Solothurn

Bei Vermietern gab es «eine Welle von Anfragen» zu Mieterlassen

Am meisten betroffen sind Gastro-Betriebe wie hier die Brasserie Federale am Märetplatz – ebenfalls eine Mieterin von Urs Rudolf.

Am meisten betroffen sind Gastro-Betriebe wie hier die Brasserie Federale am Märetplatz – ebenfalls eine Mieterin von Urs Rudolf.

Für die Mieter von Geschäften und Gastrobetrieben in der Stadt Solothurn sind ihre Vermieter in Zeiten des Lockdowns wichtige Ansprechpartner.

Die Besitzer von gewerblich genutzten Immobilien in der Stadt haben ganz unterschiedlich auf die Coronakrise reagiert. Die AEK zum Beispiel hat allen gewerblichen Mietern, die vom Lockdown betroffen sind, die Aprilmiete erlassen. So freut sich beispielsweise Beat Knecht vom gleichnamigen Modegeschäft an der Hauptgasse über das Entgegenkommen seiner Vermieterin.

Doch macht er sich keine Illusionen zum Geschäftsgang nach dem Lockdown: «Wenn wir im Mai wieder öffnen dürfen, werde ich dies wohl vorerst nur halbtags tun. Denn solange die Restaurants noch alle geschlossen sind, wird wohl höchstens die Hälfte des Umsatzes zu erreichen sein, wenn überhaupt», ist der Geschäftsmann, der auch noch das Mode-Stammhaus in Lyss betreibt, skeptisch.

Zwei Monatsmieten vorerst gestundet

Urs Rudolf mit seiner Solothurner Immobilienverwaltung SIV ist einer der wichtigsten Immobilien-Player in der Stadt. Gut zwei Dutzend Wohn- und Geschäftshäuser, meist in Top-Lage umfasst sein Portefeuille. «Eine Welle von Anfragen» zu Mieterlassen habe es nach dem Lockdown gegeben, von internationalen, nationalen und lokalen Mietern. «Und es sind auch schon grosse Mieterträge eingebrochen, vor allem von Ladenmietern», sieht sich Rudolf mit grösseren «Belastungen und Herausforderungen» konfrontiert. «Wir haben uns entschieden, erst einmal allen zwei Monatsmieten zu stunden und alle gleich zu behandeln.»

Ein Verzicht sei bei internationalen und nationalen Firmen, «die teilweise sogar noch Dividenden ausschütten», kein Thema. Mit den kleineren, lokalen Betrieben, aber auch beispielsweise der Gastrokette von Fritz Bader, die in Rudolfs Liegenschaft am Märetplatz die Brasserie Federale betreibt, «wollen wir im Mai zusammensitzen, um tragfähige Lösungen zu suchen». Denn «wir möchten alle Mieter längerfristig halten», und in Zeiten wie diesen zeige sich, auf welche Vermieter Verlass sei. Es gebe auch Lichtblicke wie Mieter, die mit dem Abschluss einer Pandemieversicherung weiterhin Mieten bezahlen könnten.

Im städtischen Immobilienmarkt sieht Rudolf mit der Krise «weiterhin sinkende Preise», was ja bereits zuvor im Trend gewesen sei. «Aber zuletzt wird alles nie so heiss gegessen, wie es anfänglich aussieht», bleibt der erfahrene Immobilien-Fachmann zuversichtlich.

Der Kanton hat noch kein Konzept

Einer der grossen Immobilienbesitzer in der Stadt ist der Kanton. Birgitta Schweizer, die als Stellvertretende Chefin des Hochbauamtes die Abteilung Immobilienentwicklung führt, stuft 15 Mieter in die Kategorie «kleines und mittleres Gewerbe» ein. Den Monatsertrag aus den Mieten beziffert sie als mittleren, fünfstelligen Betrag. «Das Gros des Liegenschaftsportfolios des Kantons dient der Erfüllung von staatlichen Aufgaben oder wird an Institutionen vermietet, die einen öffentlichen Auftrag wahrnehmen. Es gibt nur wenige Liegenschaften im Finanzvermögen, die an strategischer Lage sind und bei denen ein marktüblicher Ertrag erwirtschaftet werden kann.»

Schweizer bestätigt, dass beim Kanton bereits Gesuche um Stundung oder Mieterlass aus der Stadt eingegangen sind. Genehmigt wurde noch nichts. Ob man solchen Mietern entgegenkommen könne, werde aktuell abgeklärt. «Wir möchten den Betroffenen in unbürokratischer Weise helfen. Ein entsprechendes Konzept ist in Vorbereitung», erklärt Birgitta Schweizer. «Wir haben das Glück, dass wir mit unseren Mieterinnen und Mietern gute oft langjährige Beziehungen pflegen. Beide Seiten sind von der Coronakrise betroffen. Eine tragfähige Lösung ist also in unser beider Interesse.»

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