Solothurn
Apéro-Päckli für Zuhause: Die Leiterin des Filmtage-Cafés bewirtet in diesem Jahr auf Distanz

Heidi Gruber bedient dieses Jahr die Gäste der Filmtage aus der Ferne. Für die geladenen Gäste, die ursprünglich an die Eröffnung in die Reithalle gekommen wären, hat sie ein Apéro-Päckli zusammengestellt und nach Hause schicken lassen.

Judith Frei
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Heidi Gruber in der leeren Säulenhalle, wo letztes Jahr noch Kaffeeduft in der Luft lag und über Filme diskutiert wurde.

Heidi Gruber in der leeren Säulenhalle, wo letztes Jahr noch Kaffeeduft in der Luft lag und über Filme diskutiert wurde.

Tom Ulrich

Die Schritte hallen durch den leeren grossen Raum. Heidi Gruber steht in der Säulenhalle des Landhauses. «Es kommt mir jetzt schon ‹gschpässig› vor», sagt sie. In einem normalen Jahr würden hier jetzt Filmbegeisterte, Stars und Filmschaffende zwischen den Vorführungen Kaffee trinken und Kuchen essen.

Gruber leitet das Filmtage-­Café in der Säulenhalle seit ungefähr 15 Jahren, als Besucherin sei sie schon seit den Anfängen dabei gewesen. Da die Filmtage dieses Jahr zum ersten Mal im digitalen Raum stattfinden, braucht es auch kein physisches Café für die Gäste. «Das ist schade, ich mach das immer sehr gerne», sagt Gruber mit ein wenig Wehmut in der Stimme. «Die Filmtage sind ein Fixpunkt für mich.» Früher habe sie gleichzeitig noch beim Theater gearbeitet, doch für die Film­tage hat sie sich die Woche immer reserviert.

«Dass ich dieses Jahr nicht mit meinem Team zusammenarbeiten kann, reut mich auch», sagt Gruber. Im Filmtage-Café arbeiten neben ihr noch 14 Frauen, viele von ihnen machen das schon seit langem, und so ist man ein eingeschworenes Team. «Es ist immer wie eine Klassenzusammenkunft, wenn man sich dann im Januar wiedersieht», sagt sie.

Logistische und kreative Herausforderungen

Obwohl die Säulenhalle leer bleibt, war Gruber auch dieses Jahr an den Filmtagen eingespannt. Statt Arbeitspläne zu erarbeiten und Bestellungen aufzugeben, hatte sie eine andere Aufgabe im Vorfeld des Festivals. Sie durfte die Gäste aus der Ferne versorgen: Sie hat für die geladenen Gäste, die ursprünglich an die Eröffnung in die Reithalle gekommen wären, ein Apéro-Päckli zusammengestellt und nach Hause schicken lassen, damit sie dieses an der Eröffnung vor dem Fernseher geniessen können.

«Ich musste mir also überlegen, wie man das Öufi-Bier so verpackt, dass es heil ankommt», erklärt sie lachend. Die kreative Arbeit lag der ehemaligen Theater-Requisiteurin.

Insgesamt 230 Päckli hat sie zusammengestellt. Das sei eine logistische Herausforderung gewesen: Wie stellt man solche Pakete effizient zusammen? Wann müssen sie auf der Post sein? Und da nicht alle Pakete identisch sind, musste man schauen, dass sie nicht vertauscht werden. Zuerst brauchte sie dafür aber genügend Platz.

Die «Produktionslinie» konnte sie dann in der Öufi Brauerei einrichten. «Das war sehr hilfreich, da wir grosse Tische und viel Platz brauchten», sagt Gruber. Mit Conny Bösiger, die sonst im Kino Palace arbeiten würde, hat sie letzte Woche innert dreier Tage die Pakete produziert und versendet. «Jetzt hoffe ich, dass die Gäste die Pakete auch wirklich zur Eröffnung bekommen haben und dass der Inhalt auch heil angekommen ist», sagt sie.

«Jetzt kann ich mir alle Filme anschauen»

Für diese Aufgabe hatte sie keine lange Vorbereitungszeit. «Wir haben noch lange gehofft, dass die Filmtage trotz allem in physischer Form durchgeführt werden können», sagt Gruber. Mit der Leitung hat sie auch Konzepte überlegt, wie ein Schutzkonzept für das Café aussehen könnte. Dass sie unter den gegebenen Umständen trotzdem eine Aufgabe an den Filmtagen bekommen hat, freut sie sehr.

«Es ist schön, dass mir das Vertrauen entgegengebracht wurde und ich mit dieser Arbeit betraut wurde. Mir macht es immer viel Spass, mit diesem Team zu arbeiten», sagt Gruber. Momentan springt sie immer dann ein, wenn Not an der Frau sei.

Der jetzigen Situation kann sie trotzdem noch etwas Positives abgewinnen. «Ich nehme mir jedes Jahr vor, mehr Filme anzuschauen, aber zum Schluss schaffe ich meistens nur zwei.» Obwohl im Café Monitoren aufgestellt sind, die anzeigen, wann die Aufführungen beginnen, sei sie oft so beschäftigt, dass sie den Anfang verpasse oder der Saal schon voll sei. «Jetzt kann ich mir alle Filme anschauen», sagt sie. Trotzdem: Sie freut sich jetzt schon wieder auf nächstes Jahr, wenn sie wieder «beizerlen» kann, wie sie es sagt.