Energieforum
Silvio Borner: «Viagra rettete das weisse Nashorn»

Neben dem Energiepreis für Gautschi AG gabs am siebten Energieforum in Solothurn Pointiertes des Ökonomen Silvio Borner.

Andreas Kaufmann
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V.l. Kurt Fluri (VR-Präsident Regio Energie/Stadtpräsident), Carlo Colombi (Verkaufsdirektor der Gautschi AG als Preisträgerin), Ueli Schwaller (Geschäftsführer Gautschi AG), Felix Strässle (Direktor Regio Energie).

V.l. Kurt Fluri (VR-Präsident Regio Energie/Stadtpräsident), Carlo Colombi (Verkaufsdirektor der Gautschi AG als Preisträgerin), Ueli Schwaller (Geschäftsführer Gautschi AG), Felix Strässle (Direktor Regio Energie).

Andreas Kaufmann

«Noch vor 30 Jahren war die ‹Energieszene› langweilig, abgesehen von gelegentlichen Demos gegen AKW», so die einleitenden Worte von Felix Strässle, Direktor der Regio Energie Solothurn (RES) am siebten Energieforum. Dieses aber bezieht seine Daseinsberechtigung aus dem Umstand, dass sich seither einiges geändert hat: «Heute sind Energiethemen zentral, vor allem kombiniert mit klimapolitischen Fragestellungen», so Strässle.

Nachdem die RES wegen der 150-Jahr-Feierlichkeiten mit dem Anlass ein Jahr pausiert hatte, fanden sich heuer rund 220 geladene Gäste für einen erneut «energiegeladenen» Abend im Landhaus ein.

«Vorlesung» in Marktwirtschaft

Energiegeladen war schon nur der Referent des Abends. Silvio Borner, emeritierter Wirtschaftsprofessor der Uni Basel, referierte zum «Ungesunden Menschenverstand» - es sind dies auch als Buch erhältliche «Einsichten eines liberalen Ökonomen», Thesen, die in ihrer staatskritischen Färbung unbequem und gleichzeitig unterhaltend wirken. Mit Aussagen wie «Viagra hat natürliche Potenzmittel abgelöst und so das weisse Nashorn vom Aussterben bewahrt» oder «Alle Nutztiere der Erde produzieren 50 Prozent mehr Klimagase als der weltweite Verkehr», veranschaulichte Borner, wie Ökonomen die Welt sehen - empirisch statt intuitiv.

So verortete er die Wirtschaftswissenschaft als Verhaltenslehre: «Wir untersuchen, wie sich das Verhalten mit den Anreizen ändert. Ob ein Schlosser einen Schlüsseldienst eröffnet oder Einbrecher wird, hängt von den Anreizen ab.» Mit seiner Kritik an staatlichen Eingriffen und an der diffusen Definition des «Service Public»-Begriffs trat er für die Deregulierung ein: «Dass ich an Vorträgen gar die freie Marktwirtschaft verteidigen muss, macht mir Sorgen», so sein Plädoyer.

Was folgte, waren kritische Salven gegen das garantierte Grundeinkommen, gegen Beiträge fürs Wohneigentum und - im Rahmen des Anlasses besonders provokant - gegen die Förderung von Alternativenergien. Die so genannte «Fiskalillusion» lasse die Leute im Irrglauben, dass die Leistungen des Staates gratis wären, nur weil Steuern voraussetzungslos statt nach Verbraucherprinzip erhoben würden: «Dies führt zu einer fortlaufenden Ausdehnung der Staatstätigkeit», so seine Anmerkung. «Sie wären wohl besser dran gewesen, wenn Sie mich als Preisträger statt als Referenten eingeladen hätten», beschloss Borner schliesslich sein pointiertes Referat und leitete damit über zur Verleihung des Regio-Energie-Preises. Doch für ausgeprägtes ökologisches (und nicht nur ökonomisches) Bewusstsein kam dann doch jemand anders in die Kränze.

Energiegeladen, doch unkontrovers war letztlich auch der Abschluss des Energieforums. In einer eindrücklichen Lichtshow vereinte das Trio unter dem Namen «Coloro» Akrobatik und Multimedia und zog das Publikum damit in seinen Bann.