Fahrradklingeln und Kinderstimmen erfüllen die Luft vor dem Kapuzinerkloster. Zwischen den aufgeregten Kindern und den Lehrpersonen, die Ruhe in die Reihen bringen möchten und Startnummern verteilen, wirkt Verkehrsinstruktor Konrad Müller wie ein Fels in der Brandung.

Ruhig instruiert er die Kinder, bevor es los geht auf die Veloprüfungsstrecke: «Denkt daran, es ist kein Wettrennen! Wenn ihr euch unsicher seid, schaut lieber zwei Mal. Und fahrt alleine, nicht in Grüppchen, damit ihr euch nicht gegenseitig ablenkt. Die grösste Freude, die ihr mir heute machen könnt, ist, wenn ihr alle gesund zurückkommt.» Und er warnt die Kinder: « Die Strecke ist zwar ausgeschildert, doch es gibt immer Leute, die die Schilder zum Spass verdrehen. Fahrt einfach die Strecke, die wir zusammen geübt haben, auch wenn etwas anderes ausgeschildert ist.» Aus den Reihen der Prüflinge tönt es: «Ich bin 55 Mal üben gegangen!» Trotz dem vielen Üben sind die Kinder nervös. Einige berichten, sie haben nicht gut geschlafen, einer der Viertklässler verkündet sogar, er wolle durchfallen. Weshalb? «Weil Durchfallen einfacher ist als Bestehen».

Veloprüfung Solothurn 2019

Veloprüfung Solothurn 2019

Veloprüfung

Nicht alle Velos sind fahrtauglich

Bevor die 170 Viertklässler, die dieses Jahr die Veloprüfung absolvieren, starten dürfen, müssen sie durch die Fahrradkontrolle. Doch nicht jedes Velo ist strassentauglich. Wenn etwas nicht funktioniert, springt ein Polizist ein, um Bremsen anzuziehen, ein Licht zu reparieren oder Reflektoren zu montieren. Im Notfall steht auch ein Ersatzvelo bereit. Konrad Müller lacht: «Zum Glück war ich früher Auto- und Töffmechaniker, so kann ich die Fahrräder noch schnell flicken!»

Neu ist an der diesjährigen Strecke nicht viel. Einzig die Stoppstrasse an der Loretostrasse zur Weissensteinstrasse ist neu, die letzten Jahre musste die Polizei immer eine provisorische Stoppstrasse einbauen, weil auf der Strecke keine zu finden war. Seit der dritten Klasse üben die Kinder das Velofahren schon, mit Veloparkours, Übungen auf der Strasse, einem Ausflug in den Verkehrsgarten, Velofahrkursen von ProVelo. Dank Veranstaltungen wie dem SlowUp und den Bike Days werde das Fahrradfahren wieder beliebter, berichtet Müller. Das merke man auch den Kindern an, die besser Velo fahren. Er erzählt von Erstklässlern, mit denen er das Velofahren geübt habe: «Es gab Erstklässler, die konnten schon perfekt links abbiegen und korrekt einspuren. Ich freue mich, wenn Eltern so engagiert sind und ihren Kleinen schon früh die wichtigen Verhaltensweisen im Strassenverkehr beibringen.»

Die erste grosse Prüfung

Die Nervosität der Schüler ist spürbar. Verständlich, schliesslich ist die Veloprüfung auch die erste «grosse» Prüfung für viele. «Wenn die Kinder die Prüfung bestehen, haben sie auch etwas geleistet», meint Müller. Man wolle die Kinder darauf vorbereiten, in der Stadt mit dem Velo unterwegs zu sein, da sei es wichtig, dass sie wissen, wie man sich im Strassenverkehr verhält. Die Veloprüfung sei der Grundstein für jeden zukünftigen Verkehrskontakt der Kinder. Die Polizei müsse auch streng sein und wirklich schlechte Radfahrer durchfallen lassen. Wer die Prüfung nicht besteht, muss nächstes Jahr noch einmal antraben. «Die Sicherheit steht an erster Stelle», so Müller. Über die kniffligste Stelle auf der Strecke sind sich die Kinder einig: «Ganz am Schluss, auf der Segetzstrasse! Da muss man einspuren, links abbiegen, um den Baum herumfahren und dann gleich an der Ampel halten» Und unbedingt schauen, dass gerade kein Auto kommt!»