Solothurner Vorstadt
Am helllichten Tag forderte er drohend «Money»

Auf der Suche nach schnellem Geld drang ein Unbekannter in eine Vorstadt-Wohnung ein und forderte lauthals Geld. Dabei verängstigte er zwei anwesende Kinder.

Andreas Kaufmann und Wolfgang Wagmann
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Thanyaporn und René Mühlheim vor der Eingangstüre, wo der Eindringling nach Geld verlangte.

Thanyaporn und René Mühlheim vor der Eingangstüre, wo der Eindringling nach Geld verlangte.

Andreas Kaufmann

Bisher war René Mühlheim eigentlich der Meinung, sich um die Sicherheit seiner Familie keine Sorgen machen zu müssen. Doch seit letzter Woche ist der Unternehmer aus der Vorstadt aufgewühlt – und wütend: Vergangenen Donnerstag Nachmittag musste Ehefrau Thanyaporn Mühlheim die beiden Kinder wegen einer kurzen Erledigung zuhause allein lassen. Und auch ihr Ehemann, der im Parterre ein Reisebüro und ein Immobilienbüro betreibt, war für einige Stunden ausser Haus.

Wie das sechsjährige Mädchen und der neunjährige Junge später der Kantonspolizei erzählen, betrat derweil ein unbekannter Mann die unverschlossene Wohnung, rief nach «Money», sah die Kinder und verschwand wieder. Der Bub, der einige Grundzüge englisch versteht, hörte noch die Worte «I come back», bevor die Türe wieder ins Schloss fiel. Entsprechend versteckten sich die Kinder bis zur Rückkehr ihrer Mutter. «Ich brauchte einen Moment, bis ich begriff, was meine Frau mir geschildert hatte», erinnert sich Mühlheim. Zum guten Glück scheinen die Kinder selbst aber mit dem Vorfall gut abgeschlossen haben: «Doch sie hatten wohl Angst, der Mann käme wie angedroht wieder zurück.»

Der Kapo beschrieben die beiden den Eindringling als dunkelhäutigen, rund 35-jährigen Mann. Später kam zudem die Aussage hinzu, dass er einen Unterlippenbart getragen haben soll. Weitere Augenzeugen wollen ausserdem vor der Liegenschaft an der Niklaus-Konrad-Strasse einen zweiten Mann gesehen haben, der dort Schmiere stand.

Neue Dimension an Kriminalität?

Nach Einschätzung von René Mühlheim ist es bei diesen Indizien naheliegend, dass der Eindringling eventuell aus dem Umfeld von Asylbewerbern stammt. Die Chancen, dass eines der Kinder bei einer Gegenüberstellung den Mann unter möglichen Asylbewerbern herauserkennen könnte, stuft er selbst als hoch ein. Von der Polizei jedoch fühlt sich Mühlheim kaum ernst genommen: «Sie haben zwar rasch reagiert und sind sofort vorbeigekommen, nachdem meine Frau angerufen hatte.»

Gewünscht hätte sich Mühlheim aber mehr Ermittlungsarbeit: «Aber sie haben ja nicht einmal Fingerabdrücke genommen.» Und mit jedem Tag, der verstreiche, schwinde auch die Erinnerung der Kinder an das Gesicht des Mannes. Mit diesem Vorfall scheint das Kriminalitätsproblem im Umfeld des Hauptbahnhofs auch für den Familienvater eine neue Dimension erreicht zu haben, könnte doch das Gefühl der Unsicherheit über die Schwelle der eigenen Wohnung schwappen.

Frau belästigt

Und wie Mühlheim in seiner Umgebung beobachtet, gäbe es sonst genügend Gründe, sich unsicher zu fühlen, «nur, dass es mich bisher noch nicht getroffen hat.» So zählt er Einbruchsversuche und Einbrüche in Geschäfte und Wohnungen auf, eingeschlagene Schaufensterscheiben, herumliegende Spritzen und auch den vom Hauptbahnhof ausgehenden Drogenhandel. Auch sei schon seine Frau auf dem Weg zum Einkaufen belästigt worden. Wie von ihm selbst beobachtet, sei auch das Urinieren an Bäume oder Gebäude keine Seltenheit.

Oft sind es Delikte, deren Bearbeitung einen unverhältnismässigen Aufwand auslösen würde. Dennoch: Steter Tropfen höhlt den Stein, wie Mühlheim erklärt: «Es wäre wichtig, wenn die polizeilichen Ermittler fallübergreifende Zusammenhänge suchen würden.» So könne ein Fingerabdruck am Tatort A Rückschlüsse auf den Täter am Tatort B zulassen.

Rudimentärer Täterbeschrieb

Thalia Schweizer-Lehmann, Mediensprecherin der Kantonspolizei, bestätigt, dass auf Antrag von Mühlheim Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch erlassen worden sei. «Es handelt sich dabei um eine Anzeige gegen unbekannt», verweist die Mediensprecherin auf den Umstand, dass es sich beim Hausfriedensbruch um kein Offizialdelikt handle. Weiter hält sie zum Fall fest, dass die Polizeipatrouille auch im Coiffeursalon im Parterre eine Befragung durchgeführt hat.

Gleichzeitig verweist sie auf das sehr rudimentäre Signalement nur – laut Aussagen der beiden Kinder soll es sich um «einen dunkelhäutigen Mann mit schwarzer Kapuzenjacke» gehandelt haben. Ausserdem lasse sich nicht mit Sicherheit sagen, dass der Eindringling aus einem Asylzentrum stamme, so Schweizer.