Die Narrenpresse erwacht

«11 minuten»: Wie der Solothurner Freisinn zum Frausinn wird

Zum 14. Mal bereichert «11 minuten» die Narrenpresselandschaft

Zum 14. Mal bereichert «11 minuten» die Narrenpresselandschaft

Die 14. Ausgabe des närrischen Blatts «11 minuten» flattert jetzt durch Honolulus Gassen.

Noch bevor das erste Konfetti fällt und die erste Rätsche rätscht, machen sich die Buntheit und Lärm der fünften Solothurner Jahreszeit bemerkbar – subtil wohlgemerkt. So fällt der Gilde der Narrenpresse das Privileg zu, noch vor Schnitzelbänklern, Kostümbastlern und Wagenbauern portionengerecht ihre Spitzen zu verteilen. Gegen Obrigkeiten, Exponenten, Promis und Pechvögel – all dies zum Wohle der Narrengemeinschaft. Die Frühaufsteher unter ihnen haben sich als jüngstes Konsortium vor 13 Jahren aufgemacht, nach dem traditionellen «Postheiri», dem «Hudibras» und dem «Amzblatt» zum vierten Bäumchen im närrischen Blätterwald heranzuwachsen. Heuer schwingt «11 minuten» zum 14. Mal in altgewohnter Sportlichkeit erneut die Narrenkeule.

Dank Hormontherapie zur Stadtpräsidentin?

Zum Beispiel gegen die FDP, die unter dem Motto «Wechseljahre» für die Nachfolge von Kurt Fluri in Stellung geht. Gewünscht wäre – das verhehlt «11 minuten» nicht – eine Frau als Thronfolge der nächsten Legislatur: Beispielsweise in der Person von Feldbrunnens Gemeindepräsidentin Anita Panzer, die sich auf eine Haubitze ihres Namens schwingt, um von Osten her die Machtergreifung Solothurns zu initiieren. Dabei hätte es noch andere, bereits heute in Solothurn wohnhafte «Stapi»-Kandidat*innen, oder solche, die es dank Hormontherapie noch werden können.

Die Schreiberlinge – offensichtlich auch als Photoshöppler versiert – machen die Würdenträger des hiesigen Freisinns mittels digitalem Lidschatten und Wangenrouge zum Solothurner Frausinn und lösen so das bekannte Parteiproblem. Politisch geht es an der Rue de Blamage weiter, wo namhafte Regionalpolitiker – namentlich SP-Roth und SP-Hadorn mit der neu geschaffenen Anstandspatrouille für ein gezähmtes Nachtleben in die Haare geraten. Eskalation inklusive.

Alles dabei: Von Farese bis Thunberg

Der humoristische Abgesang aufs geschlossene Hotel Astoria wird unter dem Motto «Dolce Fareseniente» angestimmt, und durch Truurismusdirektor Hofer bedauert, der gleichzeitig auch um Solothurns fehlende Hotelbetten bangt. Doch die Rettung naht in Form verschiedener Vorschläge. Eine davon: Kurt Fluri bringt ein persönliches Opfer dar, um dem Manko ein Schnippchen zu schlagen: «Da ich mein Schlafbedürfnis vorwiegend in den Sitzungen decke, wäre mein Bett zu vergeben.»

Klar ist: Als Running Gag der honolulesischen Narrenpresse dürfen doch des Stadtobmanns Schlafgebahren – und das ist mittlerweile Naturgesetz – in keiner Fasnachtszeitung fehlen. Weiter gerät «geng wi geng» auch diese Zeitung ins Fadenkreuz der närrischen Artillerie. Auf die Schippe genommen werden ihre publizistische Speerspitze, ebenso aber das Lokalressort und die Abteilung der Kolumnistinnen.

Schwedische Worte zum «Klimakterium»

Und natürlich: Auch zum Thema des Klimawandels wird Tinte vergossen. So nimmt Greta Thunberg die Stadt på svenska auf die Schippe und aufs Korn. Dass sie dabei das kollidierende Verhältnis zwischen dem öV und dem motorisierten Individualverkehr thematisiert, gehört ja wohl dazu: «Pipilisi Volvo Malmö» skandiert Thunberg, illustriert wird das Ganze mit einem der zahlreich vorrätigen Unfallbildli, auf denen ein Personenwagen einmal mehr gegenüber dem Bähnli den Kürzeren zieht. Apropos: Dem Pipilisi, pardon: Bipperlisi, widmet «11 minuten» ein von Rolf Imbach illustriertes «Starposter», ein Wimmelbild, auf dem sich das «Who is who» von Solothurn trifft oder aus dem Weg geht.

Übrigens: Auch Sinn für Kunst beweisen die Schreiberlinge. Unter den entsprechenden Meldungen schwang jene des sonst schwingenden und dann geklauten Stiefels beim Kunstmuseum obenaus. «11 minuten» sprach mit dem Entführten und entlockte ihm einige Details zu seiner Errettung.

Gegen das «Strahlenmehr», für das «Bisibecki»

Bei allen thematischen Schwerpunkten fallen auch die Klein- und Feinheiten ins Gewicht, die von Wortwitz, Gestaltungssinn und wachem Geist ihrer Verfasser zeugen: So werden – wieder in gekonnter Photoshop-Manier bedrohliche 5G-Antennen auf die Kathedrale montiert. Damit beginne der Kampf gegen das «Strahlenmehr». Oder topaktuell zur laufenden Beckensanierung: Im Sinne einer genderneutralen Badi-Sanierung soll Solothurn Signale setzen – mit einem «Bisibecki für alle».

«11 minuten» gibts gratis an folgenden Standorten: Chuchilade, Jeger Kolonialwaren, Boden Mobilia, Bruno Walter Architekten, Craft Bier Center, Cantina del Vino, Zunfthaus zu Wirthen, Pizzeria Sternen, Taverna Amphorea, Restaurant Akropolis, Jägerstübli und Chicken Chaotikum.

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