Solothurn

Architekturbüro feiert grosses Jubiläum – Bruno Walter und seine Frau geben Geschäftsleitung ab

Die bisherige und baldige Geschäftsleitung des Architekturbüros vor der Hafebar (v. l.): Catherine und Bruno Walter, Carmen Podberscek, Adrian Kaiser sowie Alain Walter.

Die bisherige und baldige Geschäftsleitung des Architekturbüros vor der Hafebar (v. l.): Catherine und Bruno Walter, Carmen Podberscek, Adrian Kaiser sowie Alain Walter.

Bruno Walter und seine Frau Catherine ziehen sich nach 40 Jahren aus der Geschäftsleitung des Architekturbüros zurück. «Wir hatten immer ausreichend Arbeit», resümiert er diese Zeit. Und hat einige interessante Geschichten zu Umbauten in alten Häusern zu erzählen.

Alles begann mit einer grossen Portion Mut, ja Unverfrorenheit. «1978 hatte die Raiffeisenbank das Haus oben am Kronenstutz gekauft und drei Architekten zum Umbau eingeladen. Ich meldete mich als Student zusätzlich – und bekam den Auftrag.» Damit begründete der Architekturstudent Bruno Walter sein Büro, das nun am 22. August auf den Tag genau sein 40-Jahr-Jubiläum feiern kann: in der Hafebar, einem weiteren wichtigen Punkt in Walters Leben.

Doch damit wird auch die Firma Bruno Walter Architekten und Planer AG – seit zehn Jahren eine AG – umgebaut: Der 65-jährige Gründer tritt mit seiner Frau Catherine aus der Geschäftsleitung zurück, die neue setzt sich zusammen aus dem bisherigen, langjährigen Mitglied, dem Architekten Adrian Kaiser, Walters Sohn Alain sowie Carmen Podberscek. «Mit Alain zusammen habe ich vor zwei Jahren den Master in Architektur gemacht», erzählt sie. Zu Walters gestossen war die Architektin 2011 mit einem Projekt, das sie als Bachelor-Arbeit begleitet hatte: den Wiederaufbau und die Sanierung der Häuserzeile Hauptgasse 54–56, die damals im März dem verheerenden Altstadtbrand zum Opfer gefallen war.

Eine lange Liste

«Wir hatten 40 Jahre lang immer ausreichend Arbeit», erinnert sich der baldige Seniorchef gerne an eine Architekten-Karriere wie kaum eine andere in Solothurn. Denn mit dem Umbau des ersten Altstadthauses hatte er seinen Ruf als Spezialist für solche heiklen Fälle begründet. «Die ersten drei Aufträge danach waren zwar Einfamilienhäuser», erinnert sich Bruno Walter.

Doch dann ging es Schlag auf Schlag. Vor allem auch stadtbekannte Restaurants zählten zu seinen Referenz-Objekten: «Zunfthaus zu Wirthen», «Alter Stephan», «Tiger», die «Suteria» beim ersten Umbau, das «Bindella», entstanden aus dem ehemaligen Restaurant Schlachthaus, oder besonders anspruchsvoll das «Misteli-Gasche» auf dem Friedhofplatz, das nachher zum «Gut Gelaunt» und «Ana Capri» mutierte. Die «Metzgerhalle» baute Walter in ein Geschäftshaus um, das Buchhaus Lüthy und der St. Annahof an der Barfüssergasse wurden mehrfach von ihm neu «erfunden».

Die Liste hört nicht auf: «Kaffeehalle», der «Adler» mit der Gassenküche, das Hotel Roter Ochsen in der Vorstadt oder die Brasserie Federale am Märetplatz. «Insgesamt baute ich rund 80 Altstadthäuser um.»

Pionier an der Aare

Doch nicht nur die Altstadt bewegte das mittlerweile siebenköpfige Walter-Team, das seit 1984 im Unteren Winkel domiliziert ist. Eine Giesserei für die Glutz AG gehörte ebenso zum Auftragsvolumen wie gegen 30 Einfamilienhäuser oder jetzt aktuell ein Achtfamilienhaus in Lommiswil oder 19 Eigentums- und Mietwohnungen in Oberdorf. Seit 2012 ist das Büro auch für den HESO-Baudienst verantwortlich, was vor allem Alain Walter als Mitglied der Messe-Geschäftsleitung betrifft.

Doch ganz besonders freut Bruno Walter immer noch das Gelingen der Hafebar, die er 2001/2002 mit gleichgesinnten Gewerbetreibenden und dem Restaurant Vini al Grappolo als Betreiber initiiert hatte. «Eine super Geschichte, und es ist toll, dass das Ganze immer noch so fägt!» Und deshalb ist es kein Zufall, dass er nun in ebendieser Hafebar das 40-Jahr-Firmenjubiläum mit seinen Gästen feiern will.

Herausforderung Altstadt

Für die Architekten-Gemeinschaft in der Vorstadt ist das Wirken in der Bausubstanz der Altstadt herausfordernd, aber auch sehr spannend. Adrian Kaiser: «Natürlich sind dort die Rahmenbedingungen im geschützten Ortsbild restriktiver als anderswo.» Man stosse immer wieder auf etwas Neues «und erhält ständig neue Einblicke», doppelt Carmen Podberscek nach.

Für Catherine Walter, die seit 1981 das Büro geführt hat, besteht die Herausforderung darin, dass die Bauherrschaft stets das Bedürfnis nach mehr Wohnraum gehabt habe. «Und es galt dann das Optimum herauszuholen.» Einig sind sich alle: «Der wirtschaftliche Druck auf die Altstadtliegenschaften steigt ständig.»

Doch die Auflagen von Denkmalschutz und Altstadtkommission sind streng, und können nur gemeinsam erfüllt werden. Oder wie es Adrian Kaiser formuliert: «Oft merkt man erst im Baubewilligungsverfahren, was überhaupt möglich ist.» Und zum Thema «spannend» weiss Bruno Walter eine Anekdote vom Umbau des «Misteli-Gasche» zu erzählen: «Da rupfst du etwas weg, und plötzlich kommt eine alte, bemalte Säule zum Vorschein.» Auch Skelette fanden sich schon 30 Zentimeter unter einem alten Küchenboden – und so gehört auch die Zusammenarbeit mit den Archäologen durchaus zum Tagesgeschäft eines Altstadt-Architekten.

Natürlich kann es auch Erlebnisse der eher frustrierenden Art geben. «Da kämpfst Du, um etwas durchzubringen, und dann will es die Bauherrschaft nicht mehr» – erinnert sich Bruno Walter. Doch das Positive überwiegt bei weitem: «Wir haben 40 Jahre die Kosten immer im Griff gehabt und uns mit Herzblut für unsere Auftraggeber engagiert.» Das will Walter auch noch ein, zwei Jahre weiterhin und die angefangenen Baustellen selbst vollenden. Ganz zur Ruhe kommen wird er aber nicht – denn der ehemalige CVP-Politiker, Aktiv-Fasnächtler und Liedermacher scheut auch andere Bauplätze als die angestammten nicht.

Autor

Wolfgang Wagmann

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wolfgangwagmann

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