Persönlich
Solothurner Harmonie: Ein selbstgefälliger Geist

Eine Rede des obersten Wirtschaftslobbyisten stösst in der Region auf viel Kritik – zu Recht. Fragen hinterlässt jedoch auch die Solothurner Harmoniebedürftigkeit.

Sven Altermatt
Sven Altermatt
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Seine Rede sorgte in Solothurn für Wirbel: Economiesuisse-Präsident Christoph Mäder.

Seine Rede sorgte in Solothurn für Wirbel: Economiesuisse-Präsident Christoph Mäder.

Keystone

Es ist nicht anzunehmen, dass Christoph Mäder so schnell wieder in unserem Kanton auftreten mag. Dem Economiesuisse-Chef prallt nach seiner Rede bei der Solothurner Handelskammer viel Kritik entgegen. Dass sich Linke wehren, wenn der oberste Wirtschaftslobbyist ihnen «blinde Referendumswut» vorwirft und sie im Saal wahlweise als «heuchlerisch» oder «verantwortungslos» tituliert: geschenkt.

Die Rede war eine unverhohlene Attacke gegen den politischen Gegner – ohne inhaltliche Auseinandersetzung mit dessen Argumenten. Solcherlei kommt nie gut an. Egal, ob es von links oder rechts kommt. Egal, ob im konfliktscheuen Solothurn oder sonst wo.

Auch Bürgerliche bekunden freilich Mühe mit Mäders Auftritt. Nun wird allseits der vermittelnde Solothurner Geist beschworen. Bei uns, so heisst es, pflege man eben noch einen anderen Umgangston. Bei uns sei der Ausgleich zentral. Bei uns löse man Probleme im Konsens.

Jetzt mal halblang! Es ist reichlich selbstgefällig, die Harmoniebedürftigkeit zu überhöhen, ja sie gar zur vornehmsten Ausprägung solothurnischer Politik zu erklären. Lieber sollte man sich fragen, warum echte Debatten und öffentlich sichtbarer Wettstreit der Argumente hier doch eher selten stattfinden.

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