, Theater und Film gefeiert.

Mit dem höchst anspruchsvollen Streichquartett Nr. 1 von György Ligeti eröffnete das Kammermusikensemble Amaryllis Quartett am Dienstagabend im Stadttheater Solothurn die Geburtstagsfeier zum 80. von Peter Bichsel. Er wolle keine offiziellen Reden an seinem runden Geburtstag, konnte man im Vorfeld des Ereignisses vom Schriftsteller vernehmen. Etwas mit Kammermusik würde ihm da schon besser gefallen.

Das erfuhr auch Madeleine Elmer, Präsidentin des Vereins Pro Amaryllis, des Freundesvereins des Quartetts. Und so kam sie mit Bichsel ins Gespräch und die Gestaltung einer Feier zu seinem Geburtstag nahm Formen an. Da das Fest im Stadttheater Solothurn über die Bühne ging, wollte man auch Szenisches ins Programm integrieren. Texte von Bichsel, die sein Leben beschreiben, wurden von Regisseurin Deborah Epstein zu einer Art Revue adaptiert. Sie war es auch, die vor drei Jahren das Stück mit Bichsel-Texten «Mit wem soll ich jetzt schweigen» inszenierte.

Mit einem Glas Roten

Margit Maria Bauer und Günter Baumann übernahmen auf der Bühne die Sprechparts und legten gleich los, an zwei kargen Pulten erstmal einen Geburtstagsgruss an Peter Bichsel zu richten. «Lieber Peter», begannen sie und kamen auch gleich ins Stocken. Durchatmen und mit einem Glas Roten anstossen. Dann gab es die ersten Lebenserinnerungen: Skifahren in Silvaplana, der weisse Elefant auf dem Karussell, erste Erzählungen – Traurige oder Lustige? Das Amaryllis-Quartett gesellte sich dazu und begleitete die weiteren Lebensetappen – zu manchen gab es auch Filmeinspielungen – mit Beethovens Streichquartett Nr 12 in Es Dur op. 127. Kurze Bichsel-Geschichen wurden erzählt. Von Eintagsfliegen, New York und Hugo, filmisch begleitet mit dem, was Bichsel gern hat. Laurel und Hardy, Solothurn, seine Leser.

Und schliesslich war es dann so weit, dass der Jubilar selbst auf die Bühne kam. Bescheiden, schüchtern fast, in seinem schwarzen Ledergilet, schwarzer Hose und der runden Brille. Langer Applaus begleitete ihn und Bichsel begann sich zu erinnern. Wie er als 17-Jähriger zum ersten Mal im Stadttheater Solothurn war. Stehplatz für 1.10 beim Schauspiel. Operette kostete 1.65 und Oper 2.20. So blieb er beim Schauspiel. Er wollte Theaterstücke schreiben, damals. Man weiss – es kam anders.

Schliesslich liess Bichsel seine Freunde in den Genuss einer kurzen Lesung von sieben Gedichten kommen, die er als ganz Junger verfasst hatte. Expressionistische, fast dadaistische Züge hatten diese Zeilen. Sie handelten von Einsamkeit, der Nacht, den Träumen, von spanischen Mädchen, einem Schiff.

Stellvertretend für die Gesellschaft gratulierte Roberto Zanetti und dankte «im Namen der Republik und aller Demokraten». «Wir danken Dir für die Kunst, mit kurzen Geschichten für lange Gesichter zu sorgen», meinte er und er wünschte dem Jubilar weiterhin viel Langeweile, denn dies sei der Brutkasten, in dem die guten Geschichten entstünden.

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