Solothurn

Auf Besuch bei den Protagonisten der «Wiehnachtsreis»: «Es ist mehr als nur eine Geschichte»

Jeremy und Danuxy Joseph mit Nathanael Isaiah sind bereit für ihren Auftritt am Sonntag.

Jeremy und Danuxy Joseph mit Nathanael Isaiah sind bereit für ihren Auftritt am Sonntag.

Am Sonntag wird die Solothurner Altstadt wieder zur Kulisse der «Wiehnachtsreis». Nathanael Isaiah wird das diesjährige Jesuskind. Die Familie Joseph aus Zuchwil freut sich auf den Auftritt.

Sie gehört seit bald 15 Jahren zu den Höhepunkten im Solothurner Veranstaltungskalender. Die «Wiehnachtsreis» der WeGeSo, der Weggemeinschaft der Landes- und Freikirchen, welche die Altstadt alle Jahre wieder zur Kulisse der biblischen Weihnachtsgeschichte macht. Auch diesen Sonntag: Ab 14 Uhr wird die Entourage rund um die heilige Familie – mit dem Einzug beim Bieltor beginnend – wieder die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich ziehen. Rund 100 Personen beteiligen sich in kleineren und grösseren Rollen. Dazu zählen Hirten, Reisende, Bedienstete des König Herodes, römische Soldaten, sowie die drei Weisen und ihr Gefolge.

Grösstes Augenmerk gilt aber den drei zentralen Figuren in der Krippenkulisse: dem Jesuskind, sowie Maria und Josef. Manches Jahr war die Besetzung der Protagonisten eine besondere Herausforderung. Oft fand sich erst in der sprichwörtlichen letzten Minute eine Familie mit einem Neugeborenen. «Natürlich nicht direkt aus dem Kreisssaal und auch nicht kurz vor dem Loskrabbeln», umreisst Richard Hürzeler, Verwalter der reformierten Kirchgemeinde, die Bedingungen. Im Idealfall ist das Baby zwischen zwei und sechs Wochen alt und wird von Maria und Josef – also seinen Eltern – begleitet.

Heuer allerdings hatte man mit keinerlei «Rekrutierungsproblemen» zu kämpfen. Man könnte gar auf zwei potenziellen Ersatzfamilien aus dem Bernischen zurückgreifen. Verläuft aber alles nach Plan, so wird am Sonntag der dannzumal 33 Tage alte Nathanael Isaiah Joseph mit seinen Eltern Jeremy und Danuxy Joseph die windgeschützte Krippe auf dem Märetplatz bewohnen.

Hier Impressionen vom letzten Jahr:

Wienachtsreis 2018 in Solothurn

Wienachtsreis 2018 in Solothurn

Am 16. Dezember 2018 ziehen Römer, die drei Könige, Schafhirten, Kamele und Esel durch die Gassen der Solothurner Altstadt. Auf der St.-Ursen-Treppe herrscht Herodes. Und auf dem Märetplatz können Maria, Josef und das Jesuskind beobachtet werden.

Über Youtube erste Eindrücke geholt

Hausbesuch in Zuchwil bei den Josephs: Nathanael schlummert friedlich – just bis der Fotograf eintrifft. Bereits jetzt scheint der kleine Hauptdarsteller bestens auf den Rummel am Sonntag vorbereitet zu sein. Für seine Eltern, die erst vor einem Jahr in die Region gezogen sind, ist es die erste «Wiehnachtsreis», die sie überhaupt erleben. Aber: «Wir haben uns via Youtube einen ersten Eindruck verschafft.» Freunde wollten es dem seit zwei Jahren verheirateten Paar schmackhaft machen, mit Nathanael teilzunehmen. «Wir mussten es uns gerade auch wegen der Wetterbedingungen gut überlegen», sagt Jeremy Joseph. Doch die Krippe ist witterungsgeschützt – und als dann gar ein Anruf der Veranstalter mit der Anfrage kam, sagten die Josephs zu.

Letztlich war es auch der persönliche Bezug zum Glauben, der das junge Paar zu Teilnahme bewog. Beide Herkunftsfamilien stammen aus Sri Lanka, wo die christliche Minderheit gerade in den letzten Jahren vermehrt das Ziel von Gewalttaten wurde. Hier in der Schweiz zählen sich sowohl Jeremy als auch Danuxy Joseph zu «The Christian Fellowship» (TCF), einer in Zürich angesiedelten freien evangelischen Gemeinde für Tamilen, deren Hauptpastor der Vater von Jeremy Joseph ist. Er selbst ist ebenfalls Pastor und plant, in Solothurn einen Ableger von TCF zu gründen.

Über die wahre Bedeutung von Weihnachten

Nicht von ungefähr kommt also die Motivation, bei der «Wiehnachtsreis» mitzuwirken. «Wir sind überhaupt erst in die Region gezogen, weil Gott uns hergerufen hat», sagt Jeremy Joseph. Und die «Wiehnachtsreis» sei mehr als nur eine erzählte Geschichte, mehr als nur ein Happening. «Gott gibt seinen Sohn als Geschenk», fasst Jeremy Joseph zusammen. Seine Frau ergänzt: «Es ist schön, wenn wir als Familie auf die Bedeutung von Weihnachten hinweisen können.» Und: Auf die biblische Geschichte dahinter, die alles andere als ein Märchen sei.

Gewissermassen offenbarte sich das Wunder von Weihnachten bereits bei Nathanael selbst. Nach einer schweren Geburt und vielen bangen Momenten war das kleine Wunder da: kerngesund und aufgeweckt.

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