Mittelalter

St.Katharinen: Wegen Lepra in lebenslänglicher Quarantäne im «Siechenhaus»

Hier in St. Katharinen befand sich früher das Siechenhaus.

Hier in St. Katharinen befand sich früher das Siechenhaus.

Eine Geissel des Mittelalters war ab dem 12. Jahrhundert der Aussatz (Lepra), durch die Kreuzzüge nach Mitteleuropa eingeschleppt. Die Krankheit war kaum ansteckend, aber die Betroffenen litten zeitlebens unter offenen, eitrigen Wunden. Auch ihr unerträglicher Anblick bewog Städte wie Solothurn zur Einrichtung von «Siechenhäusern».

Im 13. Jahrhundert sind erste Vergabungen an die Institution draussen vor dem Baselstor überliefert. Die Gugler brannten das Holzhaus 1375 ab, doch wurde das später zu St. Katharinen genannte Siechenhaus mit Kapelle rasch wieder aufgebaut.

Aufgenommene Aussätzige hausten dort drinnen lebenslänglich. Sie wurden zwar verpflegt, auch durch eine Magd betreut und genossen geistlichen Beistand, doch das Verlassen des Hauses war strikt untersagt. In lange Umhänge mit Kapuzen gehüllt mussten sie stets eine Holzklapper bei sich tragen, um näherkommende Menschen zu warnen. Lepra-Kranke hatten sich für mindestens 20 Pfund einzukaufen, wobei Stadtbürger bei der Aufnahme ins Siechenhaus den Vorzug genossen. Zudem wurden Almosen für die Aussätzigen gesammelt; auch gabs viermal im Jahr vom Bürgerspital eine halbe Mass Wein für alle Insassen. Pestkranke dürften dagegen kaum ins Siechenhaus gekommen sein, da der Krankheitsverlauf sehr radikal war und der Tod längstens nach wenigen Tagen eintrat.

Ende des 16. Jahrhunderts verschwand der Aussatz, und das heutige Alters- und Pflegeheim der Bürgergemeinde entstand ab 1860. Damals ersetzte die neue Heil- und Pfleganstalt Rosegg den inzwischen mehrfach umgebauten Komplex von St. Katharinen in seiner vorherigen Funktion als Irrenhaus für geistig Erkrankte. (ww)

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