Solothurn

Chancenlose Einsprachen – auch Baukomission gibt dem Abriss der Ludervilla statt

Die Eingangsfront zur Villa Luder, deren geplanter Abriss hohe Wellen geworfen hatte.

Die Eingangsfront zur Villa Luder, deren geplanter Abriss hohe Wellen geworfen hatte.

Der Gang zur Denkmalpflege war umsonst. Nach der Denkmalpflege genehmigt nun auch die Baukommision das Abrissgesuch.

Sie hatte Wellen bis in den Gemeinderat geworfen, und hinter den Kulissen für viel juristisches Hickhack gesorgt: die Villa Luder am Sälirain 22. Sie soll abgerissen werden, doch gegen das Abrissgesuch wehrten sich nicht nur Nachbarn in einer Einsprache, sondern auch eine Gruppierung vor allem aus Architekturkreisen um die vormalige Chefin Hochbau der Stadt, Christiane Arn. Sie alle sehen in der 1961 erbauten Villa des damaligen Stadtbaumeisters Hans Luder ein erhaltenswertes «öffentliches Kulturgut». Anders die Städtische Baukommission: Sie war gar nicht erst auf die Einsprache der Gruppe Arn eingetreten – dazu sei diese nämlich gar nicht legitimiert.

In der Behandlung der nachbarschaftlichen Einsprache wurde dagegen die Forderung nach Unterschutzstellung von der Baukommission geprüft. Doch kommt diese zum Schluss: «Es muss festgehalten werden, dass die Bauherrschaft betreffend das Wohnhaus Sälirain 22 juristisch zu keinem Zeitpunkt rechtlich bindende Vorgaben betreffend den Denkmalschutz einzuhalten hatte.» Weiter argumentiert die Kommission, die Villa sei «in keinem Inventar verzeichnet, welches eine grundeigentümerverbindliche, rechtliche Wirkung entfalten würde.» Auch sei für das Gebäude «weder eine kommunale noch eine kantonale Schutzverfügung erlassen worden.» Deshalb könne die Villa abgerissen werden.

Erfolglose Motion

Genau in diesen Punkten, der Grundeigentümerverbindlichkeit und weitergehenden Schutzverfügungen, war der Vizepräsident der Baukommission, Philippe Jean Richard (SP), mit einer Motion politisch aktiv geworden. Er blieb allerdings mit seinem Vorstoss im Gemeinderat erfolglos, und beim jetzigen Entscheid der Baukommission ist er auch von sich aus in den Ausstand getreten.

Die Baukommission nimmt in ihrer Entscheidbegründung denn auch das Resultat im Gemeinderat zur Hand und stellt lapidar fest: Der Rat hätte das Haus unter Schutz stellen können – aber mit dem Nein zur Motion eine Schutzverfügung explizit nicht in Betracht gezogen.

Irreparabler Substanzverlust

Ein Wasserschaden hatte dazu geführt, dass die Besitzerfamilie Vidal die Villa innert kürzester Zeit verlassen musste. Wesentliche Teile der originalen Inneneinrichtung aus der Bauzeit wurden zur Ortung des Schadens und zur Wiederinstandsetzung entfernt. Auch dazu hält die Baukommission fest, dass bei diesem Schritt die Eigentümer nicht gesetzlich verpflichtet waren, die Denkmalpflege einzuschalten. Dennoch arbeitete danach Carlos Vidal mit der kantonalen Denkmalpflege zusammen, und es wurde mit einem von dieser empfohlenem Architekturbüro ein Umbauprojekt erarbeitet.

Dieses hätte noch massivere Verluste der Original-Substanz mit sich gebracht und mehr als 1,7 Millionen Franken gekostet – nun warf Vidal das Handtuch. Zumal die Denkmalpflege inzwischen auch kapituliert hatte und einem Abriss des zu stark veränderten Hauses zustimmte. In diesem Prozess sei auch nie eine provisorische Schutzverfügung oder eine Planungszone erlassen worden, stellt die Baukommission weiter fest. Der Schutz könne angesichts des massiven Wertverlusts an historischer Substanz auch «nicht mehr gegeben sein», so die Kommission, die den nachbarschaftlichen Einsprechern im Übrigen nur die üblichen Auflagen zugestand, die beim Abriss eines Hauses und der Entsorgung des Altmaterials zwingend einzuhalten sind.

Nach dem ganzen Hickhack meint Hauseigentümer Carlos Vidal, verärgert über die Unterstellungen der Einsprecher, lakonisch: «Wir wussten ja, dass wir nicht zur Denkmalpflege gehen müssen. Doch leider haben wir es gemacht. Und ein Jahr sowie viel Geld investiert, um es zu erhalten.» Dazu sei ihm aber die Lust nun definitiv vergangen. «Wir werden uns von dem Grundstück trennen.»

Die zwei Gegenparteien haben ihre Einsprachen nach Auskunft des Justiz- und Baudepartements nicht weitergezogen.

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