Stadt Solothurn

«Bravo!»: Wie die Parkour-Sportler durch Solothurn tanzen

Die Parkour-Gruppe Solothurn rund um Philipp Wälti hebt ab – im wörtlichen Sinne.

Die Parkour-Gruppe Solothurn rund um Philipp Wälti hebt ab – im wörtlichen Sinne.

Für Philipp Wälti ist die Sportart eine Lebensphilosophie – eine, die in Solothurn viele Leute fasziniert: der Parkour. Er gründete vor fünf Jahren die erste Parkour-Gruppe im Kanton.

Die Menschen bleiben stehen und schauen zu. Manche klatschen und rufen «Bravo!», andere schütteln eher ungläubig den Kopf. Aber eines tun alle Zuschauer: Sie bewundern die akrobatischen Sprünge der Parkour-Sportler, die spielerisch durch Solothurn tanzen. Senkrechte Mauern erklimmen sie, springen kunstvoll über Mauern und bewegen sich im Handstand über Brückengeländer.

Auf den ersten Blick sehen die Sprünge über Stein und Asphalt zwar spektakulär aus. Parkour sei allerdings nicht gefährlicher als andere Sportarten, sagt der 26-jährige Philipp Wälti. Er praktiziert den Sport seit über acht Jahren und hat sich abgesehen von kleineren Prellungen und Verstauchungen noch nie ernsthaft verletzt. Er sagt: «Unfälle passieren erst, wenn man mit dem Kopf nicht mehr bei der Sache ist.» Beim Parkour gehe es eben darum, sich nicht ablenken zu lassen und nicht an die Zukunft zu denken. Das heisst, keine Angst davor zu haben, was alles passieren könnte, sondern das zu tun, was in diesem Moment richtig sei.

Diese Haltung lasse sich auch aufs Leben im Allgemeinen übertragen: «Wer ständig Angst davor hat, was in Zukunft alles schiefgehen könnte, wird sich nicht trauen, etwas wirklich zu tun. Damit macht man zwar nichts falsch, aber erfolgreich wird man auch nicht sein.» Die Angst zu versagen, blockiere manche Menschen vollkommen, sodass sie ihr eigenes Leben nicht mehr frei leben. Parkour könne helfen, diese Blockade zu lösen.

Denn in diesem Sport gebe es keinen Leistungsdruck. Es gehe nicht darum, besser zu sein als andere, sondern darum, an sich selber zu arbeiten. «Das gibt einem die Möglichkeit, seinen eigenen Weg zu gehen und zu sich selber zu finden», so Wälti. Deshalb sei Parkour für ihn auch nicht bloss eine Sportart, sondern eine Lebensphilosophie, die er teilen und weitergeben möchte.

Für Körperspannung und Kraft

So kam Philipp Wälti vor fünf Jahren aus der Region Aarau nach Solothurn mit der Idee, hier die erste Parkour-Gruppe im Kanton zu gründen. Er trainierte alleine in der Stadt und leitete einmal in der Woche das Sportangebot «Feel the Move» für Jugendliche, das von der Jugendarbeit Solothurn des Alten Spitals heute noch angeboten wird. Die Jugendlichen zeigten sofort grosses Interesse an dem Parkour-Training.

Wälti erklärt sich ihre Begeisterung damit, dass man im Parkour schnell und stetig Fortschritte macht: «Mit jedem Training verbessert sich spürbar das Gleichgewicht, die Körperspannung und die Kraft. Die Erfolgserlebnisse spornen die Jugendlichen an, weiterzumachen.» Zudem lernen sie durch die kleinen Erfolge, an sich zu glauben und Selbstvertrauen aufzubauen.

So hangeln sich die Parkourläufer durch Solothurn.

So hangeln sich die Parkourläufer durch Solothurn.

Wälti hatte also bald eine Parkour-Gruppe zusammen, mit der er drei Mal in der Woche in Solothurn trainierte. Zuerst unterrichtete er die Jugendlichen gratis. Die Gruppe wurde aber immer grösser und damit auch der organisatorische und administrative Aufwand für Wälti. Um seinen Einsatz zu entschädigen, verlangte er dann einen kleinen Geldbetrag. Sofort empörten sich einige Eltern darüber, dass die Trainings plötzlich etwas kosteten. Dazu kamen Probleme mit einigen Jugendlichen, die das Training nicht wirklich ernst nahmen. Aufgrund dieser schwierigen Umstände hat Wälti das Projekt vorübergehend auf Eis gelegt. Seit etwa einem halben trainiert er nur noch mit etwa zehn anderen Jugendlichen und jungen Erwachsenen in einer Art freien Gruppe, ohne Verpflichtungen. Wälti sagt: «Jetzt sind eigentlich nur noch diejenigen dabei, die den Sport und meine Unterstützung als Trainer wirklich schätzen.»

Trotz alledem erhalte er immer noch regelmässig Anfragen von Jugendlichen, die an den Parkour-Trainings mitmachen wollten. «Alle, die es ernst meinen, sind auch jederzeit willkommen», sagt Wälti. Denn er habe noch nicht aufgegeben, den Sport und die Philosophie des Parkours für alle zugänglich zu machen. Er könne sich gut vorstellen, in Zukunft wieder professionelle Parkour-Trainings anzubieten. Dieses Mal würde er aber von Anfang an klare Regeln aufstellen und auch einen Beitrag verlangen.

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