Solothurn

«Alles hat einen Anfang und ein Ende»: Säli Buchhandlung schliesst Ende Februar

Letztmals steht Sabine Schafroth mit ihrer Säli Buchhandlung im Weihnachtsgeschäft.

Letztmals steht Sabine Schafroth mit ihrer Säli Buchhandlung im Weihnachtsgeschäft.

Mit der Säli Buchhandlung verliert Solothurn ein weiteres altbekanntes Fachgeschäft in der Altstadt.

«Klingklang!» Eine Adventswelt tut sich auf unter der niedrigen Decke der ehemaligen Glaserei Gressly am Klosterplatz. Bücher, soweit das Auge reicht. Adventskalender und mittendrin ein prächtiger Nikolaus. Eine verschwindende Welt. «Alles hat wie A einen Anfang, und alles geht wie Z zu Ende», steht auf dem weissen Zettel am Schaufenster. «Ja, wir machen jetzt nochmals das normale Weihnachtsgeschäft», erklärt Sabine Schafroth, Inhaberin der Säli Buchhandlung. Im Januar wirds schon verkürzte Öffnungszeiten geben, am 22. Februar ist mit dem Abschiedsapéro dann Schluss. «Wenn sich jemand finden würde, der alles übernimmt, wäre das natürlich toll», klammert sich die 63-jährige Buchhändlerin an einen Strohhalm. Aber die Realitäten im Buchhandel sind anders.

Neue Adressen dank falsch adressierter Päckchen

Vielleicht hilft ihr der Zufall. Im Januar 1999 hatte Sabine Schafroth die Säli Buchhandlung, damals noch oben in der Weberngasse, von Lotte Schäfer übernommen. «Sie gründete ihr Geschäft in den frühen 80er-Jahren zu Hause im Keller am Sälirain, darum der Name Säli Buchhandlung.» Schafroth, die zuvor in der nicht mehr existierenden Altstadt-Buchhandlung gearbeitet hatte, fand 2006 ihr heutiges Geschäftsdomizil am Ritterquai per Zufall. Einer, der sich schon zuvor ereignet hatte. «1999 erhielten wir ein falsch adressiertes Päckchen, das eigentlich für die Säli Buchhandlung bestimmt war. Ich brachte es dorthin, kam mit Lotte Schäfer ins Gespräch und übernahm darauf ihr Geschäft.»

Duplizität der Ereignisse sieben Jahre später: Wieder landete bei Sabine Schafroth ein Paket, das für den damaligen Musikladen am Ritterquai bestimmt war. Sie brachte es hin und dachte: «Oh, wie schön, dieses Ladenlokal!»  – und zog schon bald mit ihrer Buchhandlung hinunter an das Aareufer. Und wer weiss – «vielleicht bekomme ich ja nochmals ein solches Päckchen.»

«Der Buchhandel ist nicht mehr das, was er einst war»

Die Realität ist bei Sabine Schafroth längst angekommen. «Das Einkaufsverhalten hat sich verändert. Der Buchhandel ist nicht mehr das, was er einst war, auch wenn er zuletzt wieder ein Plus verzeichnen konnte. Aber es wird wohl nicht besser», glaubt sie kaum an einen Langzeittrend. Am Anfang sei auch der Versuch dagewesen, mit dem Online-Trend Schritt zu halten. Zusammen mit dem Buchzentrum habe man nach Lösungen gesucht, Buchtitel abgescannt und sie ins System gestellt. «Aber das war sehr aufwendig und insgesamt einfach zu teuer.» Wobei sie das Lesen von E-Books schon toll finde.

Und die Konkurrenz auf dem Platz? «Das Bücherhaus Lüthy gab es schon immer, es hat aber ein anderes Publikum als wir. Damit lebt man.» Nein, Ihr Buchangebot sei nie spezialisiert gewesen, sondern breit ausgerichtet. «Unsere Kundschaft kommt eben am liebsten ins Geschäft.» Gut gelaufen seien Alternativ-Produkte wie Klangschalen oder Duftöle. «Deswegen sind die Leute schon jetzt traurig, denn die gibt es sonst nirgends in Solothurn.»

Vorverkaufstelle neu an der Gurzelngasse

Mit drei Frauen im Teilzeitpensum führt Sabine Schafroth auf 170 Quadratmetern Verkaufsfläche zusätzlich die Zentrale Vorverkaufsstelle für Anlässe aller Art, die sie vor fünf Jahren von Helene Eigenmann übernommen hat. Bald ist die Institution am Ritterquai Geschichte und wird an der Gurzelngasse 11 bei der QuickMedia GmbH weitergeführt. Immerhin, die Vorverkaufstelle habe auch Frequenz ins Haus gebracht. Davon ist an diesem Freitagvormittag wenig zu spüren. In 45 Minuten hat nur ein älterer Herr «quelques choses» zu «Père Noël et la musique» gesucht. Geschäftsalltag in Solothurn – auch im Advent.

Autor

Wolfgang Wagmann

Wolfgang Wagmann

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