Jürg Naegeli

Abschied nach 20 Jahren: «Die Jungen sollen jetzt übernehmen»

Als Speaker zeigte Jürg Naegeli auch ab und zu Emotionen.

Als Speaker zeigte Jürg Naegeli auch ab und zu Emotionen.

Der Speaker für den FC Solothurn, Jürg Naegeli verabschiedet sich nach 20 Jahren im Einsatz. Viele schöne Erinnerungen hat er an diese Zeit.

Das Vermächtnis von Jürg Naegeli nach 20 Jahren «Speakerei» an den Heimspielen des FC Solothurn, ist ein musikalisches. Am Samstag erstmals und in Zukunft immer soll «Let’s Work Together» von der US-amerikanischen Bluesrockband Canned Heat nach Spielschluss ertönen. Bevor Naegeli das Mikro in seiner engen Speaker-Kabine in der altehrwürdigen Stadiontribüne letztmals abstellte, dankte er für die «tolle Zeit und fürs Zuhören».

Wie kommt ein in der Musikszene speziell über «Krokus» Verwurzelter, seit 1981 mit einem eigenen Tonstudio selbstständig, zur «Speakerei» in einen Sportverein? Sein Sohn Andrea zog den Fussball dem Blockflöten- und Klavierspiel vor. «Er schaffte es unter Trainer Hans-Peter Latour ins Kader, kam aber ausser in Testspielen nie zum Einsatz», sagt Naegeli.

Übrigens, als Vierzigjähriger schnürte er 1990 als Anfänger für zwei Jahre doch noch die Fussballschuhe bei den Senioren. «Einmal fiel mir in einem Meisterschaftsspiel plötzlich ein Ball vor die Füsse, und da ich direkt auf der Linie stand, war das Tor und der entsprechende Jubel fast nicht zu vermeiden!

Dank einer vorhergehenden Wette wurde noch am selben Abend in der Stadionbeiz mein prächtiger Schnauz abrasiert. Eine grosse Gaudi für meine Teamkollegen und ein kleiner Schock in der Nacht für meine Frau!», erinnert sich Naegeli.

Karriere war nicht geplant

Ende 1996 startete er ungeplant in die Funktionärskarriere. Der damalige Präsident und heutige Ehrenpräsident André Miserez sprach ihn in der ehemaligen Steingruben-Post an: «Ich habe als Speaker zugesagt und für Beiträge im Club-Magazin ‹FCS-direkt›, aber als zwischen Weihnachten 1996 und Neujahr 1997 die Geschäftsleitung zurücktrat, fand ich mich unter Präsident Beat Schürch und Vizepräsident Heini Schwarz als Medienmann in der Geschäftsleitung, ohne Erfahrung, ich bin ja Musiker.»

Rasch zeigte sich, was das Ressort «Information und Medien» alles beinhaltete. «In der Nationalliga B war dies sehr anspruchsvoll, das Speakern machte nur zehn Prozent aus», blickt Naegeli zurück. Er errechnete, dass dieser Aufwand drei Monate im Jahr betrug. «Als Selbstständiger konnte ich dies nicht mehr gratis machen und habe mich ab 2001 auf das Speakern beschränkt», erwähnt er.

Geschäft kontra Fussball

2005 hat Naegeli wieder die volle Verantwortung übernommen. Seit drei Jahren erhält er nun eine monatliche Spesenentschädigung, da er auch die ganze Infrastruktur zur Verfügung stellt. «Es war die gleiche Situation wie beim ersten Mal, wurde aber noch intensiver nach dem Wegbrechen der damaligen Geschäftsleitung im Frühjahr 2013 unter Stefan Aegerter, denn mit Rony Vetter, Claudio Cappelli, Francisco Fernandez und mir waren wir nur noch zu viert.

Ich habe es aufgeschrieben, es waren 400 Arbeitsstunden oder vier volle Monate ehrenamtlich», stellt Naegeli fest. Und ergänzt: «Es wird prekär, wann man ein eigenes Geschäft hat und den FCS voranstellen muss, damit er funktioniert, denn dieser Job kostet viel Substanz, Einsatz, Arbeit und Zeit.»

Deshalb ist für ihn der Zeitpunkt gekommen, dass die jüngere Generation um Präsident Samuel Scheidegger ganz übernimmt. Ganz Abschied nehmen wird der 2015 zum Ehrenmitglied Ernannte nicht. Er will sich unter den Fans an guten Heimspielen wie am Samstag gegen Schötz erfreuen.

Für ihn war übrigens nicht das Heimspiel vom 1. März 1998 gegen den FC Basel mit der knappen 2:3-Niederlage in der Auf-/Abstiegsrunde 1997/98 und dem Zuschauerrekord von 6750 das Highlight, sondern das letzte Qualifikationsspiel am 7. Dezember 1997 mit dem 2:1-Heimsieg über die SR Delémont: «Mit diesem legendären Tor in den letzten Spielminuten, als Christian Rohr zu Felix Mordeku passte und dieser mit dem Kopf das Siegtor erzielte, standen wir in der Auf-/Abstiegsrunde.» Solothurn als Vierter hatte 37 Punkte auf seinem Konto, die Jurassier 36!

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1