Stadtbummel
Aus den Augen eines 2-Jährigen

Fabio Vonarburg
Fabio Vonarburg
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Der beste Ort, um Blaulichtfahrzeuge in der Stadt zu beobachten, ist logischerweise das Bürgerspital. (Symbolbild)

Der beste Ort, um Blaulichtfahrzeuge in der Stadt zu beobachten, ist logischerweise das Bürgerspital. (Symbolbild)

Fotomtina

Heute will ich Sie, liebe Leserin, lieber Leser, für einmal nicht auf einen meiner Stadtbummel mitnehmen. Ich will die Stadt für einmal selber aus anderen Augen sehen. Und zwar aus jenen meines zweijährigen Sohnes. Ärgerlich, dass er noch nicht schreiben kann. Reden auch erst bruchstückhaft. «Tüda», sagt er und zeigt aus dem Fenster.

«Tüda», damit meint er jegliche Blaulichtfahrzeuge. Der beste Ort, um diese in der Stadt zu beobachten, ist logischerweise das Bürgerspital. Glück für meinen Sohn kommen wir dort auf dem Weg in die Kita immer vorbei. Pech für mich, wenn ich keine Zeit habe, oder schlicht keine Lust, um eine halbe Stunde vor der Garage zu warten, bis wieder eine Ambulanz zu- oder wegfährt.

Wir standen auch schon so lange da, dass uns die Rettungssanitäter bereits erkannten. Fussballer machen mit ihren Fans eine La-Ola-Welle – und Rettungssanitäter? Die lassen für drei Sekunden das Blaulicht an.

Nun, nur mit dem Wort «Tüda» füllen wir keinen ganzen Stadtbummel, wende ich mich nun an meinen Sohn. Dieser zeigt sich angesichts eines anstehenden Aufbruchs in die Stadt gesprächiger: «Iichoufe go. Aldi.» Ach ja, die kleinen Einkaufswagen, mit denen er durch den Laden saust. Ab und zu lädt er etwas ein, schaut dann doch unsicher, ob er das darf, fragt «iilade?».

Beliebt sind bei ihm auch die Spielecken im Manor und in der Migros, aber auch jene im Lokal «Flamme.So». Ein echter Geheimtipp für jene, die mit dem Kind in der Stadt sind. Wobei das mit den Restaurants im Moment gerade schwierig ist.

Darum mein Sohn, was sonst noch? Die Leserinnen und Leser brennen auf deine Sicht der Dinge: «Rutschbahn», locke ich aus ihm raus. Im Gegenteil zu seinem Vater ist er durchaus zufrieden mit dem Spielplatz auf der Chantierwiese. Allerdings ist die ganze Stadt für ihn ein Spielplatz, wie die Rampe, die in die St. Ursen-Kathedrale führt. Oder sämtliche Brunnen in der Stadt.

Zum Glück gibt es von denen nur elf. Auch beliebt, das Boot vor dem griechischen Restaurant Akropolis Greek. So, der Stadtbummel ist fertig, ein Kaffee ist verdient. Was mich an den ersten Vier-Wort-Satz meines Sohnemannes erinnert: «Papa, sälber Kaffi mache.»