Stadttheater Solothurn

«37 Ansichtskarten» – Ein «schräges» Stück über eine durchgeknallte amerikanische Familie

Trix Hasler, Susanne Ohlwein und René Stocker (v.l.).

Trix Hasler, Susanne Ohlwein und René Stocker (v.l.).

Liebhabertheater-Gesellschaft zeigt im Stadttheater das Stück «37 Ansichtskarten» über eine durchgeknallte amerikanische Familie.

Irgendwo im amerikanischen Staat Connecticut steht ein Haus schief und droht zu versinken. Die Hausherrin erinnert sich an 37 Ansichtskarten, die sie nie erhalten hat, verwechselt die Verlobte ihres Sohnes mit dem Hausmädchen und scheint jeden Bezug zur Realität verloren zu haben. Die totgesagte Grossmutter ist gar nicht tot, sondern lebt in einer Kammer neben der Küche. Der todkranke Vater flüchtet sich ins Golfspielen, das er mit Vorliebe in der Nacht betreibt, und die im selben Haus wohnende Tante backt gerne Muffins und betreibt eine Hotline für Telefonsex. Im Gästezimmer ist ein Elch, die Toilette explodiert und der ebenfalls totgeglaubte Hund ist im Garten ausgewildert.

Das Einzige, was in diesem von der Liebhabertheater-Gesellschaft Solothurn im Stadttheater auf die Bühne gebrachte Theaterstück sofort klar ist: Im Hause der durchgeknallten amerikanischen Familie überwiegt der pechschwarze Humor. Als einigermassen normal können bloss der eben von einer achtjährigen Europareise zurückgekehrte Sohn und seine Verlobte bezeichnet werden. Nicht verwunderlich, dass der Rückkehrer bald einmal feststellt, dass im zwar liebens-würdigen, aber schrägen Elternhaus alles noch schräger geworden ist als damals, als er auszog.

Randvoll hat der amerikanische Autor Michael McKeever die schwarze Komödie mit Skurrilitäten vollgepackt und schonungslos Lebenslügen und Verdrängungen aufgedeckt. Kein Zweifel: hinter der skurrilen Fassade der wohlhabenden Familie stecken Abgründe, die niemand wahrhaben will. Das Ende ist versöhnlich und tragisch zu gleichen Teilen.
Regisseur Norbert Ostermeier greift bei seiner Inszenierung zwar eher sanft und unspektakulär zu, lässt aber keinen Zweifel offen, dass in diesem Irrenhaus einiges schiefläuft.

Als Normalo inmitten einer schrillen Familie gewann Marco Brancato als Avery Sutton beim Premiere-Publikum Punkte und punktete gleichzeitig für berührende Momente. René Stocker (Stanford Sutton) gab sich als golfender Vater gelassen und schaffte es, seine Todesangst zu verdrängen. Susanne Ohlwein gelang es als Evelyn Sutton vortrefflich, ihre Verzweiflung hinter einem zuckersüssen Dauerlächeln zu verbergen. Trix Hasler alias Ester gab sich als perfekte Gastgeberin und einfühlsame Schwester. Mit Eliane Brancato sehr gut besetzt war der Part der Verlobten Gillian, die in der verdrehten Familie einiges aushalten musste. Exzentrisch bis zum Ertragbaren schliesslich Katharina Menin als Grossmutter Nana, die im Hause mehr geduldet als willkommen war und deren Vokabular nicht bloss einmal brüskierte.

Ebenfalls zum Erfolg der Inszenierung beigetragen hatte das im wahrsten Sinn des Wortes schräge Bühnenbild aus dem Theaterfundus plus in Härkingen. Für die Technik sorgte Matthias Ostermeier, der auch als Regieassistent tätig war.

Weitere Vorstellungen von «37 Ansichtskarten»: Dienstag, 19.11. 19.30 Uhr; Sonntag, 15.12. 17 Uhr; Samstag, 21.12. 19 Uhr; Freitag, 27.12. 19.30 Uhr; Samstag, 4.1. 19 Uhr.

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