Solothurn

Als man im Landhaus noch für acht Franken übernachten konnte

Ueli Buchmüller kennt als Hauswart das Landhaus aus dem Effeff – was an den Filmtagen sehr nützlich ist.

Ueli Buchmüller kennt als Hauswart das Landhaus aus dem Effeff – was an den Filmtagen sehr nützlich ist.

Ueli Buchmüller, Hauswart des Landhauses, ist für die Filmtage-Zentrale seit Jahrzehnten ein sicherer Wert. Er besitzt ein immenses Wissen über das Landhaus und seine Anlässe.

Das Handy klingelt. Ueli Buchmüller ist wieder einmal gefragt. Die Neuenburger Polizei will am 6. März ihre Diplome im Landhaus verteilen. Die Dame in der Romandie ist beim richtigen Mann gelandet. «Brauchen Sie Blumen?» Oder: «Bei Ihnen stand der Beamer jeweils auf der Aareseite.» Wahrscheinlich könnte der gute Geist des Landhauses jede Versammlung, Feier oder sonstige Veranstaltung in Saal, Foyer und Säulenhalle selbst organisieren – das Wissen um das Landhaus und seine Anlässe hat er seit Jahrzehnten gespeichert. Und auch den wohl wichtigsten Grossanlass, die Solothurner Filmtage, quasi verinnerlicht. Davon weiss er viel zu erzählen.

Schlaumeier im Massenlager

Was heute schon fast vergessen ist: Das Landhaus war jahrzehntelang die mit Abstand billigste Filmtage-Unterkunft in Solothurn. «Im Turnsaal über dem grossen Saal standen 60 Doppelbetten des Zivilschutzes und dort konnten 120 Filmtagegäste im Massenlager nächtigen. Erst kostet die Nacht 8, dann 10 und zuletzt 12 Franken.» Komfort war kleingeschrieben. «Es gab eine Wolldecke und ein Kopfkissen. Dazu kaltes Wasser und insgesamt vier Duschen für alle.»

Am Morgen sei er ab 8 Uhr jeweils mit dem Kässeli durch den Turnsaal und habe die Gebühr einkassiert. «Die Cleveren steckten das Geld am Vorabend in ein Plastikmäppli, das am Bett befestigt war. Sie konnten dafür länger schlafen.» Es habe aber auch Schlaumeier gegeben, die im Schlafsack auf dem Boden nächtigten und meinten, so die Gebühr sparen zu können. Das Angebot scheint jedenfalls begehrt gewesen zu sein – «am Wochenende war der Turnsaal immer voll». Dann setzte mit dem Umbau 2006 die Gebäudeversicherung dem Ganzen ein Ende – aus Sicherheitsgründen.

Neu eine Tribüne

Eine besondere Herausforderung war dieses Jahr das erstmalige Einrichten einer Tribüne mit 550 Plätzen im Landhaussaal. «Aber damit hatte ich nichts zu tun, dafür waren Gerüstbauer zuständig.» Immerhin. Für den Aufbau sowie das ganze Einrichten des Landhauses stehen den Filmtagen nur sechs Tage zur Verfügung. Der Abbau hat in der halben Zeit zu erfolgen. «Am Freitag beginnt das grosse Aufräumen. Am Montag sollte das Landhaus wieder im Urzustand sein. Das muss einfach reichen», weiss Buchmüller aus Erfahrung.

Die Leiden des Nichtrauchers

An die Anfänge der Filmtage im Landhaus erinnert sich der Hauswart mit gemischten Gefühlen. «Damals fanden in der Säulenhalle, die noch keine Lüftung besass, Filmtagediskussionen statt.» Für den überzeugten Nichtraucher Buchmüller eine harte Probe. «Oft sah man vorne am Mikrofon den Referenten im Nebel gar nicht mehr. Alle rauchten.» Auch das Schulhaus am Land wurde noch vor dem Umbau zur «Jugi» in die Filmtage einbezogen. «Da wurde alles immer mit schwarzen Plastikblachen vermacht. Die stanken dann fürchterlich wegen der Raucherei.»

Der Wandel der Zeit

Zeitweise hatten die Filmtage ihr Material auf einem extra eingebauten Zwischenboden im Westtrakt des Landhauses eingebaut. Im Gemeinderatssaal stapelten sich während der Filmtage die Filmrollen, die von hier aus an die Spielorte verteilt wurden. Tempi Passati. Filmrollen brauchts im digitalen Zeitalter kaum mehr «und das Filmtagematerial ist inzwischen extern ausgelagert.» Auch die ehemaligen Pressefächer aus Holz gibts nicht mehr – sie wurden übrigens im Sommer jeweils nach Locarno ausgeliehen.

Wo heute ein Hightech-Projektionsraum das digitale Abspielen der Filme ermöglicht, herrschte früher pure Improvisation. Gezeigt wurden die Filme anfänglich von einem Gerüst aus, «Beamer hängten wir an der Decke auf.» 1987 sei dann erstmals die legendäre Polyesterkabine montiert worden, «die Kabine im Raum, das waren für mich Filmtage», schwärmt Ueli Buchmüller beinahe. Aber auch das Polyester-Zeitalter endete 2006 mit dem Landhaus-Umbau.

Wie eine grosse Familie

Das Café, das bald wieder zur Säulenhalle wird und jetzt von den Filmtagen selbst geführt wird, ist recht gut besetzt. Die Gäste studieren das Filmtageprogramm. Plaudereien gibts nur à discrétion. «Das Ganze ist sehr familiär. Es kommen immer die Gleichen, manche sieht man nur einmal im Jahr.» S

o ganz absolut stimmt das jedoch nicht – Ueli Buchmüller sieht nach 35 Jahren Filmtagen einen neuen Trend: «Jetzt sind schon die Söhne der Väter dabei.» Die Landhaus-Filmtage dauern. Von 6 bis 24 Uhr. «Um 9 Uhr muss alles sauber sein, um 9.30 Uhr fangen die Filme an.» Selbstverständlich hat der Hauswart nicht eine derartig lange Präsenzzeit: «Ich kann mich auf mein Team verlassen», rühmt Buchmüller das Reinigungspersonal und die Ablösungen für ihn selbst. «Wir hatten nie Reibereien», blickt er auf eine für ihn zwar intensive, aber schöne Filmtagezeit zurück.

Die so ganz ruhig und ereignislos nicht immer verlief. «Vor 14 Jahren gabs abends einen 45-minütigen Stromausfall – nicht nur im Landhaus, sondern auch drüben im ‹Kreuz›. Im Schulhaus Kollegium war ein Trafo hochgegangen.» Ueli Buchmüller, mitten aus einem Essen mit seinem Göttibub gerissen, kümmerte sich um das Malheur – «dann ging ich wieder ins ‹Astoria› zurück.»

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