Stadt Solothurn

Bauhistorische Entdeckung im «Bata-Haus»

Im Gebäude an der Ecke Haupt-/Schaalgasse, das vor kurzem noch ein Schuhhaus war, befand sich im 13. Jahrhundert ein «Fleischsaal». Mit dem derzeitigen Umbau im «Bata-Haus» wurden alte Baustrukturen des Schlachthauses ans Tageslicht geholt.

Es kommt in der Solothurner Altstadt bekanntlich eher oft als unverhofft vor, dass hinter dem Putz der Moderne noch unentdeckte Baugeschichte lauert: Dennoch war es ein unerwartet freudiger Fund, den Urs Bertschinger vor kurzem verzeichnen konnte. Der Bauforscher von der kantonalen Denkmalpflege machte im «Bata-Haus» an der Ecke Haupt-/Schaalgasse, das sich zurzeit im Umbau befindet, eine baugeschichtlich interessante Entdeckung, «obwohl es sich beim Gebäude selbst um einen eher unscheinbaren Nutzbau handelt».

Am 22. Juli eröffnet die Telekommunikations-Kette Mobilezone hier ihre neue Filiale. Bei den Bauarbeiten im Hinblick auf die Eröffnung sind bauhistorische Trouvaillen zum Vorschein gekommen: eine uralte russgeschwärzte Balkenlage an der Parterredecke aus den Anfangszeiten des Gebäudes sowie mehrere Laubenbögen, die manche Jahrzehnte zugemauert waren.

Eine «Schaal» für die Metzger

Die Liegenschaft, die bis vor kurzem die Schuhfach-Kette «Bata» beherbergte, war ursprünglich eine Fleischverkaufshalle. 1295 findet in Aufzeichnungen erstmals eine sogenannte «Fleischschaal» Erwähnung, eine Halle also, die den Metzgern von der Obrigkeit gegen Zins als Verkaufsstätte zur Verfügung gestellt worden war. Und die Fleischer waren in guter Gesellschaft: Zwischen dem Markt- und dem Börsenplatz befand sich im Mittelalter das kommerzielle Zentrum der Stadt – unter anderem mit dem Brotmarkt und der Markthalle. Ab dem 15. und 16. Jahrhundert fanden an dieser Achse dann auch zahlreiche Zünfte wie die der Schneider, Gerber, Schuhmacher, Pfister, Wirthen oder eben die Metzger Heimstatt. Vom Begriff «Schaal» – Verkaufshallen gab es auch für andere Berufsstände – leitet sich im Übrigen auch der Name der Gasse ab, an der das Haus steht.

Über 100 Jahre später dann, nämlich 1511, wurde an selbiger Stelle eine neue, verhältnismässig schmucklose Fleischverkaufshalle mit offenen Laubengängen gebaut. Es ist jene, die nun auch der kantonalen Denkmalpflege ins Auge gestochen ist. Von den Repräsentationsräumen im ersten Stock, die ebenfalls zu diesem Zunfthaus zu Metzgern gehörte, ist hingegen leider nichts mehr erhalten. Wie die meisten der Altstadtgebäude wuchs übrigens auch diese Liegenschaft im Laufe der Zeit auf zwei weitere Stockwerke plus einen ausgebauten Dachstock an. Später dann verlagerten die Metzger ihr berufliches Zentrum an den Klosterplatz. Wieder etwas später kam das Schlachthaus an den Ritterquai, wo es rund 100 Jahre lang als solches verwendet wurde, bis es schliesslich 1987 seinen Betrieb einstellte. Heute befinden sich dort der Kulturraum «Uferbau» und das «Solheure».

Am Standort des Zunfthauses zu Metzgern hingegen wurde 1961 schliesslich die Ursituation mit den Laubenbögen und Balken zerstört  – nur nicht unwiderruflich. Die Bögen mauerte man im oberen, abgerundeten Bereich zu, und die Balkenstruktur verschwand hinter einer Decke. Wie Urs Bertschinger erklärt, fielen zu jener Zeit auch sonst zahlreiche Liegenschaften einer Purifizierung zum Opfer: Man «befreite» sie von baustilistisch unzeitgemässen Elementen.

Dass nun auch die Mehrkosten aufgebracht wurden, um die alten Strukturen wieder sichtbar zu machen, erklärt sich mitunter aus der Affinität der Hauseigentümerin für geschichtsträchtige Objekte. «Diese historisch wertvollen Fundstücke erzählen viel über dieses Haus und seine Geschichte», sagt Geschäftsfrau Daniela Jäggi. «Was schützenswert ist, gilt es zu schützen, so habe ich das auch in meinen anderen Häusern gehandhabt.» Mit neuen Materialien kriege man es niemals gleich schön hin. Zusammen mit dem Architekten und Daniela Jäggi arbeitete der kantonale Denkmalschutz einen Vorschlag aus, um die Deckenstruktur und die Laubenbögen zu retten. Schliesslich zeigte sich auch die neue Mieterin Mobilezone mit der Gestaltungslösung einverstanden.

Ein wenig mehr Laubenfeeling

Die wiederentdeckten Deckenbalken wurden vom Russ gereinigt, und dort, wo die Holzstruktur wegen Treppendurchbrüchen nicht mehr komplett war, mussten neue, passende Balkenteile beschafft und verschraubt werden. Markant fürs dort beherbergte Metzgermétier sind die Holzeinkerbungen, die an den Balken angebracht sind. An ihnen wurden damals die Seile «eingerastet», an denen dann wiederum das Fleisch zur Bearbeitung hing. Die Laubenbögen auf der Seite der Schaalgasse sind zwar nicht  – wie zu Zeiten vor 1961 – von aussen sichtbar, etwa so wie jene des «Zunfthauses zu Wirthen». Dafür vermitteln sie von innen den Eindruck eines Solothurns, in dem man noch genussvoll unter den Lauben wandelte ...

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