Theater Mausefalle

Da würde sich auch Til Schweiger freuen

Opa Amandus Rosental (Sven Witmer) leidet an Alzheimer. Seine Enkelin Tilda (Lea Fischer) möchte mit ihm abhauen.

Zum Saisonauftakt wählte das Theater Mausefalle mit der Bühnenadaption des Filmes «Honig im Kopf» ein anspruchsvolles Werk, welches das Premierenpublikum begeisterte.

Früher wurden meistens erfolgreiche Bühnenstücke verfilmt. In letzter Zeit herrscht der umgekehrte Trend vor, dass erfolgreiche Filme auf die Bühne kommen. So denn auch mit Til Schweigers «Honig im Kopf» in der Bühnenbearbeitung von Florian Battermann. Film und Bühne sind zwei ganz unterschiedliche Medien und in diesem Fall musste der Roadmovie-Aspekt weggelassen und die Schauplätze reduziert werden. Wer indessen den Film nicht gesehen hat, wird dies überhaupt nicht bemerken.

Die Mausefalle-Bühne ist intelligent eingerichtet, sodass die teils kurzen Szenen in einem entsprechenden Ambiente stattfinden können. Zu Beginn links und rechts am Rande der Dekoration auf zwei Barstühlen Niko und Sarah Rosenbach und in der Mitte auf dem Bühnenrand sitzend Tochter Tilda. Sie beginnen vom Vater respektive Grossvater Amandus zu erzählen, der an Alzheimer erkrankt ist. Es wird dabei deutlich, dass nicht nur der Betroffene darunter zu leiden hat sondern vor allem auch seine Umgebung. Deshalb möchten Niko und Sarah ihren Vater in einem Pflegeheim unterbringen, doch Tilda verteidigt die Ablehnung Amandus vehement. Für das Publikum, führt dies zu Szenen voller Situationskomik. Regisseur Jörg Studer ist es gelungen, die komischen Situationen nicht in Klamauk ausarten zu lassen und die tragischen Momente nicht in Sentimentalität zu baden.

Die Aufführung unterhält und ergreift gleichermassen. Der Regisseur bedient auch die Technik, denn die verschiedenen Schauplätze, die Lichtgestaltung und die akustischen Einblendungen verlangen ein ausgezeichnetes Timing.

Ganze vier Personen tragen das Stück

Bei den Darstellern ist an allererster Stelle Lea Fischer zu erwähnen. Sie spielt mit viel innerem Feuer und hervorragender Sprachgestaltung die Enkelin Tilda. Sie wirkt so natürlich und glaubhaft, wenn sie beschliesst, mit ihrem Opa abzuhauen, um ihn nochmals an den Ort zu bringen, wo er einst glücklich gewesen ist. Amandus Rosenbach wird vom auf alt geschminkten Sven Witmer (Maske Léonie Schütz) verkörpert. Er verhilft der Figur des verwirrten Opas zu Leben. Ausser in ganz wenigen Momenten kann er voll als alter Mann überzeugen. Seine schauspielerische Leistung ist hoch einzuschätzen, denn nicht nur die Sprache, auch die Bewegung müssen glaubhaft wirken. Auf den ersten Blick ist bei Niko (Remo Streit) der Business-Mann zu erkennen. Der Geschäftsinhaber ist wenig zu Hause und hat ein Verhältnis mit seiner Sekretärin. Bodenständiger wirkt Janine Frey als Sarah. Sie ist bei einer Werbeagentur angestellt und mit ihrem Chef fremdgegangen.

Mit anderen Worten: Das Ehepaar Rosenbach schlittert in eine Midlife-Crisis und wird nun noch mit der Betreuung von Amandus konfrontiert. Während Sarah schon bald ein Pflegeheim ins Spiel bringt, hat Niko Mühe, seinen Vater gegen dessen Willen dorthin abzuschieben. Diese zwei kommentierenden Rollen führen zu zusätzlichen dramatischen Elementen. In den gut anderthalb Stunden Spielzeit passiert auch bei nur vier Protagonisten Einiges. Das Publikum dankte mit viel Applaus und konnte Manches zum Nachdenken mit auf den Nachhauseweg nehmen.

Aufführungen Fr./Sa. 6./7., Sa. 14. September je 20 Uhr, So. 15. September 17 Uhr, Fr./Sa. 20./21. September je 20 Uhr und So. 22. September 17 Uhr.

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