Solothurn

Als es noch die Kinos Rex, Scala und Elite gab – und Brigitte Bardots Busen zu einem Filmverbot führte

Mit den drei verschwundenen Kinos Rex, Scala und Elite ist eine faszinierende Filmzeit für Solothurn Geschichte geworden.

Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass eine Kleinstadt wie Solothurn sieben bespielte Kinoleinwände aufweist. Die Schliessung von drei traditionellen Lichtspieltheatern vor der Jahrtausendwende konnte damit wettgemacht werden. Bereits zu Zeiten des Stummfilms gab es drei Kinos: «Hirschen» (später «Elite»), «Emmenthal» (später «Capitol») und «Palace». Auch im Rosengarten war ein Projektionsapparat eingebaut und konnten Filme gezeigt werden.

Der grosse Kinoboom setzte in der Nachkriegszeit ein. 1947 erbaute die Familie Mauerhofer am Dornacherplatz das «Rex», später folgte das «Scala», und mit dem 1960 eröffneten «Canva» war die Kinolandschaft vollständig. Als erstes dieser traditionellen Kinos schloss 1985 das «Elite» seine Tore.

Sein Verlust tat allen Filmfreunden weh, weil dort der anspruchsvolle Film eine Heimat hatte. Sein Besitzer, Walter R. Weber, konnte sehr wohl Kunst und Kommerz auseinanderhalten und beide Genres pflegen. Anfangs Woche gab es Kunst, Ende Woche Kommerz. Auf dem Höhepunkt der Italo-Western-Welle genügte es, in grosser Schrift den Namen Giuliano Gemma auszuhängen, und schon war der Saal gefüllt. Da es noch kein Video gab, besuchten die italienischen Gastarbeiter die Kinos.

Weber stand immer im Foyer und unterhielt sich mit dem Publikum; seine Gattin besorgte die Kasse und dann gab es noch einen Operateur und ein oder zwei Platzanweiser. Letztere waren oft Kantonsschüler, so auch der heutige Gemeindepräsident von Biberist, Stefan Hug.

Auch Elisabeth Pfluger zensurierte mit

Damals gab es noch eine kantonale Filmzensur. Die Mitglieder dieser Behörde, darunter auch die Lehrerin und Volksschriftstellerin Elisabeth Pfluger, besuchten jeweils am Starttag, damals montags, die Vorstellung. Walter R. Weber programmierte den Film «...et Dieu créa la Femme» von Roger Vadim mit Brigitte Bardot und Curd Jürgens. In einer Szene war kurz der blanke Busen der BB zu sehen, was zur Folge hatte, dass der Film verboten und am Dienstag nicht mehr vorgeführt wurde. Abgesehen davon hatte auch der Inhalt nicht den damaligen Moralvorstellungen entsprochen.

Das Solothurner Kinopublikum wusste jedoch, dass der Film am Montag sicher und ungeschnitten gezeigt werden würde. Deshalb war bis in die Sechzigerjahre hinein der Montag ein starker Besuchertag. Manchmal wurden einfach auch Teile eines Filmes herausgeschnitten und am Sonntagabend vom Operateur wieder mit Klebestreifen eingesetzt.

Die anfangs der Sechzigerjahre gegründete Filmgilde fand in Weber einen guten Partner, denn er war durchaus kulturell interessiert und eine Zeit lang auch Mitglied der Theaterkommission. Fortan flimmerten anfangs der Woche Werke von Bergman, der Nouvelle Vague und auch rare osteuropäische Produktionen über die Leinwand. Als das «Elite» auch Spielstätte der Filmtage wurde, wuchs sein Bekanntheitsgrad schweizweit. Der Börsenplatz war jeweils voll von Wartenden für diese Vorstellungen. Auch der heute bekannte Schriftsteller Alex Capus musste in klirrender Kälte ausharren. Im Nu waren die Sitzplätze belegt. Wer keinen ergattern konnte, stellte sich seitwärts an die Wände.

Das «Scala» als Verhinderungsbau

Jedes grössere Dorf verfügte in den Fünfzigerjahren über ein Kino. Als es in Bellach Bestrebungen für ein Kino gab, wollten die Solothurner Kinobesitzer Weber und Mauerhofer dies verhindern und erbauten gemeinsam flugs das «Scala» an der Ausfallstrasse nach Bellach. Mit der neu errichteten Busstation Pflug (heute: Zentralbibliothek) konnte das Kino auch mit dem öffentlichen Verkehr erreicht werden. Das Konkurrenzdenken unter den Kinobesitzern war gross, weshalb kassenträchtigere Filme in den Stammhäusern der Kinobesitzer blieben und das «Scala» Reprisen oder kommerziell weniger interessante Filme bekam.

Später fand die Sexfilmwelle dort eine Heimat – «Unterm Dirndl wird gejodelt» oder so ähnlich lauteten die Titel. Diese Situation ermöglichte indessen, dass die Filmgilde dieses Kino für die ersten Solothurner Filmtage bekam. Der Vereinsvorstand verpackte im Büro des Präsidenten, Paul Schmid, die Einladungen. Nicht nur Zarah Leander gab auf ihrer Abschiedstournee im «Scala» ein Gastspiel, dank der Filmtage beehrten unter vielen auch Rainer Werner Fassbinder, Maria Schrader, Voli Geiler und Mathias Gnädinger dieses Kino.

Das «Rex» im Sog der «Titanic»

Nach der Schliessung des «Scala» vergingen zehn Jahre, bis auch das «Rex» verschwand. Der grosse, den Kinopalästen der grossen Städte nachempfundene Saal von Architekt Oskar Sattler war für das spärlicher werdende Publikum zu gross.

Einen letzten Höhenflug erlebte das Kino im Januar 1998 als James Camerons «Titanic» nochmals vor ausverkauftem Saal lief. Das «Rex» war von Anfang an als Kino für publikumswirksame Filme gedacht. Einige erinnern sich vielleicht noch an die legendären Doppelprogramme, als es zwei Filme für einen Eintritt gab. In der Regel waren dies relativ kurze Filme. Manchmal wurde auch nachgeholfen, so wurde denn beim Episodenfilm «Woman Times Seven» von Vittorio de Sica mit Shirley MacLaine und Anita Ekberg einfach eine Episode nicht gezeigt.

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