Solothurn

50 Jahre Guggeschränzer: Vom Fehlstart liessen sie sich nicht unterkriegen

Die Solothurner Guggenmusig Guggeschränzer feiert ihr 50-Jahr-Jubiläum – und ist doch erstaunlich jung.

Mit einem veritablen Fehlstart begann die Geschichte der vor 50 Jahren gegründeten Solothurner Guggemusig Guggeschränzer. Für die Grossen Umzüge 1968 nahmen sich 14 Jungnarren – vorwiegend Lehrlinge der damaligen Autophon – und Garagist Werner Pulfer vor, sich schränzend als Guggemusig ins Fasnachtstreiben einzubringen. «Unmittelbar vor dem Umzug auf dem Amthausplatz stellte man jedoch fest, dass das Repertoire und dessen Interpretation wohl noch nicht höheren närrischen Ansprüchen genügen dürfte. Und so lief einer nach dem anderen davon …», schreiben die Guggeschränzer selbst über den Abbruch ihres Abenteuers. Trotzdem liessen sie sich nicht unterkriegen.

Vielmehr gestärkt aus dieser Erfahrung, gründeten sie 1969 im damaligen Restaurant Walliserkanne an der Judengasse die Guggeschränzer. Nun waren sogar 24 Lehrlinge, ein Lehrlingschef und wieder Garagist Werner Pulfer als Namensgeber dabei. «Dabei waren zudem extrem viele Mitglieder der Familien Heim und Nobs, von deren Nachkommen zum zweiten Mal nach 2007 bis 2013 Marco Nobs unser musikalischer Leiter ist», verweist Ehrenmitglied Daniel Bleisch, von den Aktiven mit Eintritt 1987 am längsten dabei, auch auf die «familiären Verbandelungen». Das zeitlos attraktive Signet schuf Kurt Wyss. Somit war man gerüstet für die Umzugspremiere 1970 mit dem damaligen Jugend-Zentrum JZ als Sujet.

Verschiedene «Probis»

Geprobt wurde im Salmenbräu-Depot, ein Jahr später im Restaurant Post in Riedholz und ab 1972 während 20 Jahren in einem Keller der Ghilmetti AG an der Küngoltstrasse. Anschliessend weitere kurzfristige Probelokale waren der Estrich in der leer stehenden Druckerei Union, die Werkstatt der Spenglerei Dubler und die ehemalige Buchbinderei von Gründer Jürg Heim. Bis letztes Jahr fanden die Guggenschränzer während 15 Jahren Gastrecht im Schulhaus in Rüttenen neben dem Hallenbad. «Wegen des Umbaus des Schulhauses mussten wir temporär weg und weil der Raum unbelüftet sowie schimmelig war, der Einbau einer Lüftung zu teuer ist, obwohl ein separater Eingang für uns und zur Modelleisenbahn-Anlage geplant war, müssen wir nach einer neuen Lösung suchen», erzählen Bleisch und Peter Blochwitz, seit einem Jahr Ober. Dank dem ehemaligen Mitglied Roger Gremaud, Abwart bei der Gemeinsamen Schule Unterleberberg, fanden sie für das Jubiläumsjahr Unterschlupf in Hubersdorf.

Guggeschränzer 2018 an der Fasnacht unterwegs

Früher bestimmte der Musikleiter, der zeitweise alle Jahre wechselte, die Stücke. «Heute kann jedes Mitglied Vorschläge machen, und ein Musikteam schaut dann, welche Stücke umsetzbar sind», sagen Blochwitz und Bleisch. Die Guggeschränzer sind von Dreiviertel-Takt-Kompositionen weggekommen zu Schlager und Pop. Zudem sprechen sie sich mit den befreundeten «Konfettistampfern» und «Weihere Schränzern» ab. Legendär ist auch ihr spezieller Wackelschritt. «Er wurde teilweise überzeichnet, wobei wir in der Regel im Gleichschritt zu den entsprechenden Stücken marschieren», erläutern Bleisch und Blochwitz.

«In jeder Beiz zu Hause»

Bis zum Tod von Roland Hammer war das Restaurant Bieltor ihr Stammlokal. «Seither sind wir in jeder Beiz zu Hause, wir haben kein offizielles Stammlokal mehr», erzählen die beiden weiter. Ein spezielles Team war jeweils für die Dekoration des «Töri» zuständig. Weitere Teams zeichneten für die Masken, die Kostüme und die Unterhaltung verantwortlich. Das Team-System blieb bestehen. Jedes Neumitglied wird einem Team zugeteilt. Heute bestehen noch zwei Teams: Kostüme/Masken und Anlässe wie Teilnahme am Märetfescht sowie interne Anlässe wie das Probe-Weekend, das Hausi-Fest als Spiel- und Spasstag im Spätsommer usw.

Bis vor zehn Jahren war der Rock ein Markenzeichen, heute sind es immer noch die obligatorischen Holzböden. «Heuer, aus Traditionsgründen, tragen wir wieder einen Rock», sagen Bleisch und Blochwitz. Zum Jubiläum wurden 250 Personen angeschrieben und zur Teilnahme eingeladen. Elf Ehemalige machen mit, dabei als einziger Gründer Klaus «Godi» Rothen. Aktive sind 31 dabei, davon mit elf ein drittel Männer und zwanzig zwei Drittel Frauen. «Nachdem vor vier Jahren vier junge Frauen von den ‹11i-Schränzern› zu uns kamen und noch andere mitzogen, hat sich das so ergeben», sind Bleisch und Blochwitz erfreut über das tiefe Durchschnittsalter.

Die Auftritte waren nicht nur auf Solothurn beschränkt. Bereits 1970 war man Gast in Langenthal, später an der «Vogue de Carouge» in Genf, in Welschenrohr, Spreitenbach und 2008 am Sächsilüte-Samstag in Zürich sowie international 1973 und 1974 am Karneval in Nizza. Und nicht zu vergessen, das Anführen der Polonaise zur Demaskierung am legendären Tscharandiball – seit 1991 Geschichte.

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