Dächer von Solothurn

Bauinspektor sieht viel Potenzial in den Dachräumen der Stadt

Bauinspektor Anton Rindlisbacher: «Oft findet ein Bauherr im Nachhinein, dass es mit den verordneten Anpassungen noch besser gekommen sei als im ursprünglichen Projekt.»

Bauinspektor Anton Rindlisbacher: «Oft findet ein Bauherr im Nachhinein, dass es mit den verordneten Anpassungen noch besser gekommen sei als im ursprünglichen Projekt.»

Im letzten Teil unserer Serie «Dächer von Solothurn» sinniert Bauinspektor Anton Rindlisbacher über die Entwicklungen der Dachnutzung. Er sieht in den Dachräumen viel Potenzial.

Der Estrich ist tot, oder bestenfalls ein Relikt des 20. Jahrhunderts. Hört man den Ausführungen des städtischen Bauinspektors Anton Rindlisbacher, könnte man durchaus zu genau diesem Schluss kommen. «Dachräume werden vermehrt genutzt. Man versucht, das bestehende Raumvolumen zu vergrössern», so die Beobachtung des Fachmanns. «Es entspricht einem Bedürfnis, dass immer mehr Dachböden zu Wohnraum umgenutzt werden.» 

Dahinter stünden weitreichende gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Entwicklungen wie knapper werdender Lebensraum, Raumplanung oder die Grundstückspreise. «Ich persönlich begrüsse es, dass man Verdichtung auf diese Weise realisiert.» Bekannt ist, dass gerade die Altstadt schon in früheren Jahrhunderten Stockwerk um Stockwerk in die Höhe wuchs, womit diesem Modewort der Verdichtung also bereits schon früher einiges vorweggenommen wurde.

Wird nun aber Stau- zu Wohnraum umfunktioniert, so soll das nicht ohne entsprechende innenarchitektonische Annehmlichkeiten gehen. «Ein Bauherr will im Dachgeschoss die mögliche Nutzung voll ausschöpfen – Licht und Raumhöhe sind dabei zwei wichtige Punkte», sagt Rindlisbacher weiter. Dies entspricht auch den Vorschriften, die aus gesundheitlicher Sicht für die Erschliessung von Wohnraum von Nöten sind. Raumhöhe, Beleuchtung und Wärmedämmung zählen dazu. Nun ist es aber die Aufgabe des Bauinspektorats zu prüfen, ob sich die individuellen Wünsche mit den gesetzlichen Vorgaben vereinbaren lassen.

Inmitten von Spannungsfeldern

Anton Rindlisbacher ist Bauingenieur HTL und hat 20 Jahre Erfahrung als Bauinspektor, vormalig in Saanen. Seit Frühling steht ihm dabei Peter Glaus zur Seite. Er selbst habe in seiner vierjährigen Tätigkeit als Solothurner Bauinspektor zwar einen Fall wie das umstrittene goldene Dach von Olten nicht gehabt. Dennoch: «Es besteht ein gewisses Spannungsfeld – zwischen den Anliegen des Bauherren und den Vorschriften, die für Dachgeschosse, Dachaufbauten, Dachfenster und Dachflächen gelten.» Und mitten in diesem Spannungsfeld steht der Bauinspektor als beratende und prüfende Instanz: Er betreut den Prozess in der Planung und bei der Bauabnahme: «Wir prüfen im Hinblick auf das Baugesuch, ob das Projekt eines Bauherrn formell und materiell mit dem Baurecht konform ist.»

Ein Thema, das dem 47-jährigen Bauinspektor in seiner Arbeit je länger, je mehr begegnet, sind Solaranlagen: «Allein im Zeitraum von Januar bis im Sommer war die Anzahl der bewilligten Photovoltaik-Anlagen grösser als im vergangenen Jahr.»

Während jedoch in der Altstadt, wo flächendeckend eine Bewilligungspflicht besteht, kaum je eine Solaranlage bewilligt werden dürfte, gibt es ausserhalb der Altstadt überwiegend meldepflichtige Projekte. «Hier ist wichtig, dass die Anlage an die Gestaltung des Gebäudes angepasst ist. Dazu zählt auch eine kompakte, rechteckige Fläche der Panels.» Hinsichtlich Anordnung der Solarmodule gelten die städtischen Richtlinien, die auch auf der Homepage der Stadt zu finden sind.

Dach als Gestaltungselement

Stets steht für den Bauinspektor die Frage im Zentrum, ob eine Dachumgestaltung dem Gesetz entspricht. Der Eindruck, den ein Gebäude von oben macht, ist denn nicht einfach nur zweitrangig: «Wenn man ein Haus anschaut, so sind nicht nur Fassaden, sondern auch Dachflächen wesentliche Gestaltungselemente des Ortsbildes und tragen zur Gesamterscheinung eines Gebäudes bei», sagt Anton Rindlisbacher. «Das darf man nicht unterschätzen.»

Dass seine Arbeit aus Sicht des Bauherrn als büro- oder technokratische Lästigkeit wahrgenommen wird, lässt Rindlisbacher nicht gelten. Sobald man den Leuten erkläre, dass es baulichen Vorschriften gibt, werde dies verstanden und akzeptiert.

Und: «Oft findet ein Bauherr im Nachhinein, dass es mit den nötigen Anpassungen noch besser gekommen sei als im ursprünglichen Projekt.» Entlastend kommt hinzu, dass sich die architektonischen Möglichkeiten bei Dachausbauten gewandelt haben: «Neue Technologien, besseres Fachwissen und anderes Material haben dazu geführt, dass eine bessere Nutzung mit weniger Stützstrukturen möglich geworden sind.»

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