Bekannt wurde Gioachino Rossini (1792–1868) vor allem durch Opern wie «Der Barbier von Sevilla». Mit dem «Stabat Mater» und dem Spätwerk «Petite Messe solennelle» von 1863 schuf er auch geistliche, farbig intonierte und ausdrucksstarke Werke. Die bekannten lateinischen Texte des Messe-Ordinariums verwandelte er in dieser «kleinen festlichen Messe» in eine opernnahe Klangpracht, die in der damaligen Zeit besondere von deutschen Komponisten Kritik ernteten, weil sein Werk nicht der Tradition kirchlicher Musik entspreche.

Wie überirdische Engelschöre

Tatsächlich empfindet man sich als Zuhörender dieser Messe berauscht von der Kunstfertigkeit seiner feinsinnig strukturierten Chöre, die sich mit dem Prinzip der Fuge klassischer Stilmittel und in der eleganten, sich verwebenden Stimmführung der Virtuosität der Hochromantik bedienen. In den Variationen zu «Amen» gewinnt man den Eindruck, man höre überirdische Engelschöre. Die Einsätze der Solostimmen Sopran, Alt, Tenor und Bass bringen in ihrer melodiösen sowie emotionalen Ausgestaltung vermehrt opernhafte Elemente. Eine ganz wichtige Rolle, die weit über die reine Begleitung hinausgeht, nehmen der oftmals rhythmisch bestimmte Klavierpart, der an sinfonische Dichtungen erinnert, und die Orgel ein, die als Harmonium beteiligt war. Das Zwischenspiel der beiden Tasteninstrumente im «Preludio religioso» schuf kurzfristig Andacht, die Rossini mit seiner diesseitigen, an sinnlichen Impulsen reichen Musik selten aufkommen lässt. Zwar fühlt man sich begeistert von diesem berauschenden Gemälde an Tonkunst, aber subjektiv nicht wirklich tief im Innern berührt, wie es dem Wortlaut einer Messe entspräche.

Bewunderte Arbeit

Diese mehr grundsätzlichen Überlegungen schmälern keineswegs die ausserordentliche Leistung der beteiligten drei Chöre: Kammerchor Solothurn, Chor Bruder Klaus, und Gallus-Chor, Kriens, deren Einstudierung und deren stimmliches Zusammenwachsen in den Händen von Susanne Z’Graggen und Konstantin Keiser lag. Den bedeutungsvollen, technisch anforderungsreichen Klaviersatz, der neben Ernsthaftigkeit auch humorvolle Anklänge an Pariser Salonmusik enthielt, spielte Pianist Peter Baur. Susanne Z’Graggen, die wir Hiesigen neben ihren weiteren Aufgaben vor allem als Domorganistin der St.-Ursen-Kathedrale kennen, untermalte Klangbilder mit der Harmoniumstimme. Schul- und Kirchenmusiker Konstantin Keiser leitete die Solothurner Aufführung, der bereits der Auftritt in Kriens eine Woche zuvor voranging.

Überzeugende Solisten

Eine glückliche und überzeugende Zusammenstellung trafen beide Verantwortliche in der Wahl der Solo-Vokalisten. Gemeinsam als Quartett und in ihren Arien gefielen Nuria Richner mit leuchtendem Sopran, Stephanie Szanto in fein timbriertem Alt, Hans-Jürg Rickenbacher, dessen Tenorstimme fast an italienisches Belcanto erinnerte, und Bass Marc-Olivier Oetterli in seinen expressiven, teils lyrischen Beiträgen. Wie mühelos fügten sich vielstimmige Chorpartien mit oder ohne Begleitung im Wechsel mit den Solostimmen zu einem klanglich perfekten Gleichgewicht, das mit grossem Applaus gewürdigt wurde.